Eine medienpolitische Bankrotterklärung

Die älteste Zeitung Europas hat in ihrem 319-jährigen Bestehen schon vieles mitgemacht, wie von Andrea Reisner in einem exzellenten Artikel ausführlich beschrieben wurde. Markenzeichen der "Wiener Zeitung" sind die fundierte politische Berichterstattung, die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Fehlentwicklungen (Cancel Culture) sowie feinsinnig-geistvolle Kolumnen wie "Kunstsinnig", "Liessmann" und "Sedlaczek am Mittwoch". Nicht vergessen werden dürfen auch die kulturgeschichtlich hochinteressanten "Zeitreisen".

Eine derartige Qualitätszeitung mit jahrhundertelanger Tradition einfach einzustellen, ist nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine medienpolitische Bankrotterklärung und ein Schlag ins Gesicht einer Leserschaft, die nunmehr heimatlos wird. Ich hoffe sehr, dass die Verantwortlichen ihre Entscheidung gründlich überdenken und zu einer guten Lösung kommen, damit ich, nebst allen anderen Lesern, die "Wiener Zeitung" auch weiterhin in meinen Händen halten kann und sich die Devise "Totgesagte leben länger" erneut bewahrheitet.

Mag. Thomas Krug,

1010 Wien

Ein breites Spektrum
an wichtigen Themen

Unvorstellbar ist für mich, dass die Druckversion der "Wiener Zeitung" im nächsten Jahr eingestellt werden soll. Gemütlich, mit Kaffee und Hund, las ich in meinem Lesestuhl am Samstag die aktuelle Wochenendeausgabe vom 14./
15. Oktober und war wie so oft begeistert von den Beiträgen über Literatur, Musik und Kunst, China und vieles mehr. Herzlichen Dank und Gratulation an die Redaktion und alle Verfasser dieser Artikel.

Vor Bildschirmen verbringe ich ohnehin viel Zeit, die Online-Version werde ich daher kaum nutzen wollen. Gleichgesinnte, bitte erhebt eure Stimme und nutzt auch die Möglichkeit, die Online-Petition "Aufruf zur Rettung der Wiener Zeitung - unverzichtbar" zu unterzeichnen!

Dr. Helmut R. Egger,

2340 Mödling

Ein Beitrag zum
Weltkulturerbe

Als langjährige Abonnenten der "Wiener Zeitung" können wir uns den Tagesanfang ohne deren Lektüre kaum noch vorstellen. Die einzige österreichische Tageszeitung, die es in der Qualität mit der "Neuen Zürcher Zeitung" aufnehmen kann, muss bestehen bleiben. Die Bundesregierung wäre besser beraten, die mehr als 300 Jahre alte "Wiener Zeitung" bei der Unesco zum Weltkulturerbe anzumelden, statt sie abzumurksen. Wenn Kultur nur noch als Kostenfaktor betrachtet wird, dann wird demnächst wohl auch noch der Abriss der Hofburg oder deren Umbau in Appartements erwogen.

Dr. Georgia Alince,

Mag. Werner Alince,

2103 Langenzersdorf

Ein juristischer Einwand
gegen die Einstellung

Zu den verschiedenen Argumenten hinsichtlich der beabsichtigten Änderungen beziehungsweise Einstellung der "Wiener Zeitung" möchte ich noch eine grundsätzliche Frage aufwerfen, die offenbar von der Bundesregierung - bewusst oder unbewusste - negiert wurde. Vorausschicken möchte ich, dass ich die "Wiener Zeitung" seit 61 Jahren tagtäglich lese. Für mich liegt ihr Wert in der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Aktuellen, im Gegensatz zur Sensationsgier anderer Blätter.

319 Jahre Bestand und im Eigentum des Bundes mit einem weit über das Tagesgeschehen hinausgehenden geistigen Anspruch - da drängt sich die Frage auf, ob nicht die "Wiener Zeitung" im Sinn des Denkmalschutzgesetzes als Schriftgut von geschichtlicher oder kultureller Bedeutung für das Verständnis der Geschichte und Gegenwart in politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht sowie Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung (§ 25 1. Satz DMSG) unter den Schutz allgemeiner und besonderer Rechte fällt.

Dazu der Kommentar eines namhaften Autors: "Bei Archivalien, die im Eigentum von den in
§ 2 Abs. 1 DMSG genannten Personen (insbes. Bund, Länder und Gemeinden) stehen, wird das öffentliche Interesse an ihrer Erhaltung kraft Gesetzes vermutet (vorläufige Unterschutzstellung kraft gesetzlicher Vermutung)."

Ich bin daher der Meinung, dass eine Destruktion der "Wiener Zeitung" einen abusus legis darstellt. Zuständig ist übrigens nach dem Bundesarchivgesetz der Bundeskanzler.

Hon.Prof. Dr. Heinrich Geuder,

1180 Wien

Die gedruckte
Tageszeitung stirbt

Ich bin sehr traurig und erschüttert, dass man eine Zeitung wie die "Wiener Zeitung" abschaffen will. Ich lese sie täglich mit Vergnügen und freue mich auf immer neue Beilagen und Artikel.

Da ich weder Internet noch ein neuartiges Telefon habe, stirbt für Menschen wie mich die Zeitung total. Schade, dass man "da oben" nicht in der Lage ist zu denken.

Rosemarie Uiblein,

2381 Laab im Walde

Die treuesten Leser
lesen auf Papier

Als begeisterte Leserin dieses fast 320-jährigen Blattes bedauere ich die Entscheidung der Regierung sehr. Für alles Mögliche wird Geld ausgegeben, aber ein derart hohes journalistisches Gut wirft man weg. Ich gehöre zum Leserkreis, der beim Frühstück die Zeitung lesen möchte, um immer gut und neutral informiert zu sein. Auch die "Zeitreisen", viele andere Rubriken und die verschiedenen Gastbeiträge sind sehr lesenswert. Ganz egal, welche Fraktion, jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern. Somit kann sich jeder Leser ein Bild von der Lage im In- und Ausland machen.

Es gibt sicher Leser, die ihre Zeitung jetzt schon online lesen, aber denen, die sie in der Hand halten möchten, diese Möglichkeit wegzunehmen, ist nicht richtig. Das sind vermutlich jene Leser, die dem Blatt seit Jahrzehnten die Treue halten. Dass man diese Tradition zerstört, ist unfassbar. Zumal die Medienministerin gesagt hat, dass sie keine "Wiener Zeitung"-Leserin ist.

Brigitte Blaim,

1170 Wien