Es muss möglich sein, die Tageszeitung zu erhalten

Die Österreich-Sektion der Vereinigung der Europajournalistinnen und -journalisten bedauert die Pläne für eine Einstellung der täglichen Printausgabe der "Wiener Zeitung". Durch ihre bis auf das Jahr 1703 zurückgehende Geschichte stellt die "Wiener Zeitung" als älteste Tageszeitung der Welt ein wertvolles und auch historisch bedeutsames Kulturgut dar, das zweifellos gepflegt werden muss. Eine Umstellung auf eine monatliche Erscheinungsweise könnte ein erster Schritt in Richtung völliger Einstellung sein. Dies würde der Presse-, Medien- und Meinungsvielfalt sowie der journalistischen Qualität in diesem Land einen schweren Schaden zufügen. Selbstverständlich entsprechen Online-Medien dem Zeitgeist, doch darf der Wert des Printjournalismus nicht geringgeschätzt werden.

Seriöser und qualitätsvoller Tagesjournalismus darf in einem Land wie Österreich und einer Kulturstadt wie Wien nach 320 Jahren nicht einfach zu Grabe getragen werden. Mit entsprechender verlegerischer Kompetenz muss es möglich sein, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das den Erhalt der täglichen Printausgabe der "Wiener Zeitung" gewährleistet.

Österreich-Sektion
der Vereinigung der Europajournalistinnen und -journalisten (AEJ Austria)

Eine medienpolitische Bankrotterklärung

Nächstes Jahr wird die "Wiener Zeitung" als gedruckte Tageszeitung 320 Jahre alt. Doch das Jahr 2023 wird diese als tägliches Printmedium nicht überleben. Die älteste Tageszeitung der Welt, deren Eigentümervertreterin die türkis-grüne Bundesregierung ist, soll künftig ausschließlich online und nur noch mit einem monatlichen Printprodukt erscheinen. Grund dafür sind die neuen Pläne der türkis-grünen Bundesregierung. Die geplante Umwandlung der bisherigen Tageszeitung in ein Online- und Monatsprodukt mit engem öffentlich-rechtlichen Auftrag bedeuten das Ende einer einmaligen publizistischen Tradition einer hoch angesehenen Qualitätstageszeitung.

In der künftigen Konstellation wird das Bundeskanzleramt darüber hinaus den größten Topf für Journalismus-Ausbildung in Österreich steuern können. Und das ohne Mitspracherechte einer unabhängigen Redaktion. Das ist demokratiepolitisch äußerst bedenklich. Dieser Umgang der Bundesregierung mit der ältesten Tageszeitung der Welt kommt einer medienpolitischen Bankrotterklärung von ÖVP und Grünen gleich.

Die Zukunft der Redaktion muss in Zusammenarbeit mit dieser von kompetenten Medienexpertinnen und -experten und interessierten Stakeholdern gestaltet werden. Der Bund als Eigentümer ist gefordert, seine Verantwortung für dieses Qualitätsmedium wahrzunehmen und alles in die Wege zu leiten, um diese traditionsreiche und wichtige Zeitung in die Zukunft zu führen.

Das von Bundesministerin Susanne Raab präsentierte Konzept ist weder zukunftsfit noch innovativ. Die "Wiener Zeitung" als ausgewogenes, qualitätsvolles Medium darf nicht auf die Sterbebank geschoben werden. Eine funktionierende Demokratie braucht unabhängige, vielfältige Medien und mehr Journalistinnen und Journalisten mit gesicherten Einkommen und festen Arbeitsplätzen. Mit den aktuellen Plänen der Bundesregierung droht auch vielen der rund 50 Redaktionsmitgliedern, die tagtäglich ihr Herzblut in die Zeitung gesteckt haben, das Aus. Denn vonseiten der Geschäftsführung wurde bereits ein Personalabbau angekündigt.

Josef Taucher,
Vorsitzender des SPÖ-Klubs im Wiener Gemeinderat und Landtag

Gibt es noch rettende Alternativen?

Cui bono? Wem nützt es? Der österreichischen Presselandschaft sicher nicht. Als Abonnentin, die die "Wiener Zeitung" in höchstem Maße schätzt, frage ich: Was kann man tun? Was kann ich tun? Vorerst meinen Dank aussprechen für die unaufgeregte, objektive und von großem journalistischen Können geprägte Arbeit der Redakteure und Redakteurinnen. In der Hoffnung, dass sich doch noch ein Weg findet, dieses Stück Kulturgeschichte zu retten. Was wären die von Walter Hämmerle angesprochenen Alternativen, die es nach wie vor gibt?

Friederike Pacik,

1230 Wien

Ein Übernahmekonsortium
für die "Wiener Zeitung"

Seit bald 320 Jahren erscheint diese Tageszeitung, was auf der ganzen Welt einmalig ist. Da stellt sich die Frage: Wie geht diese Regierung (die nur noch von knapp 35 Prozent der Bevölkerung akzeptiert wird) mit der Geschichte Österreichs um? Aber vielleicht waren unseren Mächtigen etliche nicht sehr schmeichelhafte Artikel dieser unabhängigen Zeitung unangenehm, und man hat sich auf den Schlips getreten gefühlt?

Wahrscheinlich hat niemand daran gedacht, für eine Übernahme der "Wiener Zeitung" mit Banken, Firmen, Millionären Kontakt aufzunehmen. Ein unabhängiges Banken- beziehungsweise Firmenkonsortium (ohne jede Parteipolitik) könnte dafür geworben werden. Noch könnte man diesen Weg versuchen. Die "Wiener Zeitung" muss als informative Tageszeitung erhalten werden, auch wenn es leider keine Pflichtveröffentlichungen mehr gibt. Das Anzeigenwesen muss ausgebaut werden, so wie es bei anderen Zeitungen möglich ist.

Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf und habe den Glauben, dass die "Wiener Zeitung" noch weiterhin als Tageszeitung in den Trafiken, im Café und im Abo-Bereich erhalten bleibt.

Hubert Rogelböck,

1230 Wien

Ein Schlag gegen die Medienvielfalt

Ich vermag meinen Groll über die geplante Einstellung der täglich erscheinenden "Wiener Zeitung" nicht in Worte zu fassen, möchte aber zumindest der Redaktion nach über dreißig Jahren täglicher Lektüre Dank und Anerkennung übermitteln. Den 5. Oktober 2022 vermerke ich als medienpolitischen Tiefpunkt einer Regierung, die hoffentlich ab sofort Mühe haben wird, sich täglich in den Spiegel schauen zu können. Medienvielfalt abzusichern und den Medienstandort zu stärken, indem man eine Qualitätszeitung einzustellen plant, fällt eindeutig in den Bereich von politischer Widersinnigkeit und Verhöhnung der Leserschaft. Der Redaktion gilt meine volle Unterstützung, auch bei der allfälligen Durchsetzung des Redaktionsstatuts.

Johannes Seitner,

1050 Wien

Auf dem Weg in die Postdemokratie

In der "Wiener Zeitung" habe ich meinen ersten Leserbrief geschrieben, und ich hoffe, dass dies hier nicht mein letzter ist. Für mich ist diese Tageszeitung die einzige des Landes, die wirklich unabhängigen Journalismus betreibt. Ihre Einstellung ist - neben der radikalen Kürzung bei Ö1 (dem einzigen Kulturradiosender) und dem Umbau von fm4 (der der österreichischen Musikszene abseits von Rainhard Fendrich und Co endlich Gehör verschafft hat) zu einem comedyartigen Format - ein politisches Bekenntnis zur Postdemokratie! Dass sich niemand verantwortlich fühlt, die älteste Zeitung der Welt als Kulturgut zu erhalten, während die Presseförderung für gefällige Medien großzügig erhöht wurde, ist eine Schande.

Sabine Piribauer,

per E-Mail

Dem einen wird gegeben,
dem anderen genommen

Man fasst es nicht: Während der ORF sich in hunderten Millionen aus Zwangsbeiträgen suhlen darf, soll die "Wiener Zeitung", die in meinen Augen seit vielen Jahren beste und objektivste Tageszeitung weit und breit, unter das Existenzminimum gestutzt werden. "Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte." (Max Liebermann)

MedRat. Dr. Milos Paul Mladek,

1180 Wien

Ein offenbar
vorgeschobener Anlass

Als langjähriger Abonnent der "Wiener Zeitung" bin ich schockiert über diesen Umbruch! Das Ende der Pflichteinschaltungen war sicher längst überfällig. Dies jedoch zum Anlass zu nehmen, die "Wiener Zeitung" mehr oder minder zu beenden, widerspricht dem Anspruch, eine Kulturnation zu sein. In welcher Zeit leben wir, so einfach die älteste Tageszeitung der Welt einzustellen?

Danke für den bisherigen Qualitätsjournalismus und alles Gute für die Zukunft!

Othmar Lackner,

2500 Baden

Keine Wertschätzung
der Meinungsvielfalt

Es ist unfassbar, was sich die türkis-grüne Bundesregierung mit der Einstellung der ältesten Tageszeitung der Welt erlaubt! Noch dazu voraussichtlich in jenem Jahr 2023, in dem die "Wiener Zeitung" 320 Jahre alt wird. Diese Entscheidung der dafür Verantwortlichen zeigt einmal mehr, mit welcher Unverantwortlichkeit und Rücksichtslosigkeit ein Kulturgut zerstört und für immer vernichtet wird!

Bei gutem Willen hätte es sicher auch andere Lösungen gegeben. Zudem folgt daraus eine Diskriminierung aller jener, die gerne eine Zeitung in der Hand halten und sich nicht mit Online-Primitivitäten beschäftigen wollen. Somit zeigt die Abschaffung dieser so wertvollen Zeitung mangelnde Wertschätzung von Meinungsvielfalt und seriöser Hintergrundrecherche.

Johannes Plibrsek,

4810 Gmunden

Eines der wenigen
seriösen Medien

Mit Schrecken lese ich, dass die "Wiener Zeitung" nicht mehr täglich gedruckt zur Verfügung stehen soll: Praktisch für die Regierung, aber für uns Bürger nicht, weil seriöse Berichterstattung vielen anderen Medien nicht gegeben ist. Ich hoffe, uns fällt das nicht irgendwann auf den Kopf.

Ruth Sandner,

per E-Mail

Hat die Regierung
sonst keine Probleme?

Jetzt haben sie es geschafft. Seit Jahren kämpft man gegen die eigene Zeitung, und jetzt hat man’s geschafft. Schande über diese Regierung. Sie hätte genug Probleme, ohne über die "Wiener Zeitung" herzufallen.

RgR Ernst Wiedermann,

per E-Mail

Ein Zeitungsjuwel,
das fehlen würde

Was für ein Skandal, wenn es diese wunderbare, einmalige Zeitung - ein Juwel - nicht mehr so geben sollte. Es wäre wirklich eine Schande!

Dr. Christina Vossoughi,

per E-Mail