Er habe die Zelle in Brand gesetzt , damit er verlegt werde, so der Angeklagte. - © apa/Justizanstalt Josefstadt
Er habe die Zelle in Brand gesetzt , damit er verlegt werde, so der Angeklagte. - © apa/Justizanstalt Josefstadt

Wien. In einem kleinen Raum eingesperrt zu sein, in dem ein Feuer ausbricht. Keine Möglichkeit zu haben, das Feuer zu löschen. Langsam den Rauch einzuatmen, der sich immer und immer mehr ausbreitet. Nicht zu wissen, ob einem rechtzeitig geholfen wird. Dieses Schreckensszenario hatten mehrere Häftlinge in der Justizanstalt Josefstadt am 16. Oktober 2016 in ihrer kleinen Zelle zu durchleben.

Ein 32-jähriger Gefängnisinsasse soll für diesen Schrecken verantwortlich sein. Mit einem Feuerzeug soll er eine Matratze in der Zelle angezündet haben. Mit einem Brotmesser soll er dann seine drei Mitinsassen davon abgehalten haben, den Brand zu bekämpfen. Erst nach einiger Zeit wurde das Feuer bemerkt und gelöscht. Am Donnerstag musste sich der Mann wegen Brandstiftung, absichtlich schwerer Körperverletzung und Nötigung vor einem Schöffensenat des Straflandesgerichts Wien (Vorsitz: Christian Noe) verantworten.

Aufgrund des Brandes mussten elf Justizwachebeamte wegen Rauchgasvergiftungen im Krankenhaus behandelt werden. Die Mitgefangenen wurden schwer verletzt - einer von ihnen lebensbedrohlich. Er erlitt Verbrennungen zweiten und dritten Grades und ein Inhalationstrauma. Der Angeklagte trug keine Verletzungen davon, da er während des Brandes seinen Kopf immer wieder unter fließendes Wasser hielt.

"Es geht mir gut"

Vor Gericht bekannte er sich zu den Vorwürfen schuldig. In einen grünen Kapuzenpulli und eine graue Jogginghose gekleidet, erklärte er seine Beweggründe: Er habe das Feuer gelegt, damit er verlegt werde. Das gelang ihm auch: Er befindet sich nun in Einzelhaft. "Es geht mir gut", sagte er auf Nachfrage des Richters.

Nervös wirkte der Angeklagte bei seiner Befragung nicht. Vielmehr war er äußerst frech. "Diese Frage überzeugt mich nicht"; "Stellen Sie die Fragen so, dass ich sie beantworten kann!", fuhr er den Richtersenat forsch an.

Der Algerier kam nach eigenen Angaben vor elf oder zwölf Jahren nach Europa. Er hielt sich in Griechenland, Italien und Ungarn auf. 2013 reiste er nach Österreich, wo er wegen Drogendelikten und eines Einbruchsdiebstahles dreimal verurteilt wurde. Sein Asylansuchen wurde abgelehnt. Vergangenes Jahr ging er dann nach Finnland, wo er auch heiratete.

Nach einigen Monaten wurde er nach Österreich zurückgestellt. Er wurde in Schubhaft genommen. Dort soll er einen Mistkübel beschädigt und einen Polizisten geschlagen haben, weshalb er in die Justizanstalt Josefstadt überstellt und die Untersuchungshaft über ihn verhängt wurde. Wegen dieser Vorfälle ist er wegen Sachbeschädigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt angeklagt.

"Mit allen Mitteln"

Die erste Zelle, in die er gebracht wurde, habe ihm nicht gefallen: "Die Insassen haben im Raum gebetet." Er wurde in die Zelle verlegt, in der er später das Feuer entfacht haben soll. Obwohl ihm die neuen Mithäftlinge Zigaretten und Essen schenkten, mochte er auch diesen Raum nicht: "Die Mitinsassen haben kein Wort Arabisch gesprochen. Ich wollte nicht dortbleiben." Die Zelle sei auch zu klein gewesen.

Die Justizwache habe ihm erklärt, dass er an diesem Abend nicht wieder verlegt werden könne. Er sei wie ein Verrückter in der Zelle herumgegangen. "Ich wollte mit allen Mitteln das Zimmer wechseln." Mit dem Feuer habe er auf sich aufmerksam machen wollen. Er habe sich nichts dabei gedacht. Natürlich sei das Feuer gefährlich gewesen. "Wenn die Justizwachebeamten nicht eingegriffen hätten, wären wir tot."

Als man wegen des Rauches nichts mehr sehen konnte, drückte ein Zellengenosse den Alarmknopf. Der Angeklagte soll zum sich daraufhin meldenden Polizisten gesagt haben: "Komm, komm. Kartoffel mit Soße." Das würden Häftlinge im Gefängnis sagen, wenn etwas los sei, erklärte er.

Ein Urteil gab es am Donnerstag nicht: Nach gut sechs Stunden wurde die Verhandlung zur weiteren Beweisaufnahme auf den 12. Mai vertagt.