Der Schusssachverständige habe am Vortag gesagt, er habe schon 100 bis 200 Greifunfälle erlebt, bei denen sich ein Schuss unabsichtlich löste, so Mayer. Außerdem: "Grundlose Morde gibt’s nicht." Außer bei Psychopaten und das sei sein Mandant sicher nicht. Lobesworte für Wolfgang Renzl, einen Privatbeteiligtenvertreter - er vertritt die Interessen der Kinder des Getöteten - hatte Mayer hingegen nicht.

Renzl hatte zuvor die Angaben des Angeklagten in Zweifel gezogen. Die Verteidigung fokussiere sich auf Möglichkeiten, liefere aber keine Erklärung. Es gebe viele Zufälle. Etwa, dass der Angeklagte versehentlich die Waffe geladen habe und das nicht gehört haben soll. Der größte Zufall sei aber, dass das Opfer genau im Kopf getroffen wurde. Der Angeklagte gab an, sich an vieles nicht erinnern zu können. Das sei seltsam - denn ein Trauma würde eigentlich zu besseren Erinnerungen führen, sagte Renzl.

"Haben Sie schon etwas vom Begriff Zufallskette gehört?", griff Mayer ihn an. Er bezeichnete Renzl als "Intimgegner". Mit dem Finger herumzeigend und sonst wild gestikulierend, feuerte sich Mayer auf ihn ein. "Sie haben offensichtlich Traumaforschung studiert", sagte er zu Renzl, dem er "hobbypsychologische Kenntnisse" unterstellte.

Einstimmige Verurteilung

Ein unproduktiveres Verhalten als das von Renzl könne er sich gar nicht vorstellen. Es sei im Interesse der verwaisten Kinder, dass der Angeklagte Geld verdiene. Der Mann - ein ehemaliger Banker - hat den Kindern zivilrechtlich zugesichert, um die 110.000 Euro und künftig Unterhalt zu zahlen. Das sei nur möglich, wenn der Mann Geld verdiene und nicht in Haft sitze, so Mayer. Renzl konnte sich zu diesen Unterstellungen und Vorwürfen nicht mehr äußern.

Die Geschworenen verurteilten den Angeklagten einstimmig wegen grob fahrlässiger Tötung zu einer einjährigen unbedingten Freiheitsstrafe. Als mildernd wertete das Gericht unter anderem seine bisherige Unbescholtenheit und die lange Verfahrensdauer. Er muss den zwei verwaisten Kindern vorläufig 900 bzw. 600 Euro monatlich zahlen.

Der Mann wirkte während der Urteilsverkündung nach außen hin beinahe emotionslos. Er wurde nach der Verhandlung auf freien Fuß gesetzt. Bisher saß er neun Monate in Untersuchungshaft. Diese waren ihm auf die Strafe anzurechnen. Die bedingte Entlassung nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe wurde ihm gerichtlich bewilligt. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.