Angesichts seiner Favoritenrolle wird der Parteilinke Bernie Sanders immer schärfer von seinen Konkurrenten im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten attackiert. Bei einer hitzigen TV-Debatte der oppositionellen Demokraten war der 78-jährige Senator am Dienstagabend (Ortszeit) wiederholt die Zielscheibe heftiger Angriffe durch seine Mitbewerber.

Ihr Hauptvorwurf lautete, dass der selbst ernannte "demokratische Sozialist" moderate Wähler verschrecke - und deswegen bei der Wahl im November keine Chance gegen Amtsinhaber Donald Trump habe.

Bloomberg mit Frontalattacke

Der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg fuhr gleich zum Auftakt der Debatte, die eine Woche vor dem Superwahltag Super Tuesday ausgetragen wurde, die erste Frontalattacke gegen Sanders. Russlands Staatschef Wladimir Putin sei für eine Wiederwahl Trumps und wolle deshalb Sanders zur Kandidatur verhelfen - damit dieser dann gegen Trump unterliege. "Bernie wird gegen Donald Trump verlieren", sagte Bloomberg.

Der Medienmilliardär bezog sich damit auf Medienberichte über US-Geheimdiensteinschätzungen, wonach Moskau sich zugunsten von Sanders in die Vorwahlen einmischen will. Sanders entgegnete in der Debatte, er werde keine russische Wahleinmischung zulassen.

Der frühere Vizepräsident Joe Biden warf Sanders vor, in der Vergangenheit als Senator gegen ein schärferes Waffenrecht gestimmt zu haben. Außerdem machte er dem 78-Jährigen positive Äußerungen zum kommunistischen System auf Kuba zum Vorwurf.

Senatorin Amy Klobuchar und Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg - beide wie Biden Vertreter des moderaten Parteiflügels - kritisierten vor allem Sanders' Vorschläge für eine gesetzliche Krankenversicherung für alle US-Bürger. Die Pläne seien nicht finanzierbar und würden bei vielen demokratischen Politikern auf Ablehnung stoßen, sagten sie bei der in Charleston im Bundesstaat South Carolina ausgetragenen TV-Debatte.

Buttigieg warnte zudem, sollte Sanders zum Präsidentschaftskandidaten gekürt werden, bedeute das "Chaos" - und "vier weitere Jahre Donald Trump".

Sanders ironisch

Sanders nahm die Attacken mit Ironie: "Ich höre meinen Namen heute Abend ein wenig", sagte der Senator. "Ich frage mich, warum." Zugleich verteidigte er energisch seine politischen Vorschläge. So beteuerte er, eine universelle Krankenversicherung würde die Kosten für das Gesundheitssystem letztlich senken und nicht erhöhen. Eine medizinische Versorgung für alle sei zudem keine "radikale" Idee, sondern ein "Menschenrecht".

Die Angriffe auf Sanders kommen nicht von ungefähr: Der Senator ist bei den Vorwahlen der Demokraten derzeit klarer Favorit. Er landete in den bisherigen drei Vorwahlen vorne und führt die landesweiten Umfragen mit deutlichem Vorsprung an.

Auch bei der nächsten Vorwahl in South Carolina am Samstag hat Sanders gute Karten: Umfragen sehen ihn derzeit auf Platz zwei hinter Biden. Sanders hat den Abstand zum Ex-Vizepräsidenten in dem Südstaat zuletzt verkleinern können und holte in der wichtigen Wählergruppe der Afroamerikaner auf. Biden braucht nach den bisher für ihn enttäuschend verlaufenen Vorwahlen dagegen dringend einen Erfolg.

Spannung vor Super Tuesday

Besonders wichtig ist dann der sogenannte Super Tuesday am kommenden Dienstag, an dem in gleich 14 US-Staaten gewählt wird. Es geht dabei um rund ein Drittel aller Delegierten, die schließlich im Juli den Herausforderer oder die Herausforderin Trumps offiziell küren werden. Die Demokraten sind derzeit gespalten zwischen einem linken und einem moderaten Flügel und streiten, wer im November die besten Chancen gegen Trump hat.

Der erst spät ins Rennen eingestiegene Multimilliardär Bloomberg steht am Super-Dienstag das erste Mal seit Beginn der Vorwahlen auf den Wahlzetteln. Er wurde nun - wie bereits bei einer TV-Debatte vergangene Woche - erneut vor allem von der ebenfalls linksgerichteten Senatorin Elizabeth Warren scharf attackiert. Die meisten Angriffe bekam aber Sanders ab. (apa, afp)