• vom 01.12.2004, 00:00 Uhr

Schule

Update: 08.04.2005, 16:34 Uhr

Meister der Geschichte der Bildung




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Von Wolfgang Brezinka

  • Erziehungshistoriker aus aller Welt blicken mit einer Mischung von Bewunderung und Neid auf das Werk eines Gelehrten, der am 13. November 2004 sein 80. Lebensjahr vollendete und gestern im Rahmen einer Akademischen Feier an der Universität geehrt wurde: auf die "Geschichte des österreichischen Bildungswesens" von Helmut Engelbrecht.

Es ist zwischen 1982 und 1988 in fünf Bänden erschienen und hat als Leistung eines Einzelnen nicht seinesgleichen. Unter Fachleuten gilt es nach dem Urteil der maßgebenden Zeitschrift "Paedagogica historica" (1991, 285ff.) als "ein Standardwerk von internationalem Rang", das "höchste Kompetenz und Genauigkeit im Detail" mit klarer Darstellung vereint. 1995 ist es noch durch einen schönen und lehrreichen Bildband ergänzt worden, der rund 700 Abbildungen erziehungs- und schulgeschichtlich bedeutsamer Dinge, Vorgänge und Personen von der Römerzeit bis zur Gegenwart enthält und erläutert.


Erziehungshistoriker

Seit die Pädagogik im Jahre 1805 als Lehrfach an den österreichischen Universitäten eingeführt worden ist, hat niemand so viel zur Erforschung und Darstellung der Geschichte unseres Bildungswesens beigetragen wie Engelbrecht. Er hat vor 35 Jahren an der Wiener Universität den Lehrauftrag für dieses Fachgebiet übernommen und ist durch seine breit angelegten Forschungen zum führenden Erziehungshistoriker Österreichs geworden. Er hat die bunte Vielfalt des österreichischen Bildungswesens von den Elementarschulen bis zu den Universitäten, von den Kindergärten, Horten und Heimen bis zur Berufs- und Erwachsenenbildung in allen Phasen seiner Geschichte quellengemäß detailliert und kritisch beschrieben.

Einbettung ins Zeitgeschehen

Dabei ist stets auf deren Einbettung in das politische und kulturelle Zeitgeschehen geachtet worden. So ist ein wesentlicher Beitrag zur österreichischen Kulturgeschichte entstanden, dessen Nutzen für die historisch-vergleichende Bildungsgeschichte Europas auch im Ausland geschätzt wird.

Erstaunlich und bewundernswert ist, dass dieses gewaltige Lebenswerk nicht im Hauptberuf eines Universitätsprofessors der Geschichte oder der Erziehungswissenschaft geschaffen wurde, sondern neben der aufreibenden Arbeit als niederösterreichischer Gymnasiallehrer seit 1948 und als Direktor des Bundesgymnasiums in Krems von 1970 bis 1989. Dank dieser Ämter hat Engelbrecht genaue Kenntnisse des Schulwesens in allen Einzelheiten der gesetzlichen und administrativen Vorschriften wie der Unterrichts- und Verwaltungspraxis gewinnen können, die einem schulfremden Geschichtswissenschafter kaum erreichbar wären.

Studium ab 1945

Helmut Engelbrecht stammt aus Ysper im Bezirk Melk, wo er am 13. November 1924 als Sohn eines Gendarmeriebeamten geboren wurde. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Krems folgten drei Jahre Kriegsdienst in der deutschen Wehrmacht und eine kurze amerikanische Kriegsgefangenschaft. Ab Herbst 1945 hat er an der Wiener Universität Geschichte, Germanistik und Philosophie studiert und schon nach drei Jahren mit dem Lehramtsprüfungszeugnis abgeschlossen. Außerdem erwarb er 1948 auch noch das Doktorat der Philosophie mit Auszeichnung. Seine historische Dissertation behandelte "Die österreichischen Mitarbeiter der Historisch-politischen Blätter zwischen 1867 und dem Jahrhundertende".

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Dokument erstellt am 2004-12-01 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 16:34:00


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