"Eine zufällige Zündung ist ausgeschlossen", sagt Staatsanwältin Kainz in ihrem Eröffnungsplädoyer. "Mein Mandant hat nichts gezündet", meint hingegen Verteidigerin Romana Zeh-Gindel. Eine "Verkettung unglücklicher Umstände" habe zur Explosion geführt. "S. hat leider den Fehler gemacht, den Gaszähler zu reparieren, obwohl er keine Ausbildung hat", so Zeh-Gindel. Ein elektrischer Funke oder anderes Elektrogerät habe die Explosion verursacht.

S. bekennt sich nur schuldig, "dass ich den Zähler abmontiert habe". Der 56-jährige Österreicher war jahrelang arbeitslos. Er lebte bis 2015 von der Sozialhilfe, als er Termine bei den Behörden nicht wahrnahm, wurde sie ihm gestrichen. Etwas Geld bekam er nur noch von seiner 78-jährigen Mutter. Die monatliche Miete von 89 Euro für die Zwei-Zimmer-Wohnung bezahlte er damit nicht. Gas und Strom wurden S. laut den Wiener Netzen und einem Gutachten bereits Monate vor der Explosion abgedreht. S. bestreitet das. Er habe legal Strom und Gas über eine alte Leitung bezogen.

Wie es zur Explosion kam, kann sich S. nicht erklären. Es habe in seiner Wohnung aber schon länger zuvor nach faulen Eiern gerochen. Ihm sei schlecht gewesen. Mit einem offenen Gasleck habe er seinen Gesundheitszustand aber nicht in Verbindung gebracht. "Warum haben Sie dann den Gaszähler abmontiert?", fragt Kainz. S. stockt kurz. "Weil ich die Wohnung renoviert habe", sagt er dann. Leises, verächtliches Gelächter im Publikum.

Herr H., der mit seiner Familie unmittelbar neben S. wohnte, gab an, niemals Gasgeruch im Haus wahrgenommen zu haben. Ihre durch die Explosion zerstörte Wohnung konnte Familie H. erst im September wieder beziehen - bis dahin lebte sie in einer Notunterkunft im Wiener AKH.

Einweisung beantragt

Am 28. November wird die Verhandlung fortgesetzt. Das Urteil soll am vierten Dezember fallen. Mehrere Sachverständige werden einvernommen - unter anderem der Psychiater Karl Dantendorfer, der S. untersucht hat. Laut dem Gutachter war S. zum Tatzeitpunkt zwar zurechnungsfähig und damit schuldfähig. Allerdings leide S. an einer Persönlichkeitsstörung und sei gefährlich.

Die Staatsanwaltschaft hat deshalb beantragt, dass S. in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden soll. Bei S. würde eine solche Einweisung - da er eben zurechnungsfähig ist - im Falle einer Verurteilung zusätzlich zum Schuldspruch verhängt werden.