Der Sieger des "Kleinen Super Tuesday" ist der gleiche wie vergangene Woche beim "Großen": Joe Biden. Der 77-jährige Ex-Vizepräsident von Barack Obama konnte – teilweise überdeutlich – die Vorwahlen in Michigan, Missouri, Mississipi, North Dakota und Idaho für sich entscheiden. Sein Konkurrent Bernie Sanders musste sich mit einem Achtungserfolg in Washington begnügen. Der 78-jährige Senator von Vermont liegt jetzt im Rennen um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei soweit hinten, dass ein Verbleib in nämlichem de facto nur mehr nach rein rechnerischen Kriterien Sinn macht. Angst vor dem Coronavirus zeigten die Teilnehmer der Primaries keine.

Obwohl beide Kandidaten ihre jeweils letzten Wahlkampfveranstaltungen aus Sorge um die öffentliche Gesundheit absagten, schoss die Wahlbeteiligung wie schon am Super Tuesday teilweise massiv in die Höhe – in manchen Bezirken bis zu 50 Prozent. Den Unterschied, wie sich die Stimmen verteilten, machten auch diesmal jene Wählergruppen aus, die schon vor einer Woche dem Aufruf nahezu des gesamten liberalen Partei-Establishments gefolgt waren: ältere afroamerikanische Wählerinnen und Wähler, weiße Männer und Frauen mit Hochschulabschluss, die in den besser gestellten Vororten der Großstädte leben sowie quer durch die Bank alle, die bis zum letzten Moment mit ihrer Entscheidung gewartet hatten. Am Ende ließ das Resultat an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Von den rund neun Prozent der Stimmen der Parteibasis, die an diesem Dienstag zu vergeben waren, gingen weit über 50 Prozent an Biden.

Auch Michigan an Biden

Den größten Preis am Wahltag stellte Michigan dar, in dem Sanders vor vier Jahren noch überraschend Hillary Clinton schlagen konnte. Diesmal hängte ihn Biden selbst dort deutlich ab, trotz Solidaritätsbekundungen prominenter Fürsprecher wie Jesse Jackson, der sich 1984 als erster Afroamerikaner um die Nominierung der Demokraten beworben hatte oder einer des Autors und Filmemachers Michael Moore, der in dem Bundesstaat im Mittleren Westen geboren wurde und aufwuchs. Bei einem Auszählungsstand von 82 Prozent an Stimmen hielt Biden in Michigan bei einem Anteil von 53 Prozent, Sanders bei nur 38. Im Süden, wo afroamerikanische Wähler eine überproportional große Rolle spielen, fiel Bidens Sieg, man kann es nicht anders sagen, überwältigend aus: In Mississippi hielt er nach Auszählung fast aller Stimmen bei sagenhaften 81 Prozent zu Sanders' 15.

Angesichts der unzweideutigen Ergebnisse des "Mini Super Tuesday" häufen sich in den sozialen Medien im Allgemeinen und innerhalb der Demokratischen Partei im Besonderen mittlerweile jene Stimmen, die Sanders offen zur Aufgabe aufrufen. Der Wahlkampfstratege James Carville, als maßgeblicher Architekt der zwei Präsidentschaften von Bill Clinton (1992-2000) und Berater zahlreicher Mitte-Links- (und Rechts-) Politiker auf der ganzen Welt eine Art graue Eminenz der Liberalen, rief Sanders noch am Wahlabend auf, das Handtuch zu werfen und den Weg für eine vorzeitige Nominierung Bidens frei zu machen. Der Angesprochene, der noch am Wahlabend in seinen Heimat-Bundesstaat Vermont zurückkehrte, hielt sich vorerst noch mit einer Antwort zurück; aber Bernie Sanders ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, was es geschlagen hat.

Fernsehdebatte ohne Publikum

Am Sonntag steht vor dem nächsten wichtigen Vorwahltag – am kommenden Dienstag stimmen Arizona, Florida, Illinois und Ohio ab – plangemäss eine Fernsehdebatte in Phoenix an, die wegen des Coronavirus ohne Publikum stattfinden soll. Ob ein Antreten von Sanders dort noch etwas bewegen kann, gilt als hochgradig unwahrscheinlich: Laut Umfragen schlägt ihn Biden nicht nur in Arizona, sondern auch in jeder einzelnen Primary in jedem der genannten Bundesstaaten.