Toshiki Okada, 45, gehört zu den im Westen erfolgreichsten japanischen Theatermachern. Bei den Festwochen war er bereits mehrfach zu Gast, zuletzt 2011 mit "The Sonic Life of a Giant Tortoise".

Festival-Intendant Christophe Slagmuylder kennt Okada seit Beginn seiner internationalen Karriere, die 2004 mit der Uraufführung von "Five Days in March" seinen Anfang nahm. Mit einer Neuauflage der einstigen Erfolgsproduktion, die weltweit in 70 Städten zu sehen war, ist Okada nun im diesjährigen Festwochen-Programm vertreten. Die Aufführung gilt vielen als "Meilenstein des modernen japanischen Theaters".

Diese Einschätzung ist - zumindest aus europäischer Sicht - nicht ganz nachvollziehbar, möglicherweise wird das innerhalb der japanischen Theaterwelt anders aufgefasst. Im Grunde entfaltet sich der 90-minütige Theaterabend "Five Days in March, Re-creation" nach dem Schnittmuster des Erzähltheaters, in Europa eine geläufige Theaterform.

Die Bühne der Halle G im Museumsquartier ist leer geräumt, der Boden mit weißen Linien markiert, die Akteure tragen Alltagskleidung - weite Hosen, Schlabberjacken, Turnschuhe. Nach-, mit- und durcheinander übernimmt das siebenköpfige Ensemble die Rollen von vier jungen Erwachsenen, die in Tokio leben. Mit dem fließenden Figurenwechsel wird jeweils die Erzählperspektive verändert, der Handlungsverlauf bleibt jedoch linear.

Sex für Buchhalter

Ziemlich geradlinig wird demnach erzählt, was die vier Protagonisten an fünf Tagen im März 2003 in Tokio anstellen. Das seit Goethes "Wahlverwandtschaften" klassische Quartett kommt hier freilich nicht zusammen, vielmehr geht es um das unausweichliche Scheitern von Beziehungen.

Während das erste Paar über einen gemeinsamen Kinobesuch nicht hinauskommt, verbarrikadiert sich das zweite Paar fünf Tage lang in einem sogenannten "Love Hotel", einer billigen, fensterlosen Absteige in der Nähe des großen Tokioter Bahnhofs Shibuya. Yukki und Minobe vögeln praktisch fünf Tage lang nonstop. Der sexuelle Grenzgang wird in Buchhaltermanier verhandelt, viel mehr als die Anzahl der verbrauchten Kondome (zwei Dutzend) erfährt man nicht. Der Kontrast zwischen der erzählten Amour fou und der Mimik der Akteure könnte größer nicht sein. Die stilisierten Bewegungsabläufe sind nicht erotisch, sondern neurotisch. Diese absichtsvolle Diskrepanz verleiht dem Abend durchaus einen gewissen Reiz.

Zudem wird die sexuelle Erweckung lose verknüpft mit stadtweiten Demonstrationen gegen den Irak-Krieg, den die USA am 20. März 2003 ausrief. Trotz dieser Koppelung ist "Five Days in March, Recreation" kein politisches Theater, sondern liefert eher Momentaufnahmen einer japanischen Generation, die sich zwischen Lethargie und Sehnsüchten verliert.