"Ein Großaufgebot an Feuerwehr, Rettung und Polizei war nötig, um die Situation unter Kontrolle zu bringen", sagte Staatsanwältin Carmen Kainz. Die Fotos zeigen die Folgen der Explosion. - © apa/MA 68 Lichtbildstelle
"Ein Großaufgebot an Feuerwehr, Rettung und Polizei war nötig, um die Situation unter Kontrolle zu bringen", sagte Staatsanwältin Carmen Kainz. Die Fotos zeigen die Folgen der Explosion. - © apa/MA 68 Lichtbildstelle

Wien. Sie waren müde. Bis fünf in der Nacht hatten Frau und Herr H. am 26. Jänner 2017 ihre erst zwei Wochen alte Tochter Maria gepflegt. Der Kleinen ging es nicht gut. Sie litt unter Magenschmerzen. Statt Maria wie üblich ins Kinderbett zu legen, schliefen die Eltern mit ihr im Ehebett ihrer Wohnung in Wien-Hernals. Plötzlich, gegen halb acht am Vormittag, wurden sie von einer Explosion aus dem Schlaf gerissen.

"Es war nebelig. Mir war unklar, was passierte. Ich habe gesehen, dass es keine Fenster mehr gibt", erzählt Frau H. als Zeugin vor Gericht. Ihre Stimme wird brüchig. "Ich habe nach meinem Baby geschaut", sagt sie weinend. Nur eine kleine Hand sei aus den Trümmern herausgeragt. "Ich lag im Bett. Alles ist auf mich runtergefallen. Meine Frau schrie: ,Maria, Maria‘", sagt Herr H. Die ausgegrabene Tochter habe kein Lebenszeichen von sich gegeben.

"Ich habe den Staub vom Mund weggesaugt", sagt Frau H. Dann kam der erlösende Laut. Maria atmete. Sie kam mit einer leichten Körperverletzung davon. "Sie wissen, was mit dem Kinderbett passiert ist?", fragt Staatsanwältin Carmen Kainz Herrn H. "Es wurde komplett zerstört. Wir haben großes Glück gehabt, dass sie bei uns im Bett gelegen ist."

- © apa/privat
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Kein Glück hatte Herr Sp. Der Rechtsanwalt und Hausverwalter befand sich um halb acht im selben Wohnhaus vor der Tür von S. Er war mit seiner Ehefrau, dem Gerichtsvollzieher, einem Schlosser und mehreren Arbeitern da, um S. zu delogieren. Als der Schlosser die Tür aufbohrte, weil niemand auf das Klopfen reagierte, kam es zur Explosion. Die Wohnungstür wurde aus den Angeln gehoben und flog auf den Rechtsanwalt. Er starb.

Auf Krücken in den Saal

Mehrere Menschen wurden schwer verletzt. So auch Herr S., der aus seiner ebenerdigen Wohnung durch das weggerissene Fenster ins Freie geschleudert wurde. Am Mittwoch schleppt er sich auf Krücken in den Gerichtssaal. S. soll laut Staatsanwaltschaft Wien für die Explosion verantwortlich sein. In den Stunden vor seiner Delogierung soll er den Gaszähler demontiert und das Gasleitungsventil aufgedreht haben. Als "Racheakt" habe er dann das Gas-Luftgemisch entzündet, als sich der Anwalt vor seiner Tür befand, so die Anklagebehörde.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 56-jährigen S. Mord und 23-fachen - so viele Menschen befanden sich zum Explosions-Zeitpunkt im Gebäude - Mordversuch vor. Ein Geschworenengericht des Wiener Straflandesgerichts hat über ihn zu urteilen.