Inwiefern fließen Erfahrungen aus den Monaten der Covid-bedingten Isolation in die Theaterarbeit ein? Schwer zu sagen, aber die beiden Tanz- und Musikdarbietungen "Danse Macabre" und "Echoic Choir", die am vergangenen Wochenende im Rahmen der Wiener Festwochen uraufgeführt wurden, erlebt man unter dem Eindruck der Covid-Pandemie völlig anders als ohne diese Zäsur.

So unterschiedlich die Aufführungen inhaltlich und formal sein mögen, ihr kathartisches Potenzial entfalten sie erst vor dem Hintergrund der Pandemie. Beide Inszenierungen dauern eine knappe Stunde und finden in den ehemaligen Fabrikshallen der Kultureinrichtung F23 in Wien-Liesing statt.

Mit "Danse Macabre" knüpft der österreichische Künstler Markus Schinwald an die Tradition der mittelalterlichen Totentänze an. Dabei treten allegorische Figuren - historisch meist vom Kaiser hinab bis zum Kind - mit Gevatter Tod in Widerstreit, in zahlreichen Wand- und Buchmalereien sind diese Tänze festgehalten. Schinwald entwirft in "Danse Macabre" ein Szenario mit neun Performern in farbenfrohen Kostümen, die simultan auftreten: Da ist etwa ein einsamer Ritter, ein Mann im Morgenmantel tanzt ein Duett mit einer Frau in Blau, eine andere Performerin im blutroten Kostüm wird durch eine Drehtür stets herein- und hinausgeleitet. Die Bedeutung der Auftritte lässt sich kaum entschlüsseln, es bleibt ein enigmatisches Wimmelbild.

Das Publikum sitzt in der Mitte des Raumes, das Geschehen findet rundherum statt, die Musiker sind zum Großteil hinter Bühnenwänden platziert, sie sind an diesem Abend die eigentlichen Stimmungsmacher. Der US-amerikanische Komponist und Dirigent Matthew Chamberlain, Jahrgang 1990, hat für "Danse Macabre" einen prägnanten Soundtrack entworfen. Das österreichische Ensemble PHACE verdichtet mit dem 27-köpfigen Orchester die Atmosphäre: Garantiert melancholisch.

Tief betrübt geht es auch in "Echoic Choir" weiter. Die Performerin Ula Sickle und die Vokalistin Stine Janvin haben ein phänomenales szenisches Manifest für die Club-Kultur inszeniert, die immer noch darniederliegt. Sechs Performer stehen im Halbdunkel, die Besucher nehmen dazwischen auf Barhockern Platz, fast wie im echten Nachtleben.

Der Beat wummert los, der Tanz beginnt. Im Grunde sieht man in "Echoic Choir" Menschen beim Tanzen zu, als wäre man ein Club-Besucher. Die Dramaturgie der Aufführung besteht nur aus einem Wechsel zwischen hell und dunkel, laut und leise, die Bewegungsskala reicht von sachtem Wippen bis losgelöstem Auf- und Abspringen. "Echoic Choir" genügt wenig, um eine geradezu hypnotische Wirkung zu entfachen. Das liegt wohl daran, dass einem schmerzlich bewusst wird, wie sehr man das Nachtleben vermisst.