Mitte Dezember soll das Produktentwicklungsteam, das sich mit der Zukunft der "Wiener Zeitung" auseinandersetzen wird, seine Arbeit aufnehmen. "Ich rechne im Frühjahr mit ersten Ergebnissen, wohin die Reise geht", sagte "Wiener Zeitung"-Geschäftsführer Martin Fleischhacker im Gespräch mit Journalisten. "Der Fokus ist digital, aber alles andere ist offen." Print werde es weiter geben, aber nicht mehr täglich.

Zehn bis zwölf Personen, die zu einem Teil, aber nicht ausschließlich, aus der Redaktion kommen, werden in dem Team, für das sich bisher rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses gemeldet haben, mitarbeiten. In den Erläuterungen zum Gesetzesentwurf, der sich derzeit in Begutachtung befindet, heißt es, die "Wiener Zeitung" solle als "Online-Medium und gegebenenfalls nach Maßgabe der hiefür zur Verfügung stehenden Mittel auch in Printform (10 mal jährlich)" herausgegeben werden. Das sei auch realistisch, denn das Projekt müsse mit den vorgegebenen Mitteln stemmbar sein. Eine Tageszeitung sei jedenfalls nicht mehr umsetzbar. "Mir ist wichtig, dass ich möglichst viele Arbeitsplätze erhalten kann, für diese Redaktion, aber auch für andere Bereiche im Haus", betonte Fleischhacker.

"Content-Agentur keine Mediaagentur"

Über die vom Medienhaus betriebene Journalistenausbildung, die unter dem Namen "Media Hub Austria" ausgebaut werden soll, sagte Fleischhacker: "Wir sehen uns nicht in Konkurrenz zu anderen Aus-und Weiterbildungsstätten." Wichtigstes Abgrenzungsmerkmal sei, dass die Trainees, die alle Geschäftsbereiche in verschiedenen Medienhäusern durchlaufen, für die Dauer der Ausbildung nach Journalistenkollektivvertrag angestellt werden.

Andere Geschäftsmodelle stehen laut Fleischhacker nicht zur Diskussion, wie der "Standard" schreibt. Kaufinteressenten und Ambitionen der Redaktion auf Fortführung würden nicht weiterverfolgt, berichtet der Standard von dem Hintergrundgespräch. Fleischhacker habe erklärt, die Gespräche hätten sich nach seinem Kenntnisstand auch nicht weiter konkretisiert. Die Redaktion der "Wiener Zeitung" war bei dem Termin nicht vertreten.

Auch die Content-Agentur Austria wird im Gesetzesentwurf zur "Wiener Zeitung" genannt. Dabei handle es sich um eine Redaktion, die nichts mit der Tageszeitung zu tun habe. "Es gibt keine Verbindung zu anderen Bereichen im Haus. Die Bereiche Redaktion und Content-Agentur sind bei uns klar getrennt", versicherte Fleischhacker. Als eine der Aufgaben der Content-Agentur werden im Gesetzesentwurf Mediaagenturleistungen erwähnt. In den Erläuterungen ist an zwei Stellen vermerkt, dass die Wiener Zeitung GmbH über die Content-Agentur "langfristig auch Leistungen als Media-Agentur" übernehmen soll. Dazu Fleischhacker: "Für meine Zeit als Geschäftsführer kann ich ausschließen, dass wir eine Media-Agentur sind oder zu einer Media-Agentur werden."