Wiener Zeitung: "Mrs. Hedren, "The Birds" und "Marnie" waren die Grundlagen und Highlights Ihrer Filmkarriere. Welche Erinnerungen haben Sie an den Moment, als man Ihnen diese Filme anbot?

Tippi Hedren: Hitchcock war damals der größte lebende Filmregisseur. Ich stand bei ihm schon unter Vertrag, bevor er mir das Drehbuch zu "The Birds" zu lesen gab. Er ließ mich Szenen aus "To Catch a Thief", "Notorious" und "Rebecca" nachspielen. Ich glaube, er wollte herausfinden, ob ich in die Hitchcock-Welt passte. Wobei: Den Vertrag mit ihm hatte ich schon vor diesen Probeaufnahmen unterschrieben.

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Also war sich Hitchcock bereits sicher, dass er mit Ihnen drehen wollte?

Ich glaube schon. Ich denke, diese Probeaufnahmen fanden wohl mehr aus einer Laune heraus statt. Er hatte großen Spaß daran, dieses junge Mädchen aus ihrer Umgebung zu reißen, sie in die Luft zu schleudern und zu sehen, was passiert. Das war eine Zeit lang wundervoll. Zur Zeit der Probeaufnahmen hatte ich keine Ahnung, dass es Pläne gab, mich als Melanie Daniels in "The Birds" zu besetzen. Es wäre sehr vermessen von mir gewesen, so etwas zu denken. Ich wusste, dass sie an einem Film arbeiteten, der "The Birds" hieß, aber dachte nicht im Ernst daran, dabei zu sein.

Wie hat er es Ihnen gesagt?

Er schenkte mir diese Brosche mit den Vögeln, die ich heute trage. Ich war total überrascht. Natürlich wusste ich, dass das etwas Großes werden würde. Jeder wusste das. Schließlich war es ja Hitchcock. Jeder Schauspieler des Planeten hätte gerne dabei mitgemacht, ohne Frage. Dasselbe gilt für "Marnie".

"Marnie" war an der Kinokasse allerdings ein Flop.

Dafür gab es viele Gründe. Gegen Ende der Dreharbeiten wollte ich aus meinem Vertrag unbedingt aussteigen, weil Hitchcock sich plötzlich komplett gewandelt hatte; er unternahm Annäherungsversuche, mit denen ich beim besten Willen nicht leben konnte. Daraufhin hörte er auf, für "Marnie" die Werbetrommel zu rühren.

Sie meinen, Hitchcock distanzierte sich von seinem eigenen Film?

Ja, er tat gar nichts mehr dafür. Keine Werbung, keine Interviews. Das war dumm und tragisch für den Film.