Paris/Wien. Migration, Integration und Religion standen bisher nicht im Vordergrund von Marine Le Pens Wahlkampf um das französische Präsidentschaftsamt. In der TV-Debatte mit dem amtierenden Staatschef Emmanuel Macron am Mittwochabend griff die Rechtspopulistin aber wieder auf ihr Langzeit-Thema zurück. Für Aufsehen sorgte ihr Vorschlag, das Tragen von Hijab im öffentlichen Raum zu verbieten. Sie sei nicht gegen den Islam, der seinen Platz in Frankreich habe. Sie kämpfe allerdings gegen radikalen Islamismus, so Le Pen.

Die französische Sektion der "Föderation Islamischer Organisationen in Europa" (FIOE) reagierte, indem sie eine Wahlempfehlung für Macron aussprach: "Wir rufen alle Bürger und vor allem jene muslimischen Glaubens auf, Emmanuel Macron zuwählen." Allerdings handelt es sich bei FIOE um eine Organisation im Einflussbereich der islamistischen Muslimbruderschaft.

In den vergangenen fünf Jahren im Amt betonte Macron, er werde den französischen Säkularismus verteidigen und gegen "islamistischen Separatismus" ankämpfen. Dessen Anhänger erhalten nach wie vor insbesondere in trostlosen Vorstädten Zulauf. Von rund 68 Millionen Franzosen sind Schätzungen zufolge bis zu sieben Millionen Muslime.

Abseits der FIOE sind religiöse Verbände und Glaubensgemeinschaften zurückhaltend mit Wahlempfehlungen: "Am Sonntag wählen wir keinen Retter Frankreichs, keinen Messias, wir wählen einen politischen Führer, Mann oder Frau. Eine Person, die uns auf den am wenigsten schlechten Weg führt", sagte der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz, Eric de Moulins-Beaufort. "Wir fordern alles heraus, was die Botschaft des Evangeliums verrät", heißt es auf der Webseite des Verbands protestantischer Kirchen. (sie)