Es war ein Gemisch aus Erleichterung und Anspannung, das sich am Donnerstag in die Worte von Richterin Marion Hohenecker mischte. Nach 168 Prozesstagen schloss die Vorsitzende des Schöffensenats die Buwog-Hauptverhandlung. Man ziehe sich nun zur Urteilsberatung zurück, sagte Hohenecker. Bereits heute werde man damit beginnen.

Zuvor hatten die Angeklagten Hohenecker in ihren Schlussworten Rosen gestreut. Auf die Richterin, die zu Verhandlungsbeginn noch Ziel eines Ablehnungsantrags von Grassers Verteidigern war, prallten Lobeshymnen ein.

Die "Frau Vorsitzende" habe das Verfahren mit "enormer Aktenkenntnis umsichtig geführt", es sei beeindruckend gewesen, wie sie die Ordnungsnummern des Strafaktes immer wieder auswendig im Kopf gehabt habe, sagte Grasser: "Das zeigt ein außerordentliches Maß der Beschäftigung mit diesem Akt." Dadurch habe er das Vertrauen in die Justiz zurückgewonnen, das er während des einseitig geführten Ermittlungsverfahrens verloren habe.

Auch zu einem Scherz zeigte sich der Ex-Finanzminister aufgelegt. Die Aktenkenntnis der Richterin sei sogar so gut gewesen, dass sie ihn an das richtige Datum seines Hochzeitstages erinnert habe. Grasser hatte ihn während der Verhandlung um einen Tag falsch datiert, worauf Hohenecker ihn korrigiert hatte. "Das hat man zuhause zum Glück nicht so mitbekommen", so Grasser.

"Ruf völlig ruiniert"

Der Ex-Finanzminister wies in seinen letzten Worten die Vorwürfe erneut von sich. Die Privatisierung der Bundeswohngesellschaften im Jahr 2004 und die Einmietung der Finanz in den Linzer Terminal Tower 2006 seien korrekt abgelaufen. "Es gab keine Zahlungsflüsse an mich und keinen Schaden für die Republik", erklärte er. Die Zeugenaussagen im Prozess würden das bestätigen.

"Ich hatte sieben Jahre lang die Auszeichnung, als Bundesminister für Finanzen für unser Land tätig sein zu dürfen", sagte Grasser. Diese Verantwortung habe er immer nach bestem Wissen und Gewissen ausgeübt: "Mein Interesse war, für unser Land und für unsere Mitbürger zu arbeiten. Das war so. Das möchte ich Ihnen noch einmal vermitteln", so der ehemalige Spitzenpolitiker.

Nach den elfjährigen Ermittlungen und der Hauptverhandlung sei klar, "dass mein Ruf und meine Reputation völlig ruiniert sind", sagte Grasser. In seinem Schlusssatz hielt er fest: "Hohes Gericht, ich bin unschuldig, ich habe nichts Unrechtes getan, und ich hoffe auf ein faires und gerechtes Urteil."

"Genug gesagt"

Der Zweitangeklagte, Walter Meischberger, lobte in seinen Schlussworten ebenfalls die faire Verhandlungsführung. Nun sei aber "genug gesprochen und gesagt" worden: "Die Dinge liegen entscheidungsreif auf dem Tisch des Senats", sagte der ehemalige FPÖ-Politiker und Lobbyist. Er persönlich komme zu dem Urteil, dass er korrekt gehandelt habe, auch wenn es bei manchen Vorgängen eine schiefe Optik gebe.

"Das Verfahren hat aber auch hervorgebracht, dass die Dauer, die Verfolgung durch die Behörden und die öffentliche Vorverurteilung im großen Maße unverhältnismäßig gewesen sind", sagte Meischberger. "Elf Jahre meines Lebens kann mir niemand zurückgeben, auch das Gericht nicht, aber vielleicht meine Reputation, meinen guten Namen. Und ein guter Name ist nichts Geringes", sagte der Ex-Lobbyist. Meischberger bat um ein "gerechtes Urteil und einen Freispruch in allen Anklagepunkten".

"Inneren Frieden gefunden"

Keinen Freispruch verlangte hingegen der Ex-Lobbyist Peter Hochegger. Er hat zu Prozessbeginn ein Teilgeständnis abgelegt, mit dem er Grasser und die anderen Angeklagten belastet.

"Ich habe hier in der Hauptverhandlung mehrmals dargelegt, dass ich in einem Korruptionsbiotop zwischen Wirtschaft und Politik mitgewirkt habe. Einem Korruptionsbiotop, in dem sich wenige Personen ständig Vorteile auf Kosten der Allgemeinheit verschaffen", sagte Hochegger nun in seinen Schlussworten.

Er sei froh, den Mut gefunden zu haben, "meinen Beitrag in diesem System anzusprechen und hier die Dinge beim Namen zu nennen", sagte Hochegger. Es sei eine der "großen Herausforderungen und Lernaufgaben in meinem Leben" gewesen, die eigenen Fehler zu erkennen. "Es hat sich aber gelohnt. Nur so konnte ich mit der Vergangenheit abschließen und meinen inneren Frieden finden", sagte Hochegger.

Wann das erstinstanzliche Urteil verkündet wird, steht noch nicht fest. Hohenecker hat vorsorglich alle Freitage im November und den Freitag Anfang Dezember im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts reservieren lassen.