Es sind oft die fachfremden Kräfte, die eine Verjüngungskur für die alte Dame Musiktheater versprechen - und den Wiener Festwochen ist dies immer wieder geglückt. Man denke etwa an die schrulligen Regien des Allround-Künstlers Achim Freyer oder auch ein wenig an William Kentridge, der die "Winterreise" hier mit seinen Zeichnungen 2014 in ein atmosphärisches Stück Musiktheater verwandelt hat.

Nun müssen solche Versuche aber nicht immer aufgehen, und die Festwochen liefern dafür nun mit einer Eigenproduktion einen Beleg: "Friede auf Erden", erdacht als kühner Hybrid zwischen Chormusik von Arnold Schönberg und bildender Kunst (mit der deutschen Malerin Ulla von Brandenburg als Regisseurin), entpuppte sich am Sonntag als ein spärlich dekoriertes Konzert.

Die Mängelliste beginnt mit einem profanen Problem: Wer kennt sie schon, die Chorwerke des Zwölftöners? Und Hand aufs Herz: Wer versteht einen Gesangstext, wenn der in kontrapunktischen Verschlingungen gesungen wird? Die Verwendung von Übertiteln wäre insofern ratsam gewesen. Zwar wurden dafür anfangs A4-Zettel ausgeteilt, die Saallichter aber bald so stark gedimmt, dass jegliche Lektüre vereitelt wurde. Schade. Denn dieser Mangel erschwert dem Publikum nicht nur das Kennenlernen rarer Schönberg-Stücke, es verunmöglicht auch eine zentrale Einschätzung an diesem Abend: Reagiert Ulla von Brandenburg auf Schönbergs Musik? Und inwiefern?

Nun: Allzu oft dürfte es dem Anschein nach nicht geschehen sein. Wenn der Arnold Schönberg Chor hier in aller Deutlichkeit das biblische Bilderverbot in den Saal schmettert, ist man zwar kurz im Bilde. Wir halten bei Schönbergs "Vier Stücken" (1925). Und es lässt sich irgendwie nachvollziehen, dass diese Worte im Jugendstiltheater mit Schattenrissen der Choristen bebildert werden: Stichwort Plato, Höhlengleichnis und so.

Schönberg, grün und blau

Ansonsten wabert der Abend aber recht ungefähr vor sich hin. Er sucht das charismatische Bild, kommt aber nicht über atmosphärisches Dekor und ein paar Abweichungen vom branchenüblichen Konzert hinaus: Die Sitze sind nicht nach vorne ausgerichtet, sondern an der Längswand orientiert; die Künstler werken nicht bloß auf der Bühne, sondern gehen gern in der Saalmitte spazieren. Und statt einer Uniform tragen sie Kostüme, die wahlweise an Derwisch, Harlekin oder Sergeant Pepper erinnern, während Erwin Ortner in einer wallenden Zaubererkluft dirigiert. Den meisten - und rätselhaftesten Eindruck - machen etliche Stoffbahnen: Mal plumpsen sie von einem Balkon; mal schweben sie über der Bühne, während sich dort Sänger zu einem Tableau vivant fügen; mal werden sie ähnlich akkurat zusammengelegt (Kante auf Kante!) wie einst für Omas Kleiderschrank.

Der Sinn erschließt sich leider ebenso wenig wie die Antwort darauf, warum die Umbaupausen für die Begleitmusiker - gerade an einem "szenischen" Abend - so öd geraten müssen. Immerhin: Der Schönberg-Chor hat, zumal im titelgebenden Stück, balsamisch gesungen, und das Textiltheater nur 70 Minuten gedauert.