Was ging im Kopf des Burschen vor? Was trieb ihn an? Hörte er wirklich Stimmen, gaben diese ihm Befehle? Diese Fragen haben am Mittwoch acht Geschworene des Wiener Straflandesgerichts bei einem Mordprozess zu beantworten.

Und am späten Mittwochabend haben sie sich entschieden: Der 16-Jährige ist schuldig des Mordes. Und damit zurechnungsfähig. Ein Umstand, über den sich die Gutachter im Prozess uneinig waren.

Der 16-Jähriger hat jedenfalls laut Anklage in einem Gemeindebau in Döbling ein siebenjähriges Mädchen getötet. Der Bursche war geständig und gibt an, dass Stimmen ihn zur Tat gedrängt haben.

Die Siebenjährige war am 11. Mai 2018 bei ihm alleine in der Wohnung – nichts Ungewöhnliches, waren doch die Familien der beiden seit Jahren befreundet. Zunächst spielte man auch wie gewohnt miteinander. "Eine Stimme in meinem Kopf hat dann gesagt, dass ich sie würgen soll. Das tat ich auch. Dann habe ich weitere Anweisungen gehört, dass ich sie in die Duschkabine bringen soll, ein Messer holen und zustechen soll", sagt der Bub, der einen abwesenden Eindruck machte. Die Leiche habe er anschließend im Müll entsorgt, meinte er mit brüchiger Stimme. Die Tote wurde am nächsten Tag entdeckt, der Bursche kurze Zeit später festgenommen.

Debatte um Schuldfähigkeit

Bei seiner Erstbefragung war von Stimmen keine Rede gewesen. Damals hatte er erklärt, eine schlechte Woche und aufgestaute Wut gehabt zu haben, jeden hätte es treffen können. Zunächst habe er niemandem von den Stimmen erzählt, da ihm das von den Stimmen befohlen worden sei. "Sie haben gesagt, dass ich niemanden vertrauen darf", erklärte er auf Nachfrage der Richter. Erst später habe er dafür die Erlaubnis von den Stimmen bekommen, sagt er.

Ob er im Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Tat von den angegebenen Stimmen kontrolliert wurde, war für die Frage der Zurechnungs- und Schuldfähigkeit entscheidend. Denn nur wer das Unrecht seiner Tat erkennt und dieser Einsicht nach frei handeln kann, darf verurteilt werden.

Die zwei psychiatrischen Gerichtsgutachter waren gespaltener Meinung: Peter Hofmann bejahte die Schuldfähigkeit des 16-Jährigen, Werner Gerstl verneint sie. Beide sind sich aber einig, dass der Angeklagte hochgefährlich und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher einzuweisen ist.