Eine wahre Geschichte: Die homosexuelle Liebe zwischen dem Bundesheer-Ausbildner Eismayer (Gerhard Liebmann) und dem Rekruten Mario (Luca Dimic) sorgte 2014 für Aufsehen. David Wagner hat daraus einen Spielfilm gemacht und ihn soeben bei der Viennale vorgestellt. Im Zentrum steht Eismayers Changieren zwischen knallharter Bundesheer-Ausbildung und dem Zulassen seiner intimsten Gefühle. Ab Freitag ist der Film in den Kinos zu sehen.

"Wiener Zeitung": Herr Wagner, wie sind Sie auf diese Geschichte gestoßen?

David Wagner: Ich selbst war beim Bundesheer, und zu meiner Zeit gab es diese Horrorgeschichten vom Eismayer, der zu den strengeren Ausbildnern zählte. Ich habe ihn aber nie persönlich kennengelernt, für mich war er immer ein Mythos. Und ich habe tatsächlich erst später die Bestätigung bekommen, dass es diesen Mann tatsächlich gibt. Er hätte ja auch eine Erfindung sein können, eine Legende. Aber dann las ich 2014 einen Zeitungsartikel, in dem stand, dass sich dieser Eismayer in der Kaserne hat verpartnern lassen mit einem Soldaten. Das erschien mir zunächst voller Widersprüche zu sein, auf der einen Seite dieser knallharte Soldat, auf der anderen Seite der liebende Ehemann. Ich habe ihn dann kontaktiert, um ihn zu treffen. Die Vorstellung, aus seiner Geschichte einen Film zu machen, gefiel ihm sehr gut.

"Eismayer" ist David Wagners Debütfilm. - © Katharina Sartena
"Eismayer" ist David Wagners Debütfilm. - © Katharina Sartena

Brauchte es Überzeugungsarbeit?

Er hat gemerkt, dass er mir vertrauen kann. Und dadurch hat er sich komplett geöffnet und seine ganze Lebensgeschichte erzählt, die mich extrem berührt hat. Das ist eine Geschichte, die man so noch nicht gesehen hat und die sehr viele Menschen bewegen und auch dazu bringen wird, nachzudenken über Männlichkeit, über Homosexualität und wie Institutionen wie das Bundesheer damit umgehen. Da ist viel Potenzial für Diskussionen.

Wie hat sich die Akzeptanz für einen offen schwul lebenden Ausbildner beim Heer eigentlich gewandelt? Wie sehr entspricht die Ausbildung an der Waffe heute noch alten Klischees?

Mir war wichtig, dass der Film eine Perspektive zeigt, die jenseits dieses alten Klischees von der toxischen Männlichkeit und diesem maskulinen Machogehabe liegt. Vor allem die jüngere Generation beim Bundesheer zeigt inzwischen eine große Akzeptanz. Mich hat es damals schon überrascht, dass Eismayers Outing beim Bundesheer scheinbar ganz selbstverständlich akzeptiert wurde. Es war natürlich auch eine gute Werbung für die Weltoffenheit der Truppe, man hat Eismayers Outing damals geschickt medial genutzt. Das ändert nichts daran, dass Eismayer zunächst viel Ablehnung erfahren hat. Nach seiner Hochzeit mit Partner Mario war nicht einfach alles cool, es gab schon Widerstände. Aber ich denke, die Entwicklung geht in eine tendenziell gute Richtung.

Ist Eismayers Strenge zu seinen Soldaten auch eine Strenge zu sich selbst, weil er sich seine Homosexualität lange nicht eingestehen konnte?

Man muss aufpassen, dass man keine pseudopsychologischen Befunde abgibt, deshalb sucht der Film auch nicht nach Ursachen. Eismayer ist als Soldat so gestrickt, dass er Disziplin und Strenge deshalb pflegt, weil er weiß, welche Berge der Wille versetzen kann. Er hält nichts von den Soldaten, die lasch durchs Leben gehen. Er will, dass die Soldaten an ihre Grenzen gehen, so wie er es auch jeden Tag tut.

Als er Mario als jungen Rekruten kennenlernt, ist da von Beginn an diese Emotion, die er zunächst nicht zuordnen kann.

Es gab sofort eine Reibung zwischen dem Eismayer und dem Mario. Mario zeigt als Einziger keine Angst vor Eismayer, ist sogar respektlos. Das kann der Ausbildner nicht zulassen, die Töne werden rauer. Und dann findet Eismayer heraus, dass Mario schwul ist und das ganz offen lebt. Für Eismayer gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder musst du dieses Ego zerstören, oder du musst dein Ego zerstören. Er versucht zuerst, Mario zu zerstören, und dann merkt er aber, dass seine Zuneigung zu Mario aus ihm raus will und dass er das zulassen muss. Für mich war das Spannende an diesem Film, von einem Mann zu erzählen, der sein altes Männlichkeitsbild ablegt und auf seine innere Stimme hört.