Wer gewinnt die US-Präsidentschaftswahl am 3. November? Glaubt man dem Durchschnitt der nationalen Umfragen, liegt der demokratische Herausforderer Joe Biden derzeit deutlich vor dem republikanischen Amtsinhaber Donald Trump.

Laut der auf gewichtete Umfragen spezialisierten Webseite Fivethirtyeight lag Biden vor dem demokratischen Parteitag bereits rund neun Prozentpunkte vor Trump. Ein Vorsprung, den er gehalten hatte - bis zum republikanischen Parteitag. Nun liegt Biden immerhin noch mit rund sieben Prozentpunkten voran. Dass die Popularitätswerte kurz nach den jeweiligen Parteitagen ein bisschen an Momentum gewinnen, und dann wieder verflachen, ist allerdings normal.


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Der Vorsprung der Prozentpunkte wird errechnet über die registrierten Wähler - in den USA muss man sich aktiv für dieses demokratische Grundrecht eintragen. Der Grund dafür ist, dass es kein verpflichtendes Melderegister gibt.

Ein paar Umfragen, die besonders aussagekräftig sind, befragen übrigens nicht einfach die registrierten Wähler, sondern jene, die mit hoher Wahrscheinlichkeit wählen werden. Das macht die Ergebnisse noch genauer. Doch letztlich kommt es nicht auf die Anzahl der Stimmen an. Im Jahr 2016 verlor bekanntlich Hillary Clinton gegen Donald Trump, auch wenn sie mehr Stimmen (Popular Vote) auf sich vereinigen konnten. Sie hinkte bei den Wahlmännern hinterher.

538 Wahlpersonen, das Electoral College, werden vergeben. Die Hälfte davon plus eins sind 270 Stimmen. Das ist die magische Zahl, die ein Kandidat braucht, um US-Präsident zu werden.

Unter den 50 Bundesstaaten, plus Washington DC, die wählen dürfen, sind die meisten schon im Vorfeld einer Partei zugehörig.


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In Alabama oder Wyoming zahlt es sich kaum aus, wahlwerbend tätig zu sein. Diese Bundesstaaten werden für die Republikaner stimmen. So wie sie es schon immer getan haben.

In New York oder Kalifornien sieht es ähnlich aus, wenn auch politisch diametral anders. Diese Bundesstaaten wählen die Demokraten. Auch schon immer.

Und dann gibt es ein paar Bundesstaaten, in denen das Rennen im Vorfeld nicht entschieden ist - daher fließt sämtliche Energie in diese Staaten. Dort sind die Wahlveranstaltungen. Dort werden die TV-Werbespots geschalten. Dort gehen die Republikaner gerade in der traditionellen Kleinarbeit von Tür zu Tür. Die Demokraten verzichten in diesem Corona-Jahr auf diese Art der Mobilisierung und versuchen, die Wähler virtuell zu erreichen.

Alle Wahlmänner wandern zum Mehrheitsführer

Auch virtuell werden die Energien gebündelt, denn es dreht sich alles um die Arithmetik, welchen Bundesstaat man für sich beanspruchen kann. Dank des "Winner-takes-it-all"-Prinzips - das in allen Bundesstaaten mit zwei kleinen Ausnahmen - angewendet wird, reicht dort eine einfache Mehrheit, um sämtliche Wahlmänner zur ergattern.

Die Zahl der Swing States - also Staaten, in denen das Pendel in beide Richtungen ausschlagen kann - verändert sich aber im Laufe der Jahre.

Während etwa CNN derzeit von sechs "Battlestates" ausgeht - nämlich Arizona, Florida, Georgia, North Carolina, Ohio und Wisconsin - geht Fivethirtyeight einen Schritt weiter und führt insgesamt sechzehn Bundesstaaten an. Denn hier können neben der Wählermobilisierung auch demografische Entwicklungen eine Rolle spielen, etwa durch den Zuzug jüngerer, gebildeter Amerikaner, und so den Staat in eine andere Richtung umfärben.

Minnesota war lange tiefblau, also demokratisch, doch bei den vergangenen Wahlen 2016 ist es sich für die Demokraten nur noch hauchdünn ausgegangen. Hier heißt es, dass Donald Trump besonders bei der Mobilisierung von Wählern erfolgreich war, die sich sonst nicht angesprochen gefühlt hatten. Dieser Trend könnte sich heuer verfestigen.

Texas war lange Zeit tiefrot, republikanisch. Aber die städtische Bevölkerung wird immer größer (in den urbanen Räumen wählt man in Texas schon lang demokratisch), und die Gemeinden werden ethnisch immer durchmischter. Latinos (mit Ausnahme der Kubaner) wählen tendenziell die Demokraten.


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Bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen wählten nur 55,5 Prozent der Amerikaner. Das heißt, über die Mobilisierung der potenziellen Wähler kann man neue Fakten schaffen. Und die Registrierung zur Wahl ist in manchen Bundesstaaten noch bis zu einem Monat vor den tatsächlichen Wahlen am 3. November möglich.

Florida lehnt diesmal in Richtung Joe Biden

Wie Fivethirtyeight errechnete, versammelt Biden derzeit Bundesstaaten mit 307 Wahlmännern hinter sich. Trump hat derzeit nur 186 Electoral Votes. Mit der Abhaltung der Republican National Convention in North Carolina dürften allerdings Trumps Chancen gestiegen sein, dass auch der Ostküsten-Bundesstaat für ihn stimmt. Der Präsident ist zwar schon bisher in North Carolina voran gelegen, dass Trump die 15 Wahlmänner bekommt, die dort zu vergeben sind, war aber keine ausgemachte Sache.

Im Swing State Wisconsin war dagegen Biden in der vergangenen Woche noch mit 5 bis 6 Prozentpunkten voran - Wisconsins Wahlmänner (immerhin 10) wären dann bei Biden. Doch inzwischen gab es in Wisconsin Ausschreitungen: Nachdem einem - unbewaffneten - Afroamerikaner von Polizisten in der Stadt Kenosha mehrfach in den Rücken geschossen worden war, kam es zu tagelangen Protesten der Black-Lives-Matter-Bewegung. Diese liefen zwar zum überwiegenden Teil friedlich ab, aber vereinzelt wurden auch Geschäfte zerstört und in Brand gesetzt.

Währenddessen trommeln die Republikaner - zuletzt bei ihrem Parteikongress vergangene Woche - die Botschaft, dass nur eine Law-and-Order-Politik die Vereinigten Staaten vor der Verwüstung retten könne. Das scheint das Thema zu sein, auf das sich die Partei geeinigt hat, um Wähler zu mobilisieren. Das macht Wisconsin zu einem unberechenbaren Bundesstaat.

Der Parade-Swing-State ist aber Florida mit seinen 29 Wahlmännern. Hier haben sich die Parteien auch schon in der Vergangenheit immer ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Der Demokrat Barack Obama gewann 2012. Der Republikaner Donald Trump gewann 2016. Und heuer dürfte es ähnlich knapp werden. Derzeit rechnet sich aber vor allem Biden, der auch im ähnlich wichtigen Swing State Pennsylvania auf die entscheidenden Stimmen hofft, in Florida gute Chancen aus.

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