Männliche Prostitution gehört nicht gerade zu den gängigen Bühnenthemen. Falls das Rotlichtgewerbe überhaupt am Theater zur Sprache kommt, dann bestenfalls aus weiblicher Perspektive. "Sahibinden Kiralik" nimmt demnach eine Sonderstellung ein: Stricher-Storys aus der Türkei. Harter Stoff.

Özen Yulas Stück "Sahibinden Kiralik", auf deutsch: "Vom Eigentümer zu mieten", gastiert nun im Rahmen der Wiener Festwochen im Schauspielhaus und erzählt vor allem vom sozialen Elend der Sexarbeiter. Der aus Anatolien stammende 56-jährige Autor gehört in der Türkei zu den bekanntesten Bühnen- und Drehbuchautoren. Dreh- und Ankerpunkt seines literarischen Schreibens sind gesellschaftspolitische Fragen der gegenwärtigen türkischen Gesellschaft. "Sahibinden Kiralik" (2002) spielt in einem fingierten Park einer türkischen Großstadt. Auf der Parkbank, aufgestellt in der Bühnenmitte des Schauspielhauses, treffen die sieben Akteure abwechselnd aufeinander. Die Darsteller sind mit Jeans und schwarzer Lederjacke bekleidet, der Oberkörper bleibt meist frei, offensichtlich der Stricher-Dresscode. Die einzige Frau in der tristen Runde, Zeynep Su Topal, trägt zu den Jeans eine goldfarbene Jacke (Kostüme: Ünal Bostanci)

Die Bank ist auf der sonst leeren Bühne der zentrale Ort des Geschehens: Hier werden die erotischen Geschäfte angebahnt, hier tauscht man die ungeschriebenen Gesetze des Gewerbes aus und teilt Bekenntnisse über zudringliche Kunden. Die Bank ist aber auch Tatort brutaler Übergriffe zwischen Zuhältern und Strichern. Im Zentrum der Handlung steht die unmögliche Liebe zwischen einem Stricher und einer Hure, die ein unausweichlich schreckliches Ende nimmt.

Die Gewalttaten und Sex-Dienstleistungen werden auf der Bühne nicht offen ausagiert, sondern als nüchterner Bericht vorgetragen, überhaupt gerät die szenische Darstellung recht schnörkellos, vertraut ganz auf den Text und wirkt mitunter wie Doku-Theater. Dadurch verstärkt das Regieduo Melis Tezkam und Özen Yula noch den Eindruck, als wäre Brutalität ein Naturgesetz. Ein schlichter, aber stimmiger Theaterabend.