• vom 07.09.2015, 18:13 Uhr

Schule

Update: 14.09.2015, 14:35 Uhr

Schulbeginn

"Wann darf ich wieder zur Schule?"




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Von Alexander Maurer

  • Erster Schultag für Flüchtlingskinder - in einer Schule, wo sie aufgrund des hohen Migrantenanteils ohnehin nicht auffallen.

"Refugees Welcome" hieß es auch in den Wiener Schulen: Die Flüchtlingskinder bekamen zum Start Schultüten überreicht. - © apa/Helmut Fohringer

"Refugees Welcome" hieß es auch in den Wiener Schulen: Die Flüchtlingskinder bekamen zum Start Schultüten überreicht. © apa/Helmut Fohringer

Wien. Für viele Kinder ist es der allererste Schultag ihres Lebens, das lassen die bunten Schultüten erkennen, die immer wieder aus der Menge vor den Toren der Volksschule Wichtelgasse 67 im 17. Bezirk hervorstechen. Aber für drei der 300 Kinder ist es aus anderen Gründen ein besonderer Tag. Sie sind mit ihren Eltern aus Syrien vor dem Krieg nach Österreich geflüchtet. Jetzt können sie wieder zur Schule gehen, unter Gleichaltrigen sein. Ein kleines Stück eines normalen Lebens.

"Ich freue mich, dass sie kommen, und wir werden sie wie alle anderen Kinder begleiten, nämlich herzlich und professionell", meint Eva Mader, Direktorin der Volksschule Wichtelgasse. Für sie ist es wichtig, dass die Kinder im sozialen Kontext mit den anderen geschult werden. Aufgrund der internationalen Ausrichtung der Volksschule sind die Kinder nichts Ungewöhnliches. Bei vielen von ihnen liegen bereits gute Englischkenntnisse vor, in den höheren Klassen wird zumindest eine Stunde täglich auf Englisch unterrichtet. Parallel zum Unterricht erhalten die Kinder zusätzlich Sprachförderung.


Barbara Koth ist Lehrerin einer Vorschulklasse in der Wichtelgasse und betreut so eines der Flüchtlingskinder. Integrationsprobleme sieht die Jungpädagogin keine: "Wir Erwachsenen können uns von den Kindern da oft was abschauen. Für sie sind das einfach neue Kinder. Gerade im Vorschulbereich sind ohnehin alle neu und kennen einander noch nicht. Aber auch in den höheren Klassen sind die Kinder offen gegenüber Quereinsteigern", erzählt sie. Neben guter Bildung soll den Kindern auch das Gefühl vermittelt werden, willkommen zu sein. "Sie sollen gut integriert werden und Spaß an der Schule haben", meint die Lehrerin.

Ein bis zwei Kinder pro Klasse
In der Neuen Mittelschule am Kinzerplatz im 21. Bezirk sind dieses Jahr zehn der 200 Schüler Flüchtlinge. "Pro Klasse sind das maximal zwei Kinder", erklärt Schuldirektor Werner Schuster gegenüber der "Wiener Zeitung". Er persönlich habe Flüchtlingskinder als sehr lernwillig und leistungsfähig erlebt. "Voriges Jahr kam ein Vierzehnjähriger ohne Begleitung zu uns. Die Dame vom Samariterbund, die ihn betreute, hat mir erzählt, dass seine erste Frage, als er ankam ,Wann darf ich wieder zur Schule gehen?‘ war." Schule gebe dem Leben der Kinder auch eine gewisse Stabilität, meint er. Dementsprechend groß war der Zusammenhalt in den Klassen. Auch als Direktor blieb der positive Eindruck erhalten - Flüchtlingskinder kamen nicht wegen disziplinarischer Probleme in seine Direktion, sondern weil sie oftmals nachfragen wollten, wo und wie sie weiter Deutsch lernen könnten.

"Ich finde eine Bereicherung für unsere Kinder", meint Martina Rammer-Gmeiner, die zwei Söhne in der Wichtelgasse hat. Einer von ihnen geht in eine Klasse, in der zwei Kinder Deutsch als Muttersprache haben. "Dort herrscht aber ein hohes Leistungsniveau und eine sehr warme Klassengemeinschaft", betont sie. "Von anderen Kulturen zu lernen ist das Beste, was man seinen Kindern beibringen kann", findet auch Nurife Seker, deren Tochter die vierte Klasse besucht. "Die Flüchtlingskinder brauchen diese Möglichkeiten für eine gute Bildung ganz besonders, da sie hier von vorne beginnen müssen."




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Dokument erstellt am 2015-09-07 18:17:04
Letzte Änderung am 2015-09-14 14:35:04


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