Ein wertvolles Kulturgut
mit guten Markchancen

Die österreichische Regierung betreibt Kindesweglegung auf Raten: zehn Monatsausgaben der "Wiener Zeitung" und ein Online-Auftritt. Ein geplanter Tod eines Qualitätsblattes. Die "Wiener Zeitung" hätte als älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt durchaus als österreichisches Kulturgut eine Existenzberechtigung. Es gibt ohnehin nur noch wenige Tageszeitungen in Österreich.

Doch ÖVP und Grüne hatten keine neuen Finanzierungsmodelle überlegt. In Österreich hätte eine Zeitung mit qualitätsvoller Berichterstattung und Debattenseiten prominenter Autoren, Politiker und Wissenschafter durchaus eine Marktchance. Man denke nur an unseren Physik-Nobelpreisträger Anton Zeilinger: Leute wie er, etwa Mitglieder der Akademie der Wissenschaften, könnten dort Platz für Berichte und Kommentare und auch Leserinnen und Leser finden.

Otmar Lahodynsky,
Ehrenpräsident der Association
of European Journalists (AEJ)

Kein Verständnis für den
Wert der "Wiener Zeitung"

Die Selbstdefinition Österreichs als Kulturnation hat Tradition und wird auch im Ausland anerkannt und geschätzt. Dazu im Widerspruch stellen sich die Einsparungspläne für Formate in Ö1 wie die "literarische Soiree", über Jahrzehnte bewährte Musiksendungen wie die "Jazznacht" und "Zeitton" dar - also ein kultureller Ausverkauf von beliebten Sendungen. Die stärkste Antithese, denke ich, ist die geplante Einstellung der "Wiener Zeitung".

Bezeichnend war für mich die vom Kanzler getroffene erratische Entscheidung, gerade der schon angeschlagenen und völlig überlasteten Ministerin Susanne Raab die Agenda der Medien anzuvertrauen, und diese wird in die Geschichte Österreichs zumindest damit eingehen, dass sie ein mehrere Jahrhunderte altes Kulturgut einem Verfall preisgibt, da die bisher publizierte Planung für die "Wiener Zeitung" ein bizarres Fiasko darstellt. Das vorgesehene Projekt ist nicht praktikabel, und es fehlt mir jede zukunftsgerechte Innovation.

Die älteste Zeitung der Welt hat seit ihrer Gründung beispielsweise die absolutistische Zensur von Kaiser Karl VI. überlebt und den absurden Schikanen eines Fürst Metternich erfolgreich Widerstand geleistet. Die Qualität der "Wiener Zeitung" ist unbestritten und ausgewogen, wird von einem kleinen Team mit herausragenden Redakteuren gestaltet, und trotz des Wettbewerbsverhältnisses wird die Entscheidung der Koalitionsregierung von den anderen Qualitätsmedien heftig kritisiert.

Signifikant für die Schwäche unserer aktuellen Regierung ist bereits der Widerspruch im Koalitionsvertrag zu sehen, weil die "Wiener Zeitung" einerseits "erhalten bleiben", sie aber andererseits "in Papierform abgeschafft" werden soll.

Ich hätte mir erwartet, dass das Kunst- und Kulturministerium diesem Treiben Einhalt gebietet, aber da unser Kultur- und Kunstminister gleichzeitig auch für Sport und öffentlichen Dienst zuständig ist, ist er zumindest überfordert. Dazu kommt, dass seine Affinität zur Kultur und Kunst offenkundig nur als suboptimal anzusehen ist.

Die Problematik wurde bei den damaligen Koalitionsverhandlungen erkannt, und deshalb wurde noch ein Kulturstaatssekretariat geschaffen, besetzt von einer bisher biederen Beamtin, die allerdings das Portefeuille als Politikerin mit Durchschlagskraft und Charisma implementieren sollte. Ich bin überzeugt, dass ein Politiker mit Liebe zur Kunst und Kultur erfolgreich interveniert hätte. Milliarden Euro wurden und werden bei den sattsam bekannten Skandalen vergeudet und fehlen daher für die Aufrechterhaltung des Status "Kulturnation Österreich".

Regelmäßig schrieben und schreiben bekannte Wissenschafter wie Konrad Paul Liessmann und Lisz Hirn in der "Wiener Zeitung", und ich denke, dass das Problem beim stärkeren Verkauf dieser Zeitung darin besteht, dass es ihr bisher gelungen ist, völlig unabhängig von den politischen Parteien zu agieren, und wegen der geringen Auflage war sie für den Werbemarkt uninteressant.

Dr. Nikolaus Lehner,

per E-Mail

Ein Appell an den Bundespräsidenten

Sehr geehrter Herr Van der Bellen, nach Ihrer Wiederwahl für eine weitere Amtsperiode haben Sie das Versprechen abgegeben, öfters, als Sie es bisher getan haben, ins politische Tagesgeschehen in dem Maße einzugreifen, wie es Krisensituationen (politisch und kulturell) erfordern und es der Ihrem Amt zustehende Handlungsspielraum ermöglicht.

Aus aktuellem Anlass - dem ministeriell beschlossenen Aus für die "Wiener Zeitung" - möchte ich mit der dringenden Bitte an Sie herantreten, sich mit allen in Ihrem Amt zur Verfügung stehenden Mitteln für den Fortbestand der "Wiener Zeitung" einzusetzen, der bisher durch Stabilität und Qualitätsjournalismus garantiert war. Ihr Verlust wäre eine ungeheure Kulturschande, die über die Grenzen unseres Landes hinaus unwiederbringlichen Schaden anrichten würde.

Dorothea Nahler,

1130 Wien

Ein Appell an die Bundesregierung

Als jahrzehntelanger Abonnent bin ich über die kaltschnäuzige Einstellung der ältesten Tageszeitung der Welt entsetzt. Das ist ja Kulturbanausentum pur! Anscheinend verträgt man in der Regierung kritische Berichterstattung nicht mehr. Aber das war ja das Einmalige an der "Wiener Zeitung": Sie schrieb auch Berichte, über welche sich der Boulevard aus Angst vor der Kürzung seiner Inserate nicht darüber traute.

Man muss sich einmal vorstellen: Diese Zeitung hat in den 320 Jahren ihres Bestehens alles Mögliche überstanden, Kriege, Katastrophen, die Zensur Metternichs, die Nazis und vieles mehr. Und jetzt will man Schluss machen? Um nichts anders handelt es sich.

Deshalb mein Appell an die Verantwortlichen in unserer Regierung: Überdenken Sie bitte diesen Wahnsinn nochmals! Diese Zeitung ist ein Aushängeschild der Republik! Ein jahrhundertealtes Kulturgut Österreichs, ja der ganzen Welt! So etwas kann man doch nicht einfach vernichten.

Walter Papst,

1040 Wien

Einzigartig unter den österreichischen Medien

Über die vorgesehene Einstellung der "Wiener Zeitung" als Printmedium war ich entsetzt. Ich lese sie seit mehr als 40 Jahren. Welche österreichische Zeitung hat eine derartige Vielfalt auf solch hohem stilistischem Niveau zu bieten? Keine. Besonders gefreut haben mich immer die zahlreichen Beiträge über Literatur, Musik, Philosophie und Geschichte. Für Regierung habe ich nur eine Wertung: tiefste Verachtung.

Dr. Gerhard Eberstallner,

1030 Wien

Eine Qualitätszeitung
in Zeiten von Fake News

Ich habe die "Wiener Zeitung" seit mehr als 50 (!) Jahren abonniert. Während der gesamten Zeit habe ich die objektive, genau recherchierte Berichterstattung ebenso geschätzt wie die Behandlung vieler Themenkreise. Besonders die "Zeitreisen" mit ihrer intelligenten Ausgestaltung zusammen mit den Lesern habe ich genossen. Vergleichbares konnte ich in Österreich nicht finden.

Die nun von der Regierung geradezu kaltschnäuzig angekündigte Einstellung der täglichen Ausgabe hat mich erschreckt. Jeder weiß, dass eine Papierausgabe mit einem Online-Medium nicht vergleichbar ist, weder beim Inhalt noch im Handling. Der Weg zur totalen Einstellung ist vorgezeichnet!

Ich teile daher die Ansicht vieler Leserbriefe, dass eine Einstellung eines Qualitätsmediums in Zeiten, in denen Fake News überhandnehmen, eine Schande für eine Kulturnation und eine demokratische Gesellschaft sind. Im Vergleich zu den in den vergangenen Monaten nach dem Gießkannenprinzip verteilten Milliarden (und den Ausgaben für Eigenwerbung der Regierung!) sollten die Kosten eines täglichen Informationsblatts nicht ins Gewicht fallen.

Dr. Friedrich Fleischmann,

1160 Wien

Eine Gratiszeitung
mit höchstem Niveau

Groß ist das Lamento über das langsame Sterben der "Wiener Zeitung". Dabei gäbe es eine sehr logische Lösung: Die "Wiener Zeitung" ist die Zeitung der Republik Österreich, und es müssten daher sämtliche Verlautbarungen, Informationen und "Werbeeinschaltungen" der Republik ausschließlich in der "Wiener Zeitung" erfolgen. Dazu wäre es erforderlich, sie in eine Gratiszeitung mit großer Auflage zu verändern.

Mit dem Geld, das die Regierung in andere Gratiszeitungen steckt, könnte die "Wiener Zeitung" ihren Qualitätsjournalismus erhalten, und mit der großen Auflage einer Gratiszeitung könnte die Regierung zugleich einen Beitrag zur Hebung des Bildungsniveaus dieses Landes leisten.

Mag. Franz Paulus,

1140 Wien

Hochgeschätzt
seit vielen Jahren

Ich bin ein überzeugter Befürworter der Erhaltung der "Wiener Zeitung". In meinem Haus wird sie seit vielen Jahren gelesen, vorher abonniert von meinen Vorfahren, anschließend von mir selbst. Für mich waren und sind viele Artikel besonders geschätzt. Kaum, dass ich an einem etwas auszusetzen hatte, und wenn, dann war es eben eine andere Meinung.

Die in der Druckausgabe verzögerte Aktualität wird von der Internet-Ausgabe ausgeglichen, die aufschlussreichen Hintergrundinformationen sind dafür umso wertvoller. Umfangreich und weit gestreut sind die Sonderartikel, die man kaum woanders findet.

Erwin Katholitzky,

3441 Sieghartskirchen

Zum Artikel von Walter
Hämmerle, 8. Oktober

Kein Kandidat über
den Parteien

Der hervorragende Artikel enthält zwei Unrichtigkeiten:

1. Rudolf Kirchschläger war 1974 kein "überparteilicher Kandidat", sondern laut Bruno Kreisky ein "nicht parteigebundener SPÖ-Kandidat" (er stand einem ÖVP-Gegenkandidaten, Alois Lugger, gegenüber).

2) Kirchschläger wurde 1980 offiziell nicht von der ÖVP "unterstützt", sondern trat wiederum als von der SPÖ nominierter Kandidat (ohne ÖVP-Konkurrenten) an. ÖVP-Obmann Alois Mock hatte sich um eine gemeinsame Nominierung für die Wiederkandidatur bemüht, doch kam ihm Kreisky zuvor (worüber sich Kirchschläger - privaten Erinnerungen seines Pressechefs Kurt Skalnik zufolge - sehr geärgert haben soll).

Lic.phil. Emanuel-Josef
Ringhoffer, 1040 Wien

Ein Wahlkampf
als Eigenwerbung?

Österreich hat sein Staatsoberhaupt wiedergewählt, der würdelose Wahlkampf hat ein Ende. Alexander Van der Bellen hat seine Konkurrenten ausgestochen und wird die österreichische Besonnenheit hochhalten. Personen, die dem Ansehen Österreichs schaden könnten, wird er auch weiterhin nicht angeloben und mehr als Verwalter und nicht als Erneuerer auftreten. Seine Mitbewerber aus der politischen Fliegengewichtsklasse freuen sich über Eigenwerbung, die sie gratis bekommen haben. In Zukunft darf man es niemandem mehr so leicht machen, den eigenen Bekanntheitsgrad mit einem "Alibi-Antreten" zur Präsidentschaftswahl zu steigern. Das hohe Amt und Österreich werden so zum Gespött.

Egon Hofer,

9063 Maria Saal