Sabine Derflinger

Sabine Derflinger dreht nach ihrem Motto "Kino der Befreiung". - © Katharina Sartena
Sabine Derflinger dreht nach ihrem Motto "Kino der Befreiung". - © Katharina Sartena

Egal ob einschaltquotensichere TV-Serien wie "Vorstadtweiber" oder "Tatort" , Spielfilme oder Dokumentarfilme – für Regisseurin, Autorin und Produzentin Sabine Derflinger zählen Emotionen: "Am liebsten ist es mir, wenn es viel Gefühl gibt, und das auf allen Ebenen stattfindet – also von lustig bis tragisch", sagt die 1963 in Wels geborene und vielfach ausgezeichnete Filmemacherin im Gespräch mit dem "Wiener Journal".

Als einfach gestaltet sich die Suche nach dem richtigen Stoff für einen Derflinger-Film nicht gerade: "Filme sind Lebenszeit. Es muss etwas Grundsätzliches in dem Filmkonzept sein, damit ich, egal was passiert, die nächsten drei Jahre auf diesen Enthusiasmus, auf diese Idee zurückgreifen kann." Dann müssen für Derflinger noch die Parameter stimmen, also es sollte "tolle Szenen zum Umsetzen" geben, und unterhaltsam oder mit interessanten Figuren sein. Das Wichtigste sei aber eine grundsätzliche Idee, die fesselt. Wie etwa ihre filmische Auseinandersetzung mit Prostitution: "Ich habe dieses Thema in allen Facetten abgehandelt: von dokumentarisch über fiktiv bis hin zu ,Tatort‘."

Ein bevorzugtes Genre hat Derflinger nicht: Am Dokumentarfilm liebt sie die Begegnungen mit Menschen, das Eintauchen in fremde Welten. "Das kann man beim Spielfilm natürlich während der Recherche auch. Das Allerliebste ist mir die Arbeit mit den Schauspielern, ich habe es gerne komisch, aber auch dramatisch." Das Komödiantische jedenfalls hätte sich über die Jahre ergeben, denn selbst in ihren drastischen Arthouse-Filmen oder auch in den Dokumentationen würde es immer witzige Elemente geben. "Vielleicht liegt es daran, dass mein Sinn für Humor sehr ausgeprägt ist, weil mein Leben relativ schwierig ist", meint sie lachend.

Begonnen hat Derflingers filmische Laufbahn eher per Zufall. "Ich war in Oberösterreich und da hat jemand einen Spielfilm gemacht und eine Regieassistentin gesucht. Ich bin noch in die Schule gegangen und ich wusste gar nicht, dass das ein Beruf ist." In drei Monaten hatte sie für den dann 90minütigen Film fast alle Positionen hinter der Kamera durchlaufen: Regieassistentin, Aufnahmeleitung... "Zurückblickend ist es klar, dass das schon immer mein Beruf war. Mir war auch bewusst, dass ich nicht vor der Kamera arbeiten werde, was zu dieser Zeit von Frauen bevorzugt wurde."

Was sie wesentlich prägte und ihr Interesse an der Filmbranche weckte, war, "dass es im Fernsehen der späten 70er Jahre österreichische Filme von Frauen zu sehen gab: Margarete Heinrich, Käthe Kratz habe ich im Nachspann gesehen". Und so besuchte sie die Filmakademie in Wien. "In dieser Zeit habe ich dann meine ersten Dokumentarfilme gemacht", danach ihren ersten Arthouse-Film, und sie begann für das Fernsehen zu arbeiten.

Heute dreht sie nach dem Motto "Kino der Befreiung und nicht der Verstörung". Dazu zählt auch ihr Dokumentarfilm "Die Dohnal – Frauenministerin/Feministin/Visionärin", der bei der diesjährigen Viennale auf dem Programm steht. Darin betrachtet sie deren wegweisende Politik vor dem Hintergrund der Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie der sich neuformierenden Frauenbewegung. "Als ich mir das letzte Mal den Film in einer der unzähligen Wiederholungen in der Postproduktion angesehen habe, dachte ich mir: Jetzt gehe ich mit einem Plakat auf die Straße und lege erst richtig los." Sie habe sich gewünscht, dass dieser Film radikalisiert, sagt sie lachend, "im Sinne des Feminismus natürlich, im Sinne der Gleichberechtigung in der Gesellschaft". (vf)