Wien. Eine Feier sollte es werden, in einer Tragödie endete es. Am 28. Dezember 2015 kam Frau S. nach Wien, um eine in der Stadt lebende Freundin zu besuchen und Silvester zu zelebrieren. Man trank Alkohol, besuchte den Silvesterpfad und ging anschließend in ein Lokal am Wiener Schwedenplatz. Da Frau S., eine junge Deutsche, viel Alkohol konsumierte, war sie schwer angeschlagen. Laut Anklage soll sie bewusstlos vor dem Lokal gelegen sein. Mehr als zwei Promille Alkohol soll sie einem Gutachten zufolge im Blut gehabt haben, als vier Männer auf ihren hilflosen Zustand aufmerksam wurden.

"Sie erwachte in einem fremden Zimmer. Ein Mann, den sie nicht gekannt hat, war über sie gebeugt. Dann wurde es wieder dunkel", sagt Staatsanwältin Karina Fehringer in ihrem Eröffnungsplädoyer. Insgesamt neun Männer - allesamt irakische Flüchtlinge, die 2015 nach Österreich kamen - sollen laut Anklage die wehrlose Frau sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Vier Männer sollen sie in die Wohnung verschleppt haben, die anderen fünf sollen bereits dort gewesen sein. Die Angeklagten hatten sich am Dienstag vor einem Schöffensenat (Vorsitzende Richterin: Petra Poschalko) des Straflandesgerichts Wien zu verantworten.

"Es war nicht einfach, die hier sitzenden Angeklagten auszuforschen", so Fehringer. Die Frau habe zuerst geglaubt, nur von einem Mann vergewaltigt worden zu sein. Durch die Ortungsapp ihres Mobiltelefons habe man dann feststellen können, in welcher Wohnung sich die Frau zum Tatzeitpunkt befunden habe. Die Angeklagten hätten anfangs alles bestritten. Durch einen Mundhöhlenabstrich habe man aber DNS-Spuren gefunden, die mit den auf der Frau gefundenen Spuren übereinstimmen würden. Der Fünftangeklagte habe daraufhin den Sachverhalt offengelegt. Von drei Angeklagten habe man zwar keine DNS-Spuren gefunden. Die Männer würden aber von anderen Angeklagten belastet werden, sagt die Staatsanwältin.

"Auch im Irak verboten"

Vor Gericht zeigen sich die Angeklagten überwiegend nicht geständig. Während manche leugnen, Sex mit der Frau gehabt zu haben, behaupten andere, die Frau habe freiwillig mit ihnen geschlafen. Ein Angeklagter sagt, er sei gar nicht in der Wohnung gewesen. Acht der neun Angeklagten sind miteinander verwandt. Angeklagt sind etwa ein verheirateter Vater und sein 22-jähriger Sohn. Der Sohn belastet seinen Vater. Dieser bestreitet das, sein Sohn sei nicht sonderlich intelligent, verteidigt er sich.