"Am nächsten Abend ist das Fass aber übergelaufen", erklärt er. Plötzlich habe er einen Anruf von einem Unbekannten erhalten. Es stellte sich heraus, dass es sich um den Verlobten der jungen Frau handelte. Der in Deutschland lebende Mann wunderte sich, warum seine Verlobte bei G. im Hotel übernachtete.

"Ich war auf 180. Ich habe mich gefühlt wie ein Kaugummi. Wenn er schmeckt, ist er gut, wenn man ihn nicht mehr braucht, haut man ihn weg", schildert er. Im Hotelzimmer schmiss er sein Handy gegen den Fernseher, zog Kabel aus den Wänden und riss die Duschvorhänge hinunter.

Ob er denn Probleme mit seinen Aggressionen habe, will Richterin Alexandra Skrdla wissen. Ja, habe er, das sei korrekt, meint G. Er sei auch in psychiatrischer Behandlung gewesen, richte seine Aggression aber nur gegen Gegenstände: "Körperlich gehe ich nie jemanden an."

Im Zuge der Streits wünschte sich seine Bekannte, nach Deutschland gebracht zu werden, sagt G. "Scheiß drauf", habe er sich gedacht, "diesen letzten Gefallen mache ich ihr", sie solle dann schon schauen, wie sie alleine in Deutschland zurechtkomme.

"Da bin ich aufs Gas getreten"

G. stahl Geld vom Hotel und entwendete ein fremdes Auto, das in der Umgebung parkte. Der Kofferraum eines Audi stand leicht offen, G. kletterte nach vorne, wo er im Handschuhfach die Autoschlüssel fand. Anfangs sei er "normal" gefahren, meint G., der keinen Führerschein hat. Doch habe seine Bekannte ständig mit ihrem Verlobten telefoniert. "Da bin ich aufs Gas getreten", schildert der 19-Jährige. Mit bis zu 250 km/h raste er über die Autobahn in Richtung Wien, beinahe überfuhr er, im Stadtgebiet angekommen, einen Mann. "Ich hätte fast ein Menschenleben auf dem Gewissen gehabt."

Die Polizei nahm die Verfolgung auf, doch G. raste weiter und rammte den Polizeiwagen. Erst als der demolierte Audi in den frühen Morgenstunden allmählich den Geist aufgab und er erneut gegen ein Polizeiauto krachte, fand seine Wahnsinnsfahrt ihr Ende. Mehrere Polizisten wurden bei dem Einsatz verletzt, sie konnten teils wochenlang nicht mehr arbeiten. G. wurde festgenommen, seit knapp drei Monaten sitzt er in Untersuchungshaft.

Seine Bekannte kann vor Gericht nicht befragt. Knapp vor Verhandlungsbeginn ließ sie sich entschuldigen: Sie habe die Termine verwechselt und könne nicht bei Gericht erscheinen, da sie kein Geld für die öffentlichen Verkehrsmittel habe. Die Prozessbeteiligten verzichten einvernehmlich auf ihre Einvernahme.

"Man ist jung, man ist dumm"

"Wie soll es jetzt weitergehen?", fragt Richterin Skrdla. Er wolle schnell eine Arbeit finden, um den Schaden zu ersetzen, beteuert G. Er legt die schriftliche Bestätigung eines Tischlers vor, der zusichert, den 19-Jährigen nach seiner Haftstrafe beschäftigen.