• vom 28.10.2014, 21:29 Uhr

Kindergarten

Update: 29.10.2014, 19:53 Uhr

Gastkommentar

Ja, die Ausbildung von KindergartenpädagogInnen gehört an die Universität




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Von Beatrix Aigner, Roland Benedikter und Jutta Tappeiner Ebner

  • Die Frage der universitären Ausbildung lautet nicht ob, sondern wie.

Das Pendant der Debatte um die Akademisierung der Ausbildung von KindergartenpädagogInnen wird dieser Tage in Südtirol geführt. Die Universität Bozen bildet an der Bildungswissenschaftlichen Fakultät in Brixen KindergartenpädagogInnen und VolksschullehrerInnen aus. Das universitäre Ausbildungssystem gilt als Vorzeigemodell im europäischen Primarbereich und erfüllt als mitteleuropäische Bildungsstätte eine wichtige Brückenfunktion zwischen dem deutschen, österreichischen und italienischen Kulturraum. Die universitäre Ausbildung ist als Wertzuwachs der frühkindlichen Bildung anzusehen. Universität und höchste Bildungsqualität sind nicht zu trennen. Die Frage lautet daher nicht ob die Ausbildung der KindergartenpädagogInnen an der Universität erfolgen soll, sondern wie.

Die akademische Ausbildung genügt den Anforderungen nicht

Information

Die "Feldstudie 2014: Umfrage zur Praxisfähigkeit der universitären Ausbildung von Kindergärtnerinnen an der Bildungswissenschaftlichen Fakultät der Freien Universität Bozen" wurde von Beatrix Aigner und Jutta Tappeiner Ebner erstellt, mit wissenschaftlicher Begleitung von Roland Benedikter (Oktober 2014). Im Zuge der Studie wurden 156 pädagogische Fachkräfte in der Hälfte der acht Südtiroler Sprengeln (Neumarkt, Bozen, Lana und Meran) mittels Fragebögen befragt.  Aigner und Tappeiner sind Direktorinnen der Kindergartensprengel Neumarkt und Lana, Aigner ist auch Vertragsprofessorin an der Bildungswissenschaftlichen Fakultät der Freien Uni Bozen, Mitautorin der geltenden Rahmenrichtlinien des Südtiroler Kindergartens und war Gründungsmitglied der Freien Universität Bozen. Benedikter forscht am Zentrum für globale und internationale Studien der Universität von Kalifornien in Santa Barbara und ist Vollmitglied des "Club of Rome".


Diese Frage stellen derzeit die Führungskräfte und Fachkräfte des Südtiroler Kindergartens. Die soeben veröffentlichte Studie, die 2013 und 2014 bei 156 bereits im Beruf stehenden KindergartenpädagogInnen durchgeführt wurde, hat eines gezeigt: Die 1997 eingeführte akademische Ausbildung an der Bildungswissenschaftlichen Fakultät der Freien Universität Bozen genügt noch nicht den Anforderungen der Praxis und muss mit Blick auf eine neue Lernkultur verbessert werden.

Die Kernaussagen der Befragten sind eher ernüchternd: Demnach seien Theorie und Praxis im universitären Lehrsystem  weitgehend unverbunden, die Ausrichtung der Lehrinhalte auf die Schule und die Bindung der Lehrbeauftragung an Schulexperten tragt kaum zur Reflexionskompetenz der KindergartenpädagogInnen bei. Den DozentInnen aus dem Ausland sei die Bildungslandschaft Südtirols und damit die spezifische didaktische Struktur von Kindergarten und Schule in einem multiethnischen Gebiet weitgehend fremd, und sie erhalten dazu auch keine Einführung oder Hilfestellung. Feldkompetenz als Qualitätsmerkmal werde bei der Lehre nicht berücksichtigt, Praxis und Theorie nicht vernetzt. Obwohl die akademische Ausbildung den Auftrag hat, die Studierenden auf den Beruf vorzubereiten, habe die Universität Bozen den Bedarf der Praxis nie erhoben und operiere losgelöst von Kindergarten und Schule. "Praxisfähigkeit" sei bei den Akademikern vordergründig auf Fingerspiele, Lieder, Tagesablauf, formale Aspekte der Bildung bezogen und wird weniger mit Reflexionskompetenz und eigenwirksamem Handeln in Verbindung gebracht – erbringt also gerade das nicht, was die Akademisierung an Qualitätssteigerung erbringen sollte.

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Dokument erstellt am 2014-10-28 21:34:14
Letzte Änderung am 2014-10-29 19:53:54


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