Meinungsvielfalt fördern - "Wiener Zeitung" erhalten

Am Mittwoch hat die Regierung ein dreiteiliges Medienpaket vorgestellt. Die Eckpunkte der Novellen zur Medientransparenz und zur Journalismusförderung berücksichtigen einige der langjährigen Forderungen des Presseclub Concordia. Die Freude darüber wird allerdings durch den dritten Eckpunkt stark getrübt - die Verstümmelung der "Wiener Zeitung".

Das Gesetzesvorhaben wirkt dadurch beinahe schizophren: Während der eine Teil sich zum Ziel setzt, "die Vielfalt textbasierter Nachrichtenmedien als Grundlage für den öffentlichen Diskurs und die Meinungsvielfalt" zu unterstützen, versetzt der andere einem hochwertigen textbasierten Nachrichtenmedium den Todesstoß - und das ohne Not.

Zahlreiche Vorschläge existieren, das Traditionsmedium "Wiener Zeitung" einer neuen Eigentümerstruktur und einer selbstbestimmten Zukunft zuzuführen, [auch der Presseclub Concordia hat einen solchen ausgearbeitet] (www.ots.at/redirect/concordia9). Der Bund will sich aber von seinem Eigentum nicht lösen und lässt sich das auch etwas kosten: 14,5 Millionen Euro sollen laut Standard zukünftig für eine Verlautbarungsplattform, ein zusammengestutztes Informationsmedium und für "Medienkompetenzvermittlung und Journalistenausbildung" bereitgestellt werden.

Dadurch will ausgerechnet das Bundeskanzleramt zum obersten Schirmherr journalistischer Kompetenzvermittlung werden, denn die mit 5 Millionen Euro marktbeherrschend hoch dotierte Ausbildungsstätte wäre diesem direkt unterstellt. Das ist demokratiepolitisch gefährlich, denn es widerspricht direkt dem wohl wichtigsten Kriterium für qualitätsvollen und kritischen Journalismus: politischer Unabhängigkeit.

Wir fordern die Bundesregierung auf, ihrem erklärten Ziel einer Förderung des öffentlichen Diskurses und der Meinungsvielfalt auf ganzer Linie nachzukommen und die "Wiener Zeitung" als unabhängiges Qualitätsmedium zu erhalten.

Daniela Kraus,
Generalsekretärin des
Presseclubs Concordia

Das absehbare Ende der
gedruckten Tageszeitung

Es ist typisch österreichisch, dass die qualitativ beste Zeitung Österreichs eingestellt werden soll. Wir lieben das Mittelmaß, und alles, was darüber hinausgeht, ist verdächtig. Ein Trauerspiel der besonderen Art. Ich hoffe, es gibt bald eine Petition gegen den schleichenden Tod der "Wiener Zeitung".

Mag. Alfred Zopf,

4822 Bad Goisern

Eine Schande für
die Regierung

Es ist eine Schande für die Regierung, dass sie die älteste Tageszeitung der Welt zugrunde gehen lässt. Keine andere Zeitung informiert so gut über Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur! Eine gedruckte Zeitung kann man überall mitnehmen und stundenlang lesen, während auf einem Smartphone die Schrift zu klein ist und einem der Strom ausgeht.

Der Staat und die Stadt Wien geben Unsummen für unnötige Werbung in verschiedenen Zeitungen aus, und für die "Wiener Zeitung" haben sie kein Geld?

Gerlinde Rosenmayr,

per E-Mail

Eine Entscheidung
gegen den Leserkreis

Eigentümerin der "Wiener Zeitung" ist die Republik Österreich, und die scheint wieder Eigentum der beiden Regierungsparteien zu sein. Die "Wiener Zeitung" hat hohe journalistische Qualität. Ich halte sie für die beste österreichische Tageszeitung, kritisch, mit guter internationaler Berichterstattung, hervorragenden Gastbeiträgen. War sie vielleicht zu wenig regierungsparteifreundlich?

Eine gedruckte Tageszeitung ist unverzichtbar. Ein großer Vorteil ist auch der vergünstigte Abo-Preis für Senioren, von denen nicht alle, aber sehr viele eine geringe Pension haben, aber auch viele mit einem digitalen Angebot nichts anfangen können - abgesehen davon, dass es unzumutbar ist, umfangreichere Artikel am Bildschirm zu lesen.

Das war wieder typisch: Die Lesergemeinde und die gewählten Vertreter der Redaktion werden übergangen, und die hohen Vertreter der Politik treffen über die Köpfe Tausender hinweg ihre Entscheidungen.

Karl Helmreich,

2552 Hirtenberg

Liegt es wirklich
nur am Geld?

In unserem Österreich wird "die Wirtschaft" seit der Corona-Pandemie und während der folgenden multiplen Krisen mit unvorstellbaren Milliardenbeträgen aus unseren Steuern alimentiert - und dann schickt die Bundesregierung aus "wirtschaftlichen Gründen" die "Wiener Zeitung", immerhin die älteste noch immer erscheinende Tageszeitung der Welt, ins Grab.

Es geht um 20 Millionen Euro pro Jahr, die sich "die Wirtschaft" künftig an Beiträgen für Pflichtveröffentlichungen in der "Wiener Zeitung" erspart. 20 Millionen, die im Vergleich zu den Milliardenförderungen der vergangenen beiden Jahre verblassen. 20 Millionen, die aber eine altehrwürdige Tageszeitung zugrunde richten.

Von einer "Wirtschaftspartei" wie der ÖVP ist so etwas ja erwartbar, aber dass ausgerechnet die Grünen in der Regierung bei einem solchen medienpolitischen Mord mitspielen, ist verstörend - nein: unfassbar!

Gernot Romar,

per E-Mai

Österreich beschädigt
seine politische Kultur

Es ist immer wieder beeindruckend, vom Ausland aus zu beobachten, wie effizient die Republik Österreich ihre politische Kultur in Misskredit bringt. Und nun dies: Die "Wiener Zeitung" soll ins Digitale wegschrumpfen. Wird nicht gesehen, dass die "großen" Zeitungen sich zunehmend selbst genügen? Dass für die politische Kritik der "Falter" fast allein noch hörbar und lesbar in Erscheinung tritt, wo sonst der Widerspruch der "Großen" dahinschmilzt wie eine Mozartkugel in diesem Sommer. Überhaupt Mozart: Er hat sicher die "Wiener Zeitung" (oder "Wiennerisches Diarium") auch schon gelesen ...

Ist da Angst vor Qualitätspresse im Spiel? Für Österreich ist dieses Vorgehen eine Selbstaufgabe hin zur Harmlosigkeit.

Axel Jablonski,

CH-9470 Buchs SG

Diese Entscheidung
ist einfach eine ...

... medienpolitische Fehlentscheidung und eine kulturpolitische Schande. Erbärmlich!

Hans Spiess,

per E-Mail