Mehr als 216 Einrichtungen aus Kunst, Kultur, Publizistik, Bildung, Wissenschaft und Politik fordern in einem Aufruf den Weiterbestand der "Wiener Zeitung" als gedruckte Tageszeitung. Die Initiative des Literaturhauses Wien ist die bislang breiteste Allianz für den Weiterbestand der traditionsreichen österreichischen Tageszeitung, die seit dem Jahr 1703 besteht und nun auf Geheiß zumindest von maßgeblichen Teilen der schwarz-grünen Bundesregierung eingestellt werden soll. Denn die Zeitung und ihr Verlagsapparat befinden sich im Eigentum der Republik und gehört somit den Österreicherinnen und Österreichern - was ihre Einstellung zu einer politischen Frage macht.

Schon seit dem Bekanntwerden der Pläne der Regierung, die die Zeitung einstellen und durch ein noch zu definierendes Online- und monatliches Printprodukt ersetzen will, gab es heftigen Widerstand gegen die Pläne. Hunderte namhafte Unterstützer aus Kultur, Politik, Universitäten und Hochschulen, Architektur und Medienkultur sowie sämtliche österreichischen Religionsgemeinschaften forderten den Weiterbestand, allen voran Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und Kardinal Christoph Schönborn. Tausende Leser zeigten sich entsetzt und kontaktierten die Politik, um die Pläne zu verhindern. Bislang mit wenig Erfolg, die zuständigen Politikerinnen, Ministerin Susanne Raab (ÖVP) und Eva Blimlinger (Grüne), wollen auch entgegen weitreichenden Protesten aus den eigenen Reihen zumindest vorerst an den Plänen festhalten.

Der nun bekanntgewordene Vorstoß des Literaturhauses Wien ist die bislang breiteste Allianz für die Unterstützung der "Wiener Zeitung" als Printzeitung. Er wird von so gut wie allen Organisationen unterstützt, die sich für Kultur, Kunst und Wissenschaft einsetzen. In dem Aufruf heißt es: "Die Wiener Zeitung ist die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt. Sie hat Maria Theresia erlebt und Mozart, die Glanzzeiten der Donaumonarchie und ihren Untergang, die Zerstörung der Republik und ihre Wiedererrichtung. Sie steht für Objektivität, Seriosität, Journalismus und Feuilletons auf höchstem Niveau." Sie sei ihrer Redaktionslinie von ihrer Gründung an treu geblieben, "alles Denkwürdige aus dem eigenen Land, anderen Ländern und der ganzen Welt ungeschönt zu berichten". Ihre Archiv-Bestände gehören seit 2016 zum Unesco-"Gedächtnis der Menschheit".

"Zeitung gehört uns allen"

Die Unterzeichnerinen und Unterzeichner betonen, dass die Wiener Zeitung "uns allen gehört". "Nun hat die österreichische Bundesregierung einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der ihre Einstellung vorsieht. Wir treten mit allem Nachdruck für die Zurücknahme dieses Gesetzesentwurfs und die dauerhafte Absicherung des Weiterbestands der Wiener Zeitung ein. Die Wiener Zeitung ist nicht einfach nur irgendeine Zeitung, sie ist eine weltweit einzigartige kulturelle Einrichtung", so der Aufruf auf der Webseite des Literaturhauses Wien, der dort weiterhin unterzeichnet werden kann.

Unter den Organisationen finden sich die Literaturhäuser Wien, Graz und Salzburg die Grazer Autorinnen Autorenversammlung, die IG Autorinnen Autoren, die Gesellschaft für Kommunikationswissenschaft, der österreichischer P.E.N.-Club, zahlreiche Theaterhäuser, der Verband Filmregie Österreich sowie mehr als 1.200 Einzelpersonen wie Alfred Dorfer, Ruth Beckermann oder Robert Schindel.

Zuvor hatte sich die "Allianz gegen Korruption" an politische Entscheidungsträger wie den Bundeskanzler, Vizekanzler, die zuständigen Minister und alle Parlamentsparteien gewandt. In einem Appell fordert man dazu auf, "endlich nachhaltige Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung zu ergreifen, um Österreich langfristig als stabile Demokratie zu erhalten". Zu den Forderungen zählt "ein glaubwürdiges Informationsfreiheitspaket, die Schaffung einer Bundesstaatsanwaltschaft, die nachhaltige Entpolitisierung des ORF, die Schließung von Lücken im Korruptionsstrafrecht sowie der Erhalt des Kulturerbes ,Wiener Zeitung‘".