Präsidenten, Minister, Landeshauptleute, Parlamentarier und Intellektuelle: Rund um den ehemaligen Innenminister Karl Schlögl hat sich ein Personenkomitee zur Rettung der "Wiener Zeitung" als gedruckte Tageszeitung gebildet. Die Bundesregierung hat ja angekündigt, die "Wiener Zeitung" in der bisherigen Form abzuschaffen und zu einem Online-Portal mit Monatsmagazin umzubauen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf ging am Dienstag in Begutachtung, muss allerdings erst im National- und Bundesrat beschlossen werden.

Die prominenten Unterzeichner, vom ehemaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer abwärts, appellieren nun an die Bundesregierung, alle Pläne zur Einstellung der Tagesausgabe der "Wiener Zeitung" zurückzunehmen. Stattdessen fordern sie, dass "die ‚Wiener Zeitung‘, die als älteste noch bestehende Zeitung der Welt ein Kulturgut erster Güte darstellt", erhalten bleibt.

"Mit ihrer unabhängigen Redaktion hat die Zeitung im Besitz der Republik Österreich Maßstäbe für einen in der Demokratie unverzichtbaren Qualitätsjournalismus in einer zunehmend inhaltlich verarmenden Medienlandschaft gesetzt", heißt es in dem Text. Dabei gehe es nicht um die altmodische Erhaltung von Traditionen. Mit Initiativen zur Digitalisierung, einem E-Paper und einem Newsroom habe die Redaktion selbst mit ihrem Qualitätsjournalismus längst Weichenstellungen ins moderne Medienzeitalter vorgenommen und gelebt. "Im Sinne von Qualität, demokratischer Transparenz und Meinungsvielfalt gilt es, sich nochmals der ideellen Aspekte zu besinnen und diese zu betonen - umso mehr, da es auch auf kommerzieller Ebene positive Ansätze für eine erfolgreiche Weiterführung gibt."

18 Monate Moratorium

Daher appellieren die Unterzeichner an die Bundesregierung, folgendes Moratorium umzusetzen: "Die ‚Wiener Zeitung‘ wird in bisheriger Weise in einer Übergangszeit von 18 Monaten weitergeführt. In diesem Zeitraum suchen Redaktion (die künftig weitgehend frei von der Wiener Zeitung GmbH und ihrer ‚Mediengruppe‘ agieren können soll) und ihre gewählten Vertreter gemeinsam mit und unter Schirmherrschaft dieses Personenkomitees nach Lösungen für eine Fortführung dieses weltweit einzigartigen Zeitungsprojektes."

Die Regierung möge dazu in einen konstruktiven Dialog über alle ernsthaften Vorschläge eintreten, fordern die Unterzeichner. Es gehe darum, mit einem vergleichsweise geringen Mitteleinsatz realistische Möglichkeiten zur Rettung eines wertvollen Kulturgutes zu suchen. Sollte der Eigentümer Republik diese Rolle nicht selbst wahrnehmen können, mögen andere Initiativen zur Rettung der Zeitung eine Möglichkeit dafür erhalten.

Unterzeichnet ist der Appell von Ex-Minister Rudolf Anschober, der Zweiten Nationalratspräsidentin Doris Bures, Ex-Rechnungshof-Präsident Franz Fiedler, Bundespräsident a.D. Heinz Fischer, Ex-EU-Kommissar Franz Fischler, Ex-Staatsanwalt Walter Geyer, Ex-OGH-Päsidentin Irmgard Griss, Ex-Vizekanzler Herbert Haupt, Wiens Altbürgermeister Michael Häupl, dem EU-Parlamentsvizepräsidenten Othmar Karas, ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian, dem Journalisten Johannes Kunz, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, Ex-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, Ex-Minister Heinrich Neisser, Niederösterreichs Altlandeshauptmann Erwin Pröll, Ex-Ministerin Maria Rauch-Kallat, Ex-Minister Karl Schlögl, Ex-Nationalratspräsidentin Heide Schmidt, Ex-Minister Rudolf Streicher und Ex-Kanzler Franz Vranitzky.