Zu Prozessbeginn sitzen die Männer mit verschränkten Armen auf der Anklagebank. Mit starrer, unaufgeregter Miene verfolgen sie den Prozess. Nur der Erstangeklagte weint, fährt sich mit der linken Hand über die Stirn und in die Augen.

Im Lauf seiner Vernehmung wird der Achtangeklagte - er wird zuerst befragt - ebenfalls emotional. "Diese Tat ist nicht nur in Österreich verboten, sondern auch im Irak. Ich bereue, was ich gemacht habe. Wenn ich nicht betrunken gewesen wäre, hätte ich das nicht gemacht", sagt er, bevor er plötzlich in Tränen ausbricht.

Der Angeklagte, er klagt sich selbst an: "Ich schäme mich auch vor meiner Familie." "Ja, das glaube ich", bemerkt Richterin Poschalko. Kurze Zeit später relativiert er: "Niemand hat die Frau gezwungen. Niemand hat sie gehindert, die Wohnung zu verlassen." Während des Geschlechtsverkehrs habe die Frau ihn "mein Liebling" genannt. Auch das Verhalten der anderen Angeklagten beschreibt er: Einer der Angeklagten sei etwa fröhlich gewesen, habe getanzt und gesungen, als er aus dem Zimmer gekommen sei, schildert der Achtangeklagte.

Während seiner knapp zweistündigen Vernehmung erzählt er, wie er die stark betrunkene Frau aufgefunden habe: "Sie ist am Boden gelegen und war nicht in der Lage, alleine aufzustehen." Mit der Straßenbahn sei man dann in die Wohnung gefahren. "Die Frau hat sich überhaupt nicht geäußert. Sie hat sich eingehängt."

Aufregung um Zeitungsbericht

Die Frau wurde bereits im Ermittlungsverfahren einvernommen. Ihre Aussage wurde auf einer DVD aufgezeichnet und wird im Hauptverfahren abgespielt werden. Die "Kronen Zeitung" dürfte irgendwie an diese Einvernahme gekommen sein. Am Wochenende erschien in der Zeitung ein Bericht, in dem teils identifizierend über die Frau berichtet wurde - ohne ihr Wissen und ihr Einverständnis. Die Frau habe wegen des Berichts einen Zusammenbruch erlitten und habe behandelt werden müssen, sagt der Opfervertreter, Lian Kanzler. "Das ist nicht nur eine Riesensauerei. Das gehört verboten."

Die Frau leidet an Schlafstörungen und Depressionen. Im August musste sie stationär in der Psychiatrie aufgenommen werden. Laut Gutachten sind diese Folgen einer schweren Körperverletzung gleichzuhalten. Deswegen und weil die Frau laut Anklage in besonderer Weise erniedrigt wurde, ist die Tat qualifiziert. Dadurch droht den mutmaßlichen, erwachsenen Tätern ein höherer Strafrahmen von fünf bis zu fünfzehn Jahren Haft. Am Donnerstag wird weiter verhandelt - ein Urteil soll am 2. März fallen.