• vom 15.01.2015, 15:50 Uhr

Schule

Update: 20.01.2015, 17:02 Uhr

Deradikalisierung

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Pause in einer Jüdischen Schule in Wien.

Pause in einer Jüdischen Schule in Wien. Pause in einer Jüdischen Schule in Wien.

Die ÖVP hingegen will den Ethikunterricht als Ersatzfach für alle, die sich vom Religionsunterricht abmelden (was dem derzeitigen Schulversuchs-Modell entspricht). Der Theologe Bucher wiederum plädiert für einen gemeinsamen Ethik- und Religionsunterricht für alle: Modelle in der Schweiz hätten gezeigt, diese Begegnung mit anderen würde die eigene religiöse Identität stärken. Er sieht die Kirche als Verhindererin dieses Modells. Doch auch die ÖVP ist dagegen: Religion soll als eigenständiges Fach beibehalten werden, alles andere wäre "nicht klug", so ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank.

Dass Ethik seit 18 Jahren als Schulversuch geführt wird, bezeichnet Walser als "illegal" - doch Schulversuche haben hierzulande kein gesetzliches Ablaufdatum. "In Österreich ist nichts beständiger als ein Provisorium", sagt Karl Heinz Auer, der 14 Jahre lang den Ethiklehrgang am Pädagogischen Institut in Innsbruck geleitet hat.

"Man würde der Sache nichts Gutes tun, indem man sagt, Ethik- sei besser als Religionsunterricht. Er ist einfach anders, die Zielgruppe ist eine andere." Das Lehrziel sei Toleranz und Demokratie, egal welche Konfession gelehrt wird. Dennoch ist wohl nicht jeder Lehrer liberal eingestellt - es ist zu hören, manche würden im Unterricht Propaganda betreiben. Auer selbst wurde "auf den Boden der Realität geholt", als er an der Islamischen Schule in Wien unterrichtet hat und von einer Studentin gefragt, wurde ob in Österreich die Blutrache verboten sei.

Das Wiener Gymnasium Anton-Baumgartner-Straße im 23. Bezirk setzt seit 18 Jahren auf Ethik. "Das hat dem Religionsunterricht gut getan", sagt Direktor Dieter Braunstein. Das Verhältnis zwischen Religion und Ethik betrage 40 zu 60; welches Fach die Oberhand hat, ist im Schwanken begriffen. Dieses Gymnasium ist eine der wenigen Schulen, in der Ethik auch in der Unterstufe auf dem Stundenplan steht: Die 10- bis 12-Jährigen haben wöchentlich eine Doppelstunde "praktisches Philosophieren".

Hier wird über Familie, Freundschaft und Konfliktlösung gesprochen. "Was mich überrascht: Sehr viele muslimische Eltern melden ihre Kinder vom islamischen Religionsunterricht ab und für Philosophie an. Es ist zu beobachten, dass Muslime ihre Kinder verstärkt einem weltlichen Werteunterricht zuführen", so Braunstein. "Die Jugendlichen haben großes Interesse, andere Konfessionen kennenzulernen und Sozialtechniken aufzusaugen. Es geht um unverrückbare Prinzipien wie Menschenrechte, das ist die Basis des menschlichen Zusammenlebens."

Neben gut geschulten Lehrern sind aber auch Berater von außen gefragt, denn viele erleben Schule als autoritäre, Angst machende Institution, die nicht dazu geeignet ist, sensible Themen zu besprechen. Peham erklärt, wie man Jugendliche erreicht: indem man sich für sie und ihre Lebenswelt interessiert. Auf diesem Wege könne man selbst Neonazis das braune Gedankengut austreiben. Peham: "Ich weiß, wie sie ticken, ich kenne ihre Lieder. Dieses Wissen ist wichtig."



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Dokument erstellt am 2015-01-15 15:53:05
Letzte Änderung am 2015-01-20 17:02:34


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