Wie landet man in Frankreich einen Filmhit? Ganz einfach: Man packt Isabelle Huppert und Gérard Depardieu in einen gemeinsamen Film, der in der Wüste spielt. Guillaume Nicloux hat genau das getan und sein Werk "Valley of Love" getauft. Darin gehen die einstigen Lebenspartner Isabelle und Gérard (Huppert und Depardieu) auf die Suche nach der Lösung eines Rätsels.

Isabelle Huppert und Gérard Depardieu stellen in in "Valley of Love" von Guillaume Nicloux zwei berühmte Schauspieler - aber nicht sich selbst - dar. - © Viennale
Isabelle Huppert und Gérard Depardieu stellen in in "Valley of Love" von Guillaume Nicloux zwei berühmte Schauspieler - aber nicht sich selbst - dar. - © Viennale

Ein Brief ihres toten Sohnes lockt sie an einem bestimmten Tag an den heißesten Ort der USA, ins Death Valley, wo der verblichene Sohn laut seinem Brief verspricht, seinen Eltern zu einem bestimmten Zeitpunkt noch einmal zu erscheinen. Zwischen den Elternteilen brechen im Laufe des Films alte Konflikte neu auf, aber es gibt auch Phasen der Annäherung. Insgesamt kann "Valley of Love" wegen seiner unausgegorenen Dramaturgie in dieser Fassung jedoch nicht überzeugen.

Immerhin bringt er die größten Namen des französischen Films zusammen vor die Kamera. Bei der Weltpremiere in Cannes im Mai beherrschten Huppert und Depardieu den roten Teppich. Das französische Kino feierte sich selbst, und Cannes muss ihm diese Bühne bieten, auch, wenn mancher Film einmal nicht so gelungen ist. Macht nix, könnte man sagen: Huppert und Depardieu könnten sogar das Telefonbuch überzeugend spielen, und deshalb retten sie "Valley of Love" ein bisschen vor der Bedeutungslosigkeit.

Bemerkenswert ist die neuerliche Zusammenarbeit zwischen Huppert und Depardieu - beide gelten als französische Nationalheiligtümer und würden jeden Film auch alleine tragen. "Ich habe bisher zwei Mal mit Gérard gedreht", erinnert sich Huppert. "Komisch, dass sich unsere Wege nicht öfter gekreuzt haben. Als wir ‚Going Places’ und ‚Loulou’ (auch bei der Viennale zu sehen, Anm.) drehten, war ich noch ganz jung und nicht sehr lange im Geschäft. Ich hatte ja keine Ahnung, was Gérard für ein verrückter Hund war!" Nachsatz: "Er ist immer noch ein verrückter Hund".

Dépardieu, der mit der Annahme der russischen Staatsbürgerschaft und mit Aussagen zu seinem exzessiven Alkoholkonsum immer wieder für Schlagzeilen sorgte, streut Huppert ebenfalls Rosen: "Das Tolle an jemandem wie Isabelle ist, dass man sozusagen mühelos miteinander spielt. Wir schlüpfen über ganz normale Alltagsgespräche in unsere Rollen und reden dann einfach vor der Kamera weiter", erklärt Depardieu das Arbeitsmodell.
Dass Isabelle und Gérard in "Valley of Love" auch die Rollennamen von Huppert und Depardieu sind und sie im Film zwei berühmte Schauspieler darstellen, ist natürlich beabsichtigt. "Aber wir spielen nicht uns selbst", erzählt Depardieu. "Immerhin gab uns das die Gelegenheit, die Figuren, die wir spielen, ein bisschen näher an uns heranzulassen", ergänzt Huppert.

Diese Figuren sind Eltern, die ein Kind verloren haben - ein tragischer Umstand, den Depardieu selbst am eigenen Leib durchleiden musste, als sein Sohn Guillaume 2008 an einer akuten Lungenentzündung starb. "Wir haben darüber nicht gesprochen", sagt Isabelle Huppert. "Aber ich habe gespürt, dass es ihn sehr beschäftigt. Zu dem Bereich seines Denkens hatte ich aber keinen Zugang. Vielleicht wollte er mir auch keinen geben".

Depardieu jedenfalls spricht von einem sehr spirituellen Film. "Ich mache nur mehr solche Projekte", betont er. "Filme, in denen nichts theoretisiert wird. In denen keine Künstlichkeit mehr herrscht. Viele Regisseure scheitern daran, Wahrhaftigkeit herzustellen, weil sie ihren Schauspielern keinen Raum geben, zu sein, anstatt zu spielen", sagt der 66-Jährige. "Dabei ist es genau das, was Schauspielen ausmacht: Zu sein."

Viennale-Termin: 4.11.,20.30 Uhr, Gartenbaukino