Die Frauen wurden laut Anklage zur Prostitution gezwungen, damit sie ihre angeblichen "Schulden" abbezahlen. - © getty/Edward Holub
Die Frauen wurden laut Anklage zur Prostitution gezwungen, damit sie ihre angeblichen "Schulden" abbezahlen. - © getty/Edward Holub

Wien. Wurden die jungen Frauen ausgebeutet? Zwang man sie zur Prostitution? Oder arbeiteten sie freiwillig? Um diese Fragen drehte sich am Dienstag ein Prozess am Wiener Straflandesgericht. Neun mutmaßliche Mitglieder einer chinesischen Menschenhändler-Bande hatten sich vor einem Schöffensenat zu verantworten. 77 junge Frauen aus China sollen sie von Herbst 2011 bis 2016 nach Österreich gelockt haben. In Wien sollen die Frauen dann in Sex-Studios ausgebeutet worden sein.

Ein besseres Leben in Österreich habe die Bande den jungen Frauen versprochen, führte Staatsanwältin Tamara Ranzdorf aus. "Man hat den Frauen gesagt, sie können legal nach Österreich kommen und hier arbeiten, wenn man der Bande hohe Geldbeträge zahlt." Doch dann habe man den jungen Damen teilweise bereits am Flughafen Schwechat ihre Pässe, Mobiltelefone und ihr Geld weggenommen.

In Wien habe man die Frauen dann zur Prostitution gezwungen, damit sie ihre angeblichen "Schulden" bei einer chinesischen Agentur abbezahlen, so Ranzdorf. Vom Lohn haben die Frauen laut der Anklägerin nichts bis kaum etwas gesehen. "Sie mussten sogar Pönalen zahlen, wenn sie nicht arbeiten konnten - etwa dann, wenn sie ihre Monatsblutung hatten."

Hauptangeklagter teilgeständig

Von diesen Vorwürfen will Karl Bernhauser, der Verteidiger des chinesischen Erstangeklagten, nichts wissen. Sein 40-jähriger Mandant arbeitete offiziell als Koch, betrieb aber mehrere Sexstudios in Wien. Als Geschäftsführerinnen setzte der Angeklagte, der seit 22 Monaten in Untersuchungshaft sitzt, chinesische Frauen ein. Sie sollen als Aufpasserinnen fungiert haben und sind ebenfalls angeklagt.

"Mein Mandant hat auch verdient, das ist gar keine Frage", erklärte Bernhauser. Der 40-Jährige sei teilgeständig. Er habe Frauen der Prostitution zugeführt - in einem anderen Staat als in dem, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen oder in dem sie sich gewöhnlich aufhalten. Das ist auch dann strafbar, wenn die Frau dem zustimmt (217 Abs 1 StGB).

Doch könne von Ausbeutung, Zwang und Gewalt keine Rede sein: "In Österreich gibt es an jeder Ecke China-Restaurants, wo man als Chinesin hingehen und sagen kann: ,Ich brauche Hilfe, ich möchte zur Polizei‘." Zudem hätten die Prostituierten im Monat 8000 Euro verdient: "Die haben hier eine absolute Freizügigkeit genossen."

Der 40-Jährige habe die Frauen nur in seinen Studios arbeiten lassen: "Er hat auch alles, was zum Sexualverkehr nötig war, zur Verfügung gestellt: Kondome, die Schminke, weiß der Teufel was noch alles." Dafür habe der Angeklagte die Hälfte des Lohnes bekommen, sagte Bernhauser.