Ein riesiger Hügel beherrscht bedeutungsschwanger den Bühnenraum. Zuerst wirkt er erdig, dann fast saftig grün und zuletzt silber-weiß. Ein "Tumulus", also eine Grabstätte, und zugleich namensgebender Titel der Aufführung des Choreografen François Chaignaud und des Leiters von Les Cris de Paris, Geoffroy Jourdain. Tanz und Musik möchten die beiden Künstler "zusammen denken", heißt es im Programm; also die Grenzen der Genres sprengen. Das Ergebnis: 13 Sänger, vielleicht ist unter ihnen auch manch Performer an der Muskulatur zu erkennen, singen und bewegen sich hüpfend, rutschend, laufend, schleichend. Tanz? Definitiv singen sie. Und zwar Chöre aus dem 15., 16., 17. und 20. Jahrhundert - a cappella.

Ein Teil des Lebens

In abgesteppten Umhängen, mit zuerst wollenen, dann funkelnden Gamaschen und in Stoffe gewickelt (Kostüme: Romain Brau), umkreisen die Darsteller das bergige Grab (Bühne: Mathieu Lorry Dupuy). Manchmal hat es den Anschein, als würden sie trauern - wie zu Beginn zu Jean Richaforts "Graduale" aus dem "Requiem" -, um sich dann im Lauf des Abends immer mehr dem Leben zuzuwenden. Letztlich wird William Byrds "Lullaby my sweet little baby" und die dazugehörige szenische Einbeziehung des Grabes in eine Prozession, die auf das tägliche Leben anspielt in Form von Hüten mit Plastik-Fleisch oder aus künstlichem Getreide. Der Tod als Teil des Lebens. Ganz etwas Neues.