• vom 22.01.2018, 17:29 Uhr

Schule

Update: 22.01.2018, 18:55 Uhr

Deutschklassen

Trennen und fördern




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  • Der Bildungsminister präsentiert seinen Plan, Kinder in Deutschklassen auf den Unterricht vorzubereiten.

"Wer sagt, das sind Ghettoisierungsmaßnahmen, hat das Prinzip nicht verstanden - oder er oder sie will es nicht verstehen", sagt Faßmann.

"Wer sagt, das sind Ghettoisierungsmaßnahmen, hat das Prinzip nicht verstanden - oder er oder sie will es nicht verstehen", sagt Faßmann.© APAweb / Georg Hochmuth "Wer sagt, das sind Ghettoisierungsmaßnahmen, hat das Prinzip nicht verstanden - oder er oder sie will es nicht verstehen", sagt Faßmann.© APAweb / Georg Hochmuth

Wien. (pech) Ein Viertel der Kinder eines Jahrgangs in Österreich hat bereits eine andere Sprache als Deutsch als Muttersprache. Im vergangenen Schuljahr gab es in Österreich 40.000 außerordentliche Schüler, also Schüler, deren Deutsch nicht ausreichend war, um dem Unterricht zu folgen. Heuer werden es nur noch 30.000 außerordentliche Schüler sein. Das liegt daran, dass die Flüchtlingswelle bereits länger her ist und die Kinder bereits Deutsch können.

Die neue Bundesregierung reagiert darauf und will offenbar Kinder mit unterschiedlichem Niveau rasch unterrichtsfit machen. Schüler, die nicht ausreichend Deutsch sprechen, müssen ab kommendem Schuljahr (2018/19) in der Volksschule 15, in der Neuen Mittelschule beziehungsweise der AHS 20 Wochenstunden eine Deutschförderklasse besuchen. Das sieht ein am Montag von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) vorgestelltes Konzept vor. Nach jedem Semester ist bei Nachweis entsprechender Kenntnisse der Wechsel in eine Regelklasse möglich. Die dazu notwendigen gesetzlichen Bestimmungen sollen im Sommer kommen, damit sie mit dem nächsten Schuljahr umgesetzt werden können.


Gemeinsam in Musik,
Zeichnen und Turnen

Neben dem Besuch der Deutschklassen nehmen die Kinder in Fächern wie Zeichnen, Musik oder Turnen am Unterricht in Regelklassen teil.

Nach jedem Semester soll mit einem einheitlichen Test überprüft werden, ob die Kinder dem Regelunterricht mittlerweile ausreichend folgen können. Ist dies der Fall, können sie unmittelbar in die Regelklassen wechseln - in welche Schulstufe, kann notfalls per Feststellungsprüfung erhoben werden. Ansonsten besuchen sie weiter die Deutschförderklasse, allerdings maximal vier Semester lang. Nach dem Wechsel in die Regelklasse erhalten sie außerdem noch sechs Stunden pro Woche parallel zum Unterricht Förderung in einem Deutschförderkurs. Flankierend werden Deutschkenntnisse explizit als Schulreifekriterium verankert.

Schnider: Das Gute ist die
Kürze der Trennung

Bildungsexperte Andreas Schnider (ÖVP) zeigte sich im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" "angenehm überrascht", dass der Aufenthalt in eigenen Deutschklassen nun doch kurz gehalten sein soll. "Eigentlich lernt man Sprache am besten durch den Kontakt mit Deutschsprachigen und nicht durch Absonderung." Er spricht damit aus, was viele Experten bereits bei der Debatte zum Regierungsprogramm zu bedenken gegeben haben, dass nämlich eigene Deutschklassen Integration erschweren.

"Wer sagt, das sind Ghettoisierungsmaßnahmen, hat das Prinzip nicht verstanden - oder er oder sie will es nicht verstehen", sagte Faßmann dazu. Ziel der Deutschförderklassen sei der möglichst rasche Übertritt in die Regelklasse.

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Dokument erstellt am 2018-01-22 17:32:06
Letzte nderung am 2018-01-22 18:55:08