Wien. "Ein Volk. Ein Reich. Ein Führer", stand auf dem Hitler-Plakat, das in der Wohnung des Angeklagten hing. Reichskriegsflaggen hortete er, auch als Tuch für seinen Balkontisch gebrauchte er sie. Zigaretten entnahm er einer Packung mit NS-Rune, selbst in seinem Badezimmer setzte sich der Faschismus fest: Zum Abtrocknen gab es ein großes Badetuch mit NS-Hakenkreuz.

"Ein Sammler bin ich schon", gesteht der 21-jährige Angeklagte am Montag am Wiener Straflandesgericht. Er muss sich wegen Verstößen gegen das Verbotsgesetz vor einem Geschworenengericht verantworten. Der junge Mann soll die Devotionalien für NS-Propagandazwecke gebraucht und sich mit zahlreichen Postings auf Facebook zwischen Februar und Juni 2017 wiederbetätigt haben. "Gib niemals auf, wer du bist. Steh dazu. Kämpfe dafür", schrieb er zu einem Foto dazu, auf dem er mit dem Hitlergruß posierte. Ein anderes Bild zeigt ihn mit Langwaffe vor einer Reichkriegsflagge.

"Geistig verirrt"

"Wie kann man sich geistig so verirren?", wundert sich der beisitzende Richter Norbert Gerstberger über den jungen Mann. Denn eigentlich mache dieser ja einen positiven Eindruck, so Gerstberger. Der schmächtige Angeklagte ist nervös, als ihn die Richter zu seiner Motivation befragen. Hastig und unkoordiniert spricht er, oft verschluckt er dabei die eigenen Worte.

"Ich habe schlechte Erfahrungen mit Ausländern gemacht", erklärt der Angeklagte, dessen Mutter eine gebürtige Iranerin ist. In Favoriten sei er von ihnen mit Pfefferspray attackiert, beim Ausgehen eine Freundin angepöbelt worden, in der Berufsschule habe es Probleme mit Afghanen und Tschetschenen gegeben. "Da hat sich Wut angestaut."

Als er seine Nachrichten auf Facebook verbreitet habe, "habe ich Zustimmung dafür bekommen". Zugehörig habe er sich dadurch gefühlt. Damals habe der Nationalsozialismus für ihn bedeutet, "dass da jemand war, der das Volk beschützt hat. Da war eine Zusammengehörigkeit."

Auch das Militärische und die Ordnung der Nazis habe ihn fasziniert, meint der junge Mann. "Was ist daran schön, Kinder und Frauen zu einer Grube zu treiben und sie dort zu erschießen?", fragt Gerstberger, ohne eine Antwort zu bekommen. "Befassen Sie sich mit diesen Details, bevor Sie sich so einen Dreck in die Wohnung hängen."

"Das macht Amazon auch"

"Warum haben Sie denn die Devotionalen in ihrer Wohnung gesammelt?", erkundigt sich Andreas Hautz, der vorsitzende Richter. Das Verbotene und Gefährliche habe ihn angezogen: "Ich habe mich da reingesteigert", erklärt der Angeklagte. Er habe laufend Gutscheine und Nachrichten von Nazi-Shops erhalten. Das habe zum Kaufen animiert. "Das macht Amazon aber auch", sagt Hautz.