Wien. (dab) Mit einem Sechsertragerl Bier schreitet der Angeklagte S. in den Gerichtssaal. "Das Ottakringer bleibt aber bitte draußen", meint der Strafrichter. Herr S. läuft rot an. "So a Orschlochhaus", murmelt er undeutlich. "Wie bitte?", fragt der Richter. "So wie Schall und Rauch", sagt S., nun ganz deutlich artikulierend. Der Richter schaut verdutzt, doch fragt nicht weiter nach.

Um Schall und Rauch geht es auch im Strafprozess gegen S. und seinen Freund W. Die beiden haben zu Silvester 2016 einem auf der gegenüberliegenden Hausseite wohnenden Nachbarn eine Rakete in die Wohnung geschossen. Wegen des entstandenen Rauches und der kleineren Brandschäden musste er einige Möbelstücke wegwerfen. S. und W. sind wegen schwerer Sachbeschädigung und der fahrlässigen Herbeiführung einer Feuersbrunst angeklagt. Am Freitag hatten sie sich vor einem Einzelrichter des Straflandesgerichts Wien zu verantworten.

Die Vernehmung von S. - er trägt einen auffallenden Schnauzbart - gestaltet sich schwierig. Er redet schnell und unstrukturiert. Am Silvestermorgen sei er "beim Haarschneida" gewesen und habe dort den W. getroffen, erzählt er. Man habe dann Raketen gekauft und sich "a bissl angesoffen". In seiner Wohnung sei dann "die Schießerei" losgegangen. Die Raketen habe man "vom Fensta, aus einer Flasche" abgeschossen. Eine Rakete sei dabei unabsichtlich "vom Weg in den Himmel" abgekommen.

Ob er oder W. die Rakete abfeuerte, wisse er nicht. Jedenfalls habe man das Licht ausgemacht, "der Depparte" habe aber alles gleich herausgefunden. "Der Depparte?", fragt der Richter - "Na. Der Nachbar". Wenig später seien auch schon "die Kiwara" gekommen. "Mir tut des alles leid. Wir waren halt antschechert", meint S. am Ende seiner Vernehmung.

Zur weiteren Aufklärung können sowohl W. als auch die bei der Silvesterparty anwesenden Ehefrauen von S. und W. nichts beitragen. "Ich weiß nicht, wer geschossen hat", sagt W. bei seiner Befragung. Die Ehefrauen machen von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. "Meine Mandanten sind zu Silvester leider dem dümmsten aller Teufel, dem Vergnügungsteufel, verfallen", sagt der Verteidiger in seinem Schlussplädoyer. Er bittet um ein mildes Urteil.

Tatsächlich zeigt der Richter Milde. Er spricht die Angeklagten vom Vorwurf der schweren Sachbeschädigung frei. "Wir wissen nicht, wer die Rakete abfeuerte. Ich glaube auch nicht, dass sie vorsätzlich geschossen haben. Sie waren halt angesoffen. Und eine fahrlässige Sachbeschädigung gibt es nicht." Eine dreimonatige bedingte Freiheitsstrafe setzt es für beide hingegen für die fahrlässige Herbeiführung einer Feuersbrunst. Dem Nachbarn müssen sie 5200 Euro zahlen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

"Na endlich", sagt S. nach der Urteilsverkündung. "Edmund, jetzt gehen wir mal auf ein Bier", sagt W. zu ihm. Sie verlassen den Gerichtssaal. Der grantige Blick von Edmund S. verschwindet, als er das davorstehende Sechsertragerl wiedersieht. "Ihr kommt auch mit", sagt er zu den Flaschen, liebevoll nach dem Tragegriff greifend.