• vom 20.12.2018, 16:21 Uhr

Schule

Update: 20.12.2018, 19:20 Uhr

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Kein "Wegschauen" bei Schulkonflikten




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  • Eine Lehrerin und "linke Rote" soll als Ombudsfrau im Bildungsressort Probleme lösen.

Ombudsfrau für Schulkonflikte. Die Lehrerin Susanne Wiesinger wurde von Minister Heinz Faßmann bestellt.

Ombudsfrau für Schulkonflikte. Die Lehrerin Susanne Wiesinger wurde von Minister Heinz Faßmann bestellt.© apa/Helmut Fohringer Ombudsfrau für Schulkonflikte. Die Lehrerin Susanne Wiesinger wurde von Minister Heinz Faßmann bestellt.© apa/Helmut Fohringer

Wien. (ett) Mit ihrem Buch "Kulturkampf im Klassenzimmer" hat sie aufgerüttelt. Als Lehrerin an einer Neuen Mittelschule in Wien-Favoriten schildert sie darin, wie sehr der radikale Islam muslimische Schüler beeinflusst und wie Vorgesetzte geschwiegen haben. Jetzt soll die Wiener Pädagogin und Buchautorin Susanne Wiesinger in ihrer neuen Funktion genau darauf ihr Augenmerk legen: Sie wurde von Bildungsminister Heinz Faßmann als Leiterin der neuen Ombudsstelle für Wertefragen und Kulturkonflikte bestellt.

Ohne Umschweife sagte Wiesinger am Donnerstag bei der Vorstellung mit Faßmann im Bildungsministerium: "Ich bin eine Rote, sogar eine linke Rote, und das werde ich auch bleiben." Ihr sei aber wichtig, als Ombudsfrau "parteiunabhängig" zu arbeiten, sie bleibe ihrer Linie treu. Der Minister hatte schon zuvor versichert, sie werde selbständig und weisungsungebunden arbeiten. Außerdem wird Faßmann im Ministerium 2019 eine eigene Abteilung für Integration einrichten.


"Hat nur die Rechten gestärkt, die haben es angesprochen"
Den Anspruch an ihre künftige Tätigkeit formulierte Wiesinger so: "Wir müssen keine Law-and-Order-Politik machen, aber wir müssen hinschauen. Wegschauen ist genau das Verkehrteste." Denn Probleme und Konflikte in den Schulen müssten offen angesprochen werden. Sie wolle als Leiterin der Ombudsstelle bewusst "hinschauen". Denn: "Wenn man ständig zudeckt, relativiert und sagt, das sind Einzelfälle", werde man die kulturellen Probleme auch nicht lösen.

In ihrem Befund kam auch eine gehörige Portion Kritik an der Politik zum Ausdruck. "Es wurde viel zu lange über dieses Thema geschwiegen." Damit habe man aber ",nur die Rechten gestärkt, denn die haben es angesprochen". Mit ihrem Buch habe sie "Staub aufgewirbelt". Ihr Ziel geht aber darüber hinaus: "Ich bin wirklich an Lösungen interessiert."

Der Bildungsminister räumte ein, soziale und kulturelle Konflikte seien "ab und zu, aber nicht systematisch" diskutiert worden. "Es ist ein fast zwangsläufiger Konflikt in einer Einwanderungsgesellschaft, die pluralistischer geworden ist", stellte er fest. Mit der Einrichtung einer Ombudsstelle möchte der Ressortchef jetzt eine Anlaufstelle schaffen.

Die Entscheidung für Wiesinger als Ombudsfrau begründete er damit, dass sie in ihrer bisherigen Tätigkeit jahrelang Erfahrungen gesammelt hat. Vor allem den Lehrern soll damit der Rücken gestärkt werden. Man wolle versuchen, über Aufklärung diese Konflikte zu lösen. Tiefere Gräben gegenüber Muslimen will er allerdings keinesfalls schaffen. "Diese Maßnahmen sind keine Maßnahmen gegen jemand oder gegen etwas", versicherte Faßmann.

Wiesinger wird als Leiterin der Ombudsstelle vorerst auf eine "Zuhör-Tour" in die Bundesländer reisen, um eine österreichweite Bestandsaufnahme über Schwierigkeiten im Schulalltag zu machen. Lehrer, Direktoren, Eltern und Schüler in allen Schultypen können sich mit Problemen an einzelnen Schulstandorten an Wiesinger wenden. Sie soll Betroffene in allen Konflikten auch beratend unterstützen. In weiterer Folge wird die Ombudsfrau, deren Tätigkeit vorerst zeitlich nicht befristet ist, dem Bildungsressort Vorschläge für Verbesserungen liefern.

Idee für verpflichtende Schulungen der Eltern
Wiesinger hielt mit manchen Überlegungen schon bei ihrer Vorstellung nicht hinter dem Berg. "Erstens einmal brauchen wir genug Lehrer", meinte sie. Auf Nachfrage, ob mehr Stützlehrer für Integration gemeint seien, stellte sie klar, es müssten jene Planstellen, die vorhanden seien, auch tatsächlich besetzt werden. Zur Forderung nach mehr Sozialarbeitern und Psychologen in Schulen, erklärte, sie, diese seien wichtig, sie müssten aber auch die Muttersprache der Eltern der Kinder können, "sonst verpufft das". Man solle aber auch genauer auf die Kinder schauen. "Ein Mädchen, das mit 13 weiß, dass es den Cousin heiraten muss, kann nicht mehr lernen."

Eine Idee sei, ein Netzwerk von "Kulturvermittlern" zu schaffen, um vor allem die Eltern der Schüler stärker einzubeziehen. Eventuell soll es auch verpflichtende Schulungen für Eltern geben. Weiters müssten die Jugendämter besser ausgestattet werden. Diese sollten auch die Familien "begleiten" und nicht nur Gefährdungsmeldungen aufnehmen.

Faßmann hat außerdem eine umfassende Studie in Auftrag gegeben, um endlich eine empirische Grundlage zu bekommen, wie oft es tatsächlich zu Werte- und Kulturkonflikten kommt. Das betrifft etwa die Nicht-Teilnahme am Turnunterricht oder an Klassenfahrten, aber etwa auch die Haltung zum Nahost-Konflikt.




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Dokument erstellt am 2018-12-20 16:31:57
Letzte Änderung am 2018-12-20 19:20:43


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