• vom 16.02.2018, 17:01 Uhr

Schule

Update: 19.02.2018, 11:02 Uhr

Bildung

Faßmann will mehr Geld in Problemschulen stecken




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Von Walter Hämmerle

  • Bildungsminister über Türkis-Blau als Gegenbewegung zu "1968", Burschenschafter als Uniräte und Meritokratie.

"Ich habe große Sympathie für die Idee des sozialen Aufstiegs durch Bildung." - © WZ/mozi

"Ich habe große Sympathie für die Idee des sozialen Aufstiegs durch Bildung." © WZ/mozi

Wien. Bildung hat seit der Moderne einen besonderen Klang: Wissen, so gilt seitdem, verheißt ein selbstbestimmtes Leben und öffnet die Tür zum sozialen Aufstieg für jedermann. Aus diesem Versprechen leitet sich auch der politische Stellenwert des Themas ab.

Seit 8. Jänner steht Heinz Faßmann (62) an der Spitze des Bildungsministeriums. Der Düsseldorfer - österreichischer Staatsbürger ist er seit 1994 - war zuvor Vizerektor der Universität Wien. Bekannt geworden ist er aber vor allem als Experte für Migrationsfragen, auf den Kanzler Sebastian Kurz hört. Ach ja, und 2,07 Meter ist er auch noch groß.

"Wiener Zeitung": Herr Bundesminister, Innenminister Herbert Kickl von der FPÖ ist der Ansicht, dass diese Koalition für den Kampf gegen die Ideen von "1968" stehe. Sehen Sie das auch so?

Heinz Faßmann: Hier fällt mir eine Antwort schwer, deshalb eine Gegenfrage: Können Sie bestimmen, was genau die Ideale dieser Revolution waren?

Der Kampf gegen traditionelle Institutionen, gegen Hierarchien, von der Familie über die Schule und Universitäten bis hin zu Kirchen, Gewerkschaften und Parteien. Die Betonung des Individuums, ein neues Verständnis von Sexualität, das Aufweichen der Geschlechterrollen und noch etliches mehr.

Ja, und auch der Antiimperialismus gehört dazu, Kritik an den Großmächten, insbesondere an den USA. Bei all diesen Zielen und Werten kann ich allerdings nicht erkennen, inwiefern diese Bundesregierung nun einen Gegenentwurf darstellen sollte. Ich sehe nirgendwo ein Wiederaufleben alter Autoritäten. Und die Pläne der Regierung für die Universitäten sollen diese leistungsfähiger machen und die Studiennachfrage mit dem Angebot in Einklang bringen. Von einem Revival der Ordinarien-Universität alten Stils kann da keine Rede sein. Dem Bild von dieser Koalition als Gegenentwurf zu "1968" kann ich also keine Substanz
abgewinnen.

Wenn man will, kann man die geplanten Neuerungen bei Verstößen gegen die Schulpflicht als Rückkehr zu einer Kultur des Strafens verstehen.

Hier muss ich schmunzeln, weil ich die gültige Verwaltungsstrafe bewusst unverändert gelassen habe; dies nicht zuletzt, weil ich testen wollte, wie die Medien reagieren. Es ist bezeichnend, wenn jetzt alle von einer "Verschärfung" sprechen. Mir geht es um eine praktikablere Handhabung der Beurteilung, wann eine Schulpflichtverletzung auftritt.

Indem Sie das Feststellungsverfahren vereinfachen, werden Strafen künftig leichter möglich.

Ja, aber nicht wegen dem Strafen, sondern weil ich glaube, dass wir eine Vereinfachung der Bürokratieabläufe benötigen. Wir brauchen faire Strukturen, die auch demokratisch abgesichert sind, das ist eben das Gegenteil einer Rückkehr starrer und ungebundener Autoritäten.




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Dokument erstellt am 2018-02-16 17:05:25
Letzte Änderung am 2018-02-19 11:02:33


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