Eine Stellungnahme der Schriftsteller/innenverbände

- © apa / Roland Schlager
© apa / Roland Schlager

Die "Wiener Zeitung", zum ersten Mal erschienen am 8. August 1703, darf nicht zugrunde gerichtet werden. Mit der Abschaffung der Pflichtveröffentlichung im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" wird dieser die Finanzierungsgrundlage entzogen. Die Lösung, die die Regierung für die "Wiener Zeitung" jetzt vorlegt, aus ihr eine zehnmal im Jahr erscheinende Monatszeitschrift und eine Online-Plattform zu machen, ist nichts anderes als ihr Tod auf Raten.

Die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt und eine weltweit einzigartige Publikations- und Publizistikgeschichte werden von der Regierung leichtfertig zu Grabe getragen. Das ist keine Lösung, das ist eine medienpolitische Bankrotterklärung. Damit erfolgt ein weiterer großer Schritt des Abbaus von Medienqualität und geht ein weiteres wichtiges Stück Öffentlichkeit dem literarischen Leben in Österreich verloren.

Die österreichischen Autor/
inn/en und die österreichische Literatur sind mit der "Wiener Zeitung" seit Jahrzehnten auf das Engste verbunden. Die "Wiener Zeitung" erfüllt nicht nur alle Kriterien einer Qualitätszeitung, sie ist auch ein Maßstab dafür. Es hilft nichts, wenn nun auf der einen Seite Medienqualität stärker in die Förderungsüberlegungen einbezogen werden soll und andererseits ein Qualitätsmedium abgeschafft wird. Es hilft nichts, wenn einerseits die Literaturförderungen aufrechterhalten bleiben sollen und andererseits der Literatur und Publizistik Arbeitsplätze und Publikationsmöglichkeiten verloren gehen.

Wir schließen uns den zahlreichen Protesten gegen die Einstellung der "Wiener Zeitung" als Tageszeitung an und weisen mit allem Nachdruck darauf hin, dass durch die Abschaffung der "Wiener Zeitung" als Tageszeitung an der Literatur und am Qualitätsjournalismus in Österreich ein nicht wiedergutzumachender Schaden angerichtet wird.

IG Autorinnen Autoren,
Österreichischer
Schriftsteller/innenverband,
Grazer Autorinnen
Autorenversammlung,
Österreichischer PEN-Club,
Podium - Schriftstellervereinigung

Zum Leitartikel von Walter
Hämmerle, 8. Oktober

Die Grundsätze des Journalismus

In diesem Leitartikel wird die aktuelle Situation in der Medienlandschaft in Österreich auf den Punkt gebracht. Im Ringen um Leser, Inserate und Klicks "vergessen" die meisten Medienunternehmen in diesem Land auf wichtige Grundsätze im Journalismus: objektive Berichterstattung, wertneutrale Information und realer Blick auf das Ganze.

Gratulation an Walter Hämmerle auch dafür, dass er der Versuchung widersteht, die Politik unilateral und unsachlich zu kommentieren - sie würde sehr wohl genug Gelegenheiten dazu bieten.

Thomas Obermeier,

per E-Mail

Einer Kulturnation wie Österreich unwürdig

Die Entscheidungen zur "Wiener Zeitung" haben nichts mit "zeitgemäßer Informations- und Medienpolitik" zu tun, sondern sind einer Kulturnation auch und gerade im 21. Jahrhundert unwürdig. In Ungarn hätte ich mit einer derartigen Entscheidung gerechnet - in Österreich schockiert sie mich.

Dr. Alexander Luger,

1130 Wien

Ein Appell an den Bundespräsidenten

Ich bin tief erschüttert. Meiner Meinung nach wäre es durchaus angebracht, den Herrn Bundespräsidenten um ein ernstes Wort zu ersuchen. Ich tue es und appelliere somit an Sie, hochverehrter Herr Bundespräsident, alles in Ihrer Überzeugungsmacht Stehende zu unternehmen, um den Fortbestand dieses einmaligen österreichischen Kulturgutes, welches die "Wiener Zeitung" zweifelsfrei darstellt, dauerhaft zu sichern. Bitte sprechen Sie ein Machtwort!

Johann Ziegler,

3400 Klosterneuburg

Verzerrte Zahlen zeigen
ein falsches Bild

Die "Wiener Zeitung" wird verändert. Die Medienministerin verwechselt im Fernsehinterview die Anzahl der Abonnentinnen und Abonnenten mit jener der Leserinnen und Leser. Eine Gemeinheit mit Zahlen. Ein simples Zahlen-Leistungs-Bild, wobei sie doch gerade von journalistischer Qualität geredet hat. Dass Journalismus und Public Relation wirklich nicht dasselbe ist, haben manche in der ÖVP noch immer nicht verstanden.

Kerstin Kellermann,

per E-Mail

Höchste Qualität auch
als Online-Medium

Die geplante Einstellung der Printausgabe der "Wiener Zeitung" ist nur durch eine langfristig garantierte Förderung der elektronischen Ausgabe einigermaßen zu rechtfertigen. Diese sollte an Qualität die landesüblichen Online-Ausgaben deutlich übertreffen, ordentlich offline beworben und ein Vorzeigeprojekt werden. Ansonsten müssten sich alle an der Einstellung Beteiligten "nachhaltig" schämen - und die Worte "Qualitätsjournalismus", "Augenmaß" und "treffsichere Maßnahmen" auf absehbare Zeit nicht mehr in den Mund nehmen.

Dr. Rudolf Bretschneider,

1180 Wien

Informationen statt
Werbung für die Regierung

Die Regierung ist nur dann bereit, Medien finanziell zu unterstützen, wenn diese - am besten unterschwellig - Werbung für die Regierungsarbeit machen. Die "Wiener Zeitung" war aber in ihrer langen Geschichte als Qualitätszeitung dazu nie bereit. So eine Zeitung, die mangels Einfluss den Regierungsparteien mehr schadet als nützt, gehört endlich eingestellt. Und dazu kommt noch: Was Qualitätsjournalismus bewirkt - kritische, gut informierte Menschen -, hat in sich, dass bei diesen die politische Wahlwerbung eher unwirksam ist.

DI Dr. Franz Labek,

per E-Mail

Mehr Geld für
gefügigere Medien

Die nunmehr von der Regierung beschlossene Einstellung der Druckausgabe der "Wiener Zeitung" ist nicht nur für mich als jahrelangen und begeisterten Leser und Abonnenten dieser Zeitung mit ihren informativen, tiefschürfenden, möglichst objektiven und thematisch breit gefächerten Artikeln und Beilagen sehr traurig und ein persönlicher Verlust, sondern auch für eine (offenbar nur scheinbare) Kulturnation eine Schande.

Anstatt diese Zeitung als hohes Kulturgut nach Kräften zu unterstützen, wird sie um den wesentlichen Teil - die tägliche Papierform - gebracht und damit der Genuss sehr erschwert: kein leichtes Lesen in der Bahn, kein haptisches Erleben des Papieres, keine Weitergabe an Familienmitglieder und so weiter.

Dass es keinen Personalabbau gibt, glaubt ja niemand, der die Absicht merkt: Es soll Zeitungsmedien, die von den Politikern durch Inserate für ihnen genehme Berichterstattung unterstützt werden, Konkurrenz um die mit Steuergeldern gefüllten Geldtöpfe - für Inserate ist keine Kostenobergrenze geplant! - und vor allem um die Meinungsbildung der Wählerinnen und Wähler aus dem Weg gespart werden.

Ich hoffe auf einen möglichst breiten und erfolgreichen Protest aller Menschen in Österreich, denen eine hohe Qualität der Zeitungen und daher ein Weiterbestehen der "Wiener Zeitung" ein Anliegen ist.

Mag. Helfried Haas,

per E-Mail

Ein Konkurrent weniger
am Medienmarkt

Es ist empörend, wenn die türkis-grüne Bundesregierung die "Wiener Zeitung", die mit fast 320 Jahren die älteste Tageszeitung der Welt ist, einstellen lässt. Hier soll eine seriöse bürgerliche Qualitätszeitung vom Wettbewerb verschwinden, während die "Presse" bürgerlich gesinnte Journalisten durch linksgesinnte ("Falter"-)
Journalistinnen ersetzt.

Dr. Ewald Maurer,

per E-Mail

Ein Schlag gegen
zwei Qualitätsmedien

Wir erleben dieser Tage zwei Regierungsentscheidungen gegen die Kultur. Die eine liegt in der Einstellung der "Wiener Zeitung" als Printmedium und ihrer finanziellen Schlechterstellung. Die Zweite betrifft das Beschneiden des Kultursenders Ö1. Beide Maßnahmen treffen Medien, die eine fast unglaubliche Qualität liefern.

Die "Wiener Zeitung" ist die einzige Qualitätszeitung Österreichs, die keine explizite Ausrichtung hat. Hier kommen alle zu Wort. In den Nachrichten ist man an Objektivität interessiert, bei deren Interpretationen stehen die abendländische Aufklärung und der Humanismus Pate.

Ö1 ist ein Wundersender für Kulturinteressierte. Die Dichte an Qualität ist einzigartig: die besten Nachrichten, wunderbare Portale für E-Musik, Jazz und Weltmusik, Literatur in Form von Hörspielen, Lesungen, Diskussionen - und Informationen zum letzten Stand in allen Fragen der Wissenschaft und Kultur.

Meiner Ansicht nach steht hinter den Entscheidungen nicht nur die österreichische Liebe zum Mittelmaß, sondern auch die Ansicht, dass nichts Staatliches gut sein darf. Da beide Medien keine wirkliche Konkurrenz zu den Marktführern darstellen, kann man kaum Konkurrenzgründe ins Treffen führen. Dass aber Aufklärung, Menschenrechte und Integrität immer weniger Anziehungskraft ausstrahlen, schmerzt.

Thomas Fernbach,

per E-Mail

Wo bleibt der Aufschrei
der übrigen Zeitungen?

Wenn der eigene Geschäftsführer der "Wiener Zeitung" die Einstellung als Tagblatt eine gute Lösung und einen wesentlichen Beitrag für den Medienstandort Österreich finden muss, erinnert das an unsägliche Zeiten. Die Grüne Eva Blimlinger hätte es verhindern können, sie tat es aber nicht.

Es ist eine Kulturschande ersten Ranges! Wo bleiben die Aufschreie von Journalistenkollegen und Herausgebern? Alle mucksmäuschenstill. Es will sich offenkundig niemand den Mund verbrennen, sonst gibt’s eventuell weniger oder kein Geld und Inserate aus dem Regierungsviertel. Außer von Armin Thurnher, der auch die Eingriffe in Ö1 kritisch analysiert, finden sich keine Stellungnahmen oder Proteste. Enttäuschend!

Em. RA Dr. Wolfgang Rainer,

3430 Kritzendorfl

Die Grünen machen
sich mitschuldig

Liebe Grüne, Ihr habt, zähneknirschend, aber doch, die Härten der türkis/schwarzen Asylpolitik mitgetragen, während Eure Leistungen und Erfolge im Umwelt- und Sozialbereich kaum über "Ohne uns wäre es noch viel schlimmer" hinausgehen. Der Koalitionspartner ist eben mächtig.

Aber dass Ihr jetzt bei der türkis/schwarzen Medienpolitik mitmacht - bei Ö1, bei FM4, bei der "blauen Seite" des ORF und, das Schlimmste von allem, bei der geplanten Zerstörung der "Wiener Zeitung" -, ohne Not, ohne jeden Widerstand, ohne Sinn für die Bedeutung von Medien für die Demokratie - dass Ihr Euch an diesen konzertierten Angriffen auf Kultur und Information beteiligt, das ist nicht mehr versteh- oder entschuldbar.

Die "Wiener Zeitung", die beste Zeitung des an guten Zeitungen wahrlich armen Landes, als redaktionell unabhängige Tageszeitung einzustellen und aktiv alle Möglichkeiten ihres Weiterbestehens zu verhindern, das ist nur noch unfassbar.

Robert Schächter,

1220 Wien