• vom 25.07.2018, 16:19 Uhr

Schule

Update: 26.07.2018, 11:16 Uhr

Politische Bildung

Dürfen Lehrer politisch sein?




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Die Krux mit der Neutralität

Der Politikunterricht hat nicht die Meinungs-, sondern die politische Urteilsbildung zur Aufgabe. Das heißt, dass es für Schüler förderlich ist, wenn Lehrer ihre Meinung kundtun, nur müssen sie diese als die ihre kennzeichnen und als eine von vielen darstellen.

Keinesfalls könne aus dem Konsens abgeleitet werden, "dass Lehrer politisch neutral unterrichten müssen", sagt der Leiter des Zentrums für Politische Bildung und einer der Autoren des Leitfadens, Philipp Mittnik. Dies sei eine weitverbreitete Fehlinterpretation.Einerseits weil die Objektivität allein durch die Auswahl der Schwerpunkte und Materialien nicht mehr gegeben sei und andererseits, "weil man menschrechtsfeindlichen und demokratiegefährdenden Aussagen gegenüber nicht neutral sein kann". Diese würden in der Schule zum Alltag gehören, sagt Mittnik. Sie sei schließlich ein Spiegel der Gesellschaft.

Viele Lehrer trauen sich dennoch nicht, sich politisch zu äußern, "obwohl es wenige Berufe gibt, die so geschützt sind." Das liege auch an der mäßigen Lehrerausbildung im Bereich der Politischen Bildung und auch die politischen Konflikte dieser Welt würden im Unterricht viel zu wenig vorkommen, sagt Mittnik.

Der Politikunterricht sei ein Balanceakt zwischen Positionierung und Zurückhaltung, es gehe um Differenzierung und darum, rationales Denken zu fördern. Wenn Lehrer aber nie Stellung beziehen, behindere das den Aufbau eines demokratischen Bewusstseins, sagt Mittnik, der 14 Jahre lang Politische Bildung unterrichtet hat. "Außerdem bleiben so problematische Meinungen einfach stehen."

Womit man heute provoziert

Ein Beispiel dafür sei der Umgang mit Extremismus. "Womit können Jugendliche denn heute noch provozieren", fragt Mittnik. "Früher warst du mit blauen Haaren ein Verrückter, heute provozieren junge Menschen mit Nationalismus, Neonazismus und Salafismus." Lehrer müssten geschult werden, wie man damit umgeht. In den meisten Fällen sei das keine tiefideologische Überzeugung. "Schüler werden aber nur bestraft, anstatt zu erklären, warum das nicht geht", sagt Mittnik. Das heiße nicht, dass man jeden Schüler erreicht, "aber man hat aufgehört, "an die Ursachen zu kommen".

Mittnik hält den politischen Diskurs in der Schule für wichtig. "Die Schule kann die Instanz sein, die sagt, dass man unterschiedlicher Meinung sein kann, dass man sogar gegen den Flüchtlingszustrom sein kann, aber nur, wenn Argumente daraus folgen."




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Dokument erstellt am 2018-07-25 16:29:12
Letzte Änderung am 2018-07-26 11:16:58


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