Vor Gericht zeigt sich der 21-Jährige nun geständig und geläutert. Der Wendepunkt sei ein Wega-Einsatz Juni 2017 gewesen. Damals hatte sich der Angeklagte mit einem Freund am Balkon angetrunken und mit einer Schreckschusspistole geschossen. "Haben die Beamten geklopft?", fragt Hautz. "Ja", meint der 21-Jährige. "Dann haben’s ein Glück gehabt."

Seit dem Einsatz habe er sich Dokumentationen über den Nationalsozialismus und die Verbrechen angeschaut und sich vom Faschismus distanziert. "Ich war wirklich dumm", meint er. "Haben Sie in der Schule nichts über den Holocaust und die Massenmorde gelernt?", fragt Hautz. "Wir sind nur bis zur Französischen Revolution gekommen", antwortet der Angeklagte, der bis zur sechsten Klasse im Gymnasium war.

In ihrem Schlussplädoyer würdigt die Staatsanwältin das Geständnis des Angeklagten. Der Vorsatz auf Wiederbetätigung sei aber klar gegeben: "Was ist das anderes als gezielte Propaganda?" Das sieht Verteidigerin Astrid Wagner anders. Sie erbittet einen Freispruch - und im Falle einer Verurteilung ein mildes Urteil. "Er schämt sich bis in die Knochen, dass er so etwas machen konnte", sagt Wagner. Ihr Mandant sei sich der Tragweite seiner Handlungen nicht bewusst gewesen.

Kurs beim DÖW

Mit den Postings habe der Angeklagte gegen das Verbotsgesetz verstoßen, urteilen die Geschworenen. Vom Vorwurf, die gesammelten Devotionalien für NS-Propaganda benutzt zu haben, wird er von den Laienrichtern freigesprochen. Eine Begründung des Wahrspruchs gibt es - dem Gesetz entsprechend - nicht.

Die Strafe wird an der untersten Grenze angesetzt: Ein bis zehn Jahre Haft sind möglich, der 21-Jährige erhält eine einjährige Freiheitsstrafe, die ihm unter Setzung einer Probezeit von drei Jahren bedingt nachgesehen wird. Zudem wird er angewiesen, Kurse der Beratungsstelle Extremismus und des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW) zu besuchen. "Wir haben den Glauben und die Hoffnung, dass Sie sich von dieser Überzeugung mittlerweile abgewandt haben", sagt Hautz. Erschwerend sei das Zusammentreffen mehrerer Verbrechen, mildernd dafür unter anderem der bisher ordentliche Lebenswandel des Angeklagten, seine Unbescholtenheit und sein Geständnis.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft erbitten Bedenkzeit. Sollte es rechtskräftig werden, wird dies den beruflichen Plänen des Angeklagten zuwiderlaufen. Derzeit arbeitet er bei der Miliz des Bundesheers, 2019 will er Berufssoldat werden. Das sei bei einer rechtskräftigen Verurteilung nach dem Verbotsgesetz auszuschließen, erklärt Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums, der "Wiener Zeitung". Auch werde sich die Disziplinarkommission mit dem Milizsoldaten befassen.