• vom 15.04.2016, 18:28 Uhr

Schule

Update: 15.04.2016, 22:02 Uhr

Flüchtlinge

Gymnasium: Refugees meistens not welcome




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Von Marina Delcheva

  • Asylsuchende Jugendliche kommen selten und nur mit wohlwollender Unterstützung auf AHS.



Wien. Flüchtlingskindern bleibt der Weg in ein Gymnasium in der Regel verwehrt. Außer, sie haben wohlwollende österreichische Förderer oder engagierte AHS-Direktoren an ihrer Seite. So wie ein 12-jähriges Mädchen aus Syrien, das im September 2015 nach Österreich kam und deren Pflegemutter Barbara Blaha ist, ehemalige ÖH-Sprecherin. Das Mädchen besucht die Unterstufe des Bundesgymnasiums Maroltingergasse im 16. Wiener Bezirk. Damit ist es eines von 63 Flüchtlingskindern, die im laufenden Schuljahr in Wien in einer AHS-Unterstufe eingeschult wurden. 1006 Kinder kamen auf eine Neue Mittelschule (NMS). Österreichweit kamen, mit Stand Jänner 2016, 114 von insgesamt 8453 schulpflichtigen Flüchtlingskindern in eine AHS-Unterstufe, so die Bildungsbeauftragte des Bildungsministeriums, Terezija Stoisits.

"Wir haben uns an den Hörer gehängt und alle Gymnasien in der Nähe durchgerufen", erzählt Blaha. Sie habe acht oder neun Absagen bekommen, immer mit der Begründung, dass man keinen Platz und keine Ressourcen habe, um ein Flüchtlingskind zu betreuen. In der Maroltingergasse habe es dann geklappt, auch weil man argumentierte, dass das Mädchen in der Heimat eine ähnliche Schulform besucht habe. "Sie fühlt sich sehr wohl dort und lernt wie eine Verrückte. Ich bin erstaunt, wie schnell sie Fortschritte macht", sagt Blaha. Die Schulleiterin war für eine Stellungnahme ohne ausdrückliche Erlaubnis des Stadtschulrats übrigens nicht zu erreichen.


Nun hat aber nicht jedes Flüchtlingskind Unterstützung von wohlwollenden Österreichern, die, wie Blaha, auch öffentlich bekannt sind. Für Eltern, die gerade erst nach Österreich geflohen sind und kein Wort Deutsch sprechen, ist es praktisch kaum möglich, ihre Kinder auf ein Gymnasium oder eine Schule mit Matura zu bekommen. Egal, ob die Kinder davor eine Eliteschule in Aleppo besucht haben oder noch nie in der Schule waren.

"Könnten Kinder nehmen"
Hierzulande gilt grundsätzlich: In ein Gymnasium kommt, wer Gymnasium-fit ist. Also nur Kinder, die in der vierten Klasse Volksschule gute Noten haben und ausreichend Deutsch sprechen, um dem Unterricht zu folgen. Wenn man es als frisch zugezogenes Kind trotzdem in eine AHS schafft, gleicht das einem Lottogewinn und hängt vom Wohlwollen der einzelnen AHS-Direktoren ab, die selbst entscheiden dürfen, ob sie ein Flüchtlingskind als außerordentlichen Schüler aufnehmen oder nicht. Und das bringt die Direktoren unter Umständen in Erklärungsnot. Denn jedes Flüchtlingskind, das einen Platz bekommt, nimmt diesen quasi einem anderen Kind, das hier geboren ist und besser Deutsch spricht, weg.

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Schlagwörter

Flüchtlinge, Schule, AHS, NMS

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Dokument erstellt am 2016-04-15 18:32:06
Letzte Änderung am 2016-04-15 22:02:03


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