Der Sieger der Nevada-Caucuses heißt Bernie Sanders. Wie schon bei den Vorwahlen in New Hampshire landete der Senator von Vermont auf Platz eins – und sein Erfolg fiel noch um ein ordentliches Eck deutlicher aus als dort. Nach 50 Prozent Auszählungsstand hielt Sanders bei mindestens 46 Prozent Stimmenanteil – mehr als doppelt so viel wie der Zweitplatzierte, Ex-Vizepräsident Joe Biden (knapp unter 20 Prozent) und fast dreimal so viel wie Pete Buttigieg, Ex-Bürgermeister von South Bend, Indiana (15 Prozent).

Relativ abgeschlagen auf Platz vier landete Elizabeth Warren, Senatorin von Massachussets (10 Prozent). Das war trotzdem immerhin noch mehr als doppelt so viel wie die Nachgereihten: Amy Klobuchar, Senatorin von Minnesota auf Platz fünf (4,8 Prozent) sowie der Milliardär Tom Steyer (3,8 Prozent). Laut Hochrechnungen wird sich an diesem Ergebnis nichts mehr prinzipiell ändern bis auch die letzte Stimme ausgezählt ist. Quereinsteiger Michael Bloomberg stand in Nevada noch nicht zur Wahl.

Trend zeichnet sich bereits ab

Entsprechend zeichnet sich nach dem erst dritten Wettbewerb im Vorwahlkalender der Demokraten bereits jetzt ein Trend ab, der von der einen Hälfte der Partei enthusiastisch begrüßt und von der anderen, milde formuliert, skeptisch gesehen wird. Sanders konnte sich seines Erfolgs in Nevada derart sicher sein, dass er den im Südwesten der USA gelegenen Bundesstaat noch vor dem Eintreffen der ersten Ergebnisse Richtung Texas verließ, um dort für den möglicherweise bereits vorentscheidenden "Super Tuesday" am 3. März um Stimmen zu werben.

Was diejenigen über den Erfolg des selbst erklärten demokratischen Sozialisten denken, die mehr oder weniger das Parteiestablishment repräsentieren, fasste am Wahlabend am treffendsten wohl Buttigieg zusammen: Die Bewegung, die Sanders repräsentiere, sei laut dem 38-Jährigen eine "unflexible, ideologische Revolution" und der "Tenor" seiner Wahlkampagne geprägt von "Kampf, Spaltung und Polarisierung".

Die Furcht, die Buttigieg mit praktisch allen alteingesessenen Parteifunktionären sowie der absoluten Mehrheit der Kommentatoren in den amerikanischen Mainstream-Medien teilt: Nicht nur würde ein Präsidentschaftskandidat Sanders Donald Trump im direkten Vergleich unterliegen, sondern auch den Kampf um die Rückeroberung der Mehrheit im Senat und die bei den vergangenen Midterms wieder gewonnene Mehrheit im Abgeordnetenhaus gefährden.

Bruchlinien deutlicher denn je

Eine angesichts des US-Wahlsystems – Stichwort Electoral College – nicht unberechtigte Kritik, die geradewegs an das anschloss, was sich bei der der Wahl vorangegangenen Fernsehdebatte am Donnerstag in Vegas abgespielt hatte. In deren Rahmen waren die Bruchlinien zwischen den nach Iowa und New Hampshire verbliebenen Kandidaten sowie einem Newcomer, der sich den Platz am Podium buchstäblich erkauft hatte – Mike Bloomberg, 78, Multimilliardär und Ex-Bürgermeister von New York – deutlicher geworden als jemals zuvor.

Als "Gewinnerin" der Diskussion hatte eigentlich Elizabeth Warren gegolten, die sie dominierte und sich erstmals so richtig kämpferisch und angriffig präsentiert hatte. Keiner ihrer Konkurrenten schoss sich so eloquent wie effektiv auf Bloomberg ein wie die 70-jährige Senatorin ("Wir können es uns nicht leisten, den einen arroganten Milliardär durch einen anderen arroganten Milliardär zu ersetzen"), die in Iowa und New Hampshire deutlich hinter den Erwartungen geblieben war. Wie sich spätestens am Wahltag herausstellte, kamen die ihr neu entgegengebrachte Aufmerksamkeit und das damit verbundene sprudelnde Spendengeld aber zu spät, weil gut die Hälfte der Wahlberechtigten bereits vor der Debatte den Stimmzettel mit ihren Präferenzen abgegeben hatten.

Ein anderes Problem hat indes Joe Biden. Er wurde von Sanders zum dritten Mal in Folge de facto gedemütigt – und das in einem Bundesstaat, in dem Minderheiten die Mehrheit darstellen - Hispanics machen rund ein Drittel der Wählerschaft aus, Afroamerikaner 10 Prozent und Menschen mit asiatischen Wurzeln 9 Prozent. Der Anteil der weißen Bevölkerung beläuft sich auf 49 Prozent. Außerdem sind in Nevada die Gewerkschaften noch stark - die ebenfalls zu den traditionellen Verbündeten von Biden gehören. Doch der 78-jährige Ex-Vizepräsident will noch immer nicht aufgeben. Nach wie vor klammern sich Biden und seine Berater an die Vorstellung, dass eine Spitzenplatzierung bei den am kommenden Samstag stattfindenden Vorwahlen in South Carolina eine Wende herbeibringen könnte; aber selbst dort, wo seine ehemals treuesten Verbündeten die Mehrheit der Wählerschaft stellen – afroamerikanische Männer und Frauen – gibt es längst keine Garantie mehr darauf, dass Sanders seine Spitzenreiter-Position nicht auch dort nur weiter einzementiert. Es wäre der nächste kleine Schritt vor dem möglicherweise ganz großen.

"Super Tuesday" für Sanders entscheidend

Am "Super Tuesday" wird unter anderem in Kalifornien und Texas gewählt. Landet Sanders jeweils auch dort auf Platz eins, wird es schwer bis unmöglich werden, seinen Vorsprung an Delegierten zum Parteitag noch einzuholen; und selbst, wenn er es vor der von 13. bis 16. Juli stattfindenden Convention der Demokraten in Milwaukee, Wisconsin, nicht schafft, über die nötigen 50 Prozent an Delegiertenstimmen zu kommen, wird es für seine Gegner extrem schwer zu argumentieren sein, ihm die Nominierung zu verweigern.

Donald Trump und die Republikaner reiben sich indessen ziemlich offen die Hände. Am Wahltag breitete sich der Präsident genüsslich per Twitter über das Faktum aus, das Russland nach Erkenntnis der US-Geheimdienste Sanders' Kandidatur unterstützt (weil ihm Putin offenbar von allen Kandidaten am wenigsten zutraut, seinen Freund Trump zu schlagen) und Trump ließ es sich dementsprechend auch nicht nehmen, das Ergebnis von Nevada zu kommentieren: "Sieht aus als ob Crazy Bernie gut abschneidet (...) Gratulation, und lass dir den Sieg nicht wegnehmen."