Wenn auf gar nichts mehr Verlass ist, muss es der liebe Gott richten, oder zumindest seine Stellvertreter auf Erden. Wie seine acht verbliebenen Konkurrenten geht Joe Biden, Ex-US-Vizepräsident unter Barack Obama und in den bundesweiten Umfragen führende Präsidentschaftskandidat der Demokraten, dieses Wochenende ins Finale der ersten Schlacht im Krieg um das Herz und das Hirn der Parteibasis. Anders als seine Mitbewerber hat sich der 77-Jährige vor den am Montag stattfindenden Iowa Caucuses, dem ersten partei-internen Wettbewerb im Wahlkalender 2020, Beistand von ganz oben geholt. Buchstäblich, quasi.

"Little Rome" nennen sie in Iowa die Kleinstadt Dubuque. Abgesehen von über einem Dutzend Kirchen beherbergt sie zwei katholische Universitäten und nicht weniger als sechs Ordensgemeinschaften. Damit nicht genug, ist Dubuque mit seinen kaum 60.000 Einwohnern die kleinste Stadt der USA, die sich ihre eigene Erz-Diözese hält. Betrieben und verwaltet werden all diese Institutionen maßgeblich von hunderten Nonnen, die ihren Dienst für gewöhnlich betont unauffällig verrichten.

Nun gelten die Nonnen von Dubuque aber auch von jeher als politisch hellwach und wahlfreudig, was sie wiederum zu begehrten Objekten von Politikern macht, die Präsident der Vereinigten Staaten werden wollen; und weil der praktizierende Katholik Joe Biden das weiß, hat er sie in den vergangenen Wochen und Monaten noch einmal umgarnt, als ob es kein Morgen gäbe - und das offenbar mit Erfolg.

Es könnte böse
Überraschungen geben

Pete Buttigieg könnte noch für Überraschungen sorgen. - © afp/Justin Sullivan
Pete Buttigieg könnte noch für Überraschungen sorgen. - © afp/Justin Sullivan

Letzten Berichten von Lokalmedien zufolge schrieben sich die Ordensfrauen bis zuletzt die Finger wund, um ihre Schäfchen, Freunde und Bekannten von der Sinnhaftigkeit einer Stimme für den Mann zu überzeugen, der schon zu dem Zeitpunkt als alter Hase galt, als er 2009 im Weißen Haus den Vizepräsidenten-Flügel bezog. Zum Zeitpunkt seiner Ernennung zu Obamas Stellvertreter hatte Joe Biden sage und schreibe 35 Jahre lang dem Bundesstaat Delaware als Senator gedient und sich zweimal selber erfolglos um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei beworben.

Elisabeth Warren erhielt eine Wahlempfehlung von der größten Tageszeitung Iowas. - © afp/Stephen Maturen
Elisabeth Warren erhielt eine Wahlempfehlung von der größten Tageszeitung Iowas. - © afp/Stephen Maturen

Nicht zuletzt aufgrund dieses Erfahrungsschatzes weiß er wie kein Zweiter um die Besonderheiten und die Tücken, die die Iowa Caucuses seit ihrem Debüt im Jahr 1972 bereit halten - und unternimmt entsprechend alles, um sich vor bösen Überraschungen zu wappnen.Ob’s nutzt, wird sich erst im Laufe des Montagnachmittags und -abends herausstellen, wenn in den Wahlkampfzentralen in der Landeshauptstadt Des Moines die Ergebnisse aus den 99 Bezirken eintrudeln. Auf nämliche verteilen sich wiederum rund 1700 Orte, an denen sich jene Bürgerinnen und Bürger Iowas, die sich in den Wählerverzeichnissen als Parteigänger der Demokraten deklariert haben, zum Abstimmen einfinden: Schulen, Kirchen, öffentliche Bibliotheken, und bisweilen sogar Privat-Häuser. Für Demokraten sind die Caucuses keine Vorwahl wie jede andere.