Knapp, aber doch: Der Sieger der Vorwahlen der Demokratischen Partei im Bundesstaat New Hampshire heißt bei nahezu 100 Prozent Auszählungsstand Bernie Sanders. Wie schon vor vier Jahren gewann der Senator von Vermont im "Granite State" mit seinen rund 1,4 Millionen Einwohnern die meisten Stimmen (26 Prozent/neun Delegierte zum Parteitag).

Auf Platz zwei landete Pete Buttieg, Ex-Bürgermeister von South Bend, Indiana (24 Prozent/neun Delegierte), gefolgt von Amy Klobuchar, Senatorin von Minnesota (20 Prozent/sechs). Hinter diesem Trio landeten Elizabeth Warren und Joe Biden – letztere nehmen mit je nicht einmal zehn Prozent Stimmenanteil original null der 24 zu vergebenden Delegierten zum Parteitag mit. Unter ferner liefen, sprich zwischen vier und drei Prozent, in dieser Reihenfolge: der Milliardär Tom Steyer, die Kongress-Abgeordnete Tulsi Gabbard und der Entrepreneur Andrew Yang. Alle anderen Kandidaten kamen nicht über ein Prozent Stimmenanteil hinaus. Yang, der selbsternannte "Kandidat des Internet" und Michael Bennett, Senator von Colorado, gaben noch am Wahlabend ihren Rückzug bekannt. Die Wahlbeteiligung war hoch, reichte nach letzten Einschätzungen an die des historischen Allzeithochs von 2008 heran.

Wann gibt Biden auf?

Im Gegensatz zu den Top-Drei-Platzierten des Abends scheint die Frage mittlerweile berechtigt, wann Joe Biden endlich einsieht, dass auch sein dritter Versuch, US-Präsident zu werden, zum Scheitern verurteilt ist. In New Hampshire fiel die Niederlage des Ex-Vize von Barack Obama noch vernichtender aus als in Iowa, wo er trotz seiner Stellung als Führender in den bundesweiten Umfragen nur auf Platz vier landete. Entsprechend nahmen der langjährige Senator von Delaware und seine Entourage buchstäblich Reißaus noch bevor die ersten Ergebnisse bekannt waren: Ihr Flugzeug landete noch am Wahlabend in South Carolina, der vermeintlich letzten Hochburg des 77-Jährigen, wo am 29. Februar gewählt wird.

Fakt ist, dass sich der erste Trend, der sich bei den Iowa Caucuses abzeichnete, in New Hampshire prinzipiell fortsetzte: Während sich die linke Flanke der Partei um Sanders sammelt – zum Leidwesen vor allem von Warren, die selbst von ihrer Rolle als Senatorin aus einem benachbarten Bundesstaat nicht profitieren konnte – kristallisieren sich Buttigieg und Klobuchar als Favoriten der eher moderat gesinnten Parteibasis heraus; mit signifikanten Vorteilen für Buttigieg, dem ersten offen homosexuellen Präsidentschaftskandidaten der US-Geschichte.

Bernie Sanders gab sich derweil im Rahmen seiner Siegesrede konziliant und gelobte – unter hörbarem Ächzen seines Anhangs – im Fall des Falles jeden Kandidaten zu unterstützen, den die Demokraten nominieren, wer immer am Ende die Nase auch vorn habe. Einen Seitenhieb gegen Buttigieg, der sich wie praktisch alle anderen Kandidaten beim Geld einsammeln bei ultra-reichen Landsleuten keine Blöße gibt, mochte er sich dann aber doch nicht verkneifen: "Wir kämpfen gegen Milliardäre und Kandidaten, die von Milliardären unterstützt werden." Auch insofern eine gewagte Aussage, als sich angesichts der schon jetzt mit hunderten Millionen Dollar prall gefüllten Wahlkampf-Kasse von Donald Trump sonst kein auch nur halbwegs ernst zu nehmender Kandidat Illusionen darüber macht, was ihn oder sie im Herbst erwartet.

Kommende zwei Wochen richtungsweisend

Amy Klobuchar hat mit ihrem Erfolg in New Hampshire ihre Chancen gewahrt, die erst zweite Frau zu werden, die die Demokraten ins Rennen um die Präsidentschaft schicken; aber davon abgesehen, dass sie mit ihrem Achtungserfolg Buttigieg den Sieg kostete, hat sie – anders als die in dieser Hinsicht organisatorisch überlegene Sanders-Partie, an die auch Buttigieg nicht heran kommt – bisher weder in Nevada (Caucuses am 22. Februar), South Carolina noch den Bundesstaaten des Super Tuesday (3. März) eine funktionierende Wahlkampf-Infrastruktur am Start.

Wie aussagekräftig die Ergebnisse von New Hampshire und Iowa wirklich sind, wird sich in den kommenden zwei Wochen weisen. Anders als in diesem Teil des Nordostens und im Mittleren Westen spielen die ethnischen Minderheiten in Nevada (27.3 Prozent Hispanics und Latinos) und South Carolina (26.6 Prozent Afroamerikaner) eine überproportionale Rolle. Zudem in Nevada nicht zu unterschätzen: die ebendort ob ihrer Mobilisierungsfähigkeit so gefürchteten wie mächtigen Gewerkschaften, allen voran die 60.000 Mitglieder zählende Gastronomie-und Hotelarbeiter-Gewerkschaft Culinary Union, deren Chefs mit einem simplen Daumen-hoch/Daumen-runter über das Schicksal eines Kandidaten entscheiden können.

Traditionell hat sich "The Culinary" zu diesem Zeitpunkt des Präsidentschaftswahlkampfs bereits entschieden, wen sie unterstützt, aber heuer steht lediglich fest, wen sie in Las Vegas und Reno nicht siegen sehen will: Sanders und Warren. Beiden warfen Gewerkschaftsvertreter in Aussendungen vor, mit ihren jeweiligen Plänen für eine Totalreform des Gesundheitssystems "unser in den 85 Jahren unserer Existenz mühsam errungenes Recht auf eine funktionierende Gesundheitsversicherung zu untergraben."