• vom 19.11.2018, 17:34 Uhr

Uni

Update: 19.11.2018, 18:03 Uhr

George Soros

"Die Würfel sind gefallen"




  • Artikel
  • Kommentare (14)
  • Lesenswert (37)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • US-Investor Soros wirbt für Umzug der Central European University aus Budapest nach Wien.

Der US-Investor und Holocaust-Überlebende ungarischer Abstammung George Soros ist zum Feindbild der Rechten in Europa geworden. - © apa/Neubauer

Der US-Investor und Holocaust-Überlebende ungarischer Abstammung George Soros ist zum Feindbild der Rechten in Europa geworden. © apa/Neubauer

Wien. (dg) Derzeit ist der US-Milliardär und Philantrop ungarischer Abstammung, George Soros, in Wien, um mit Bundeskanzler Sebastian Kurz und Bildungsminister Heinz Faßmann (beide ÖVP) über die Zukunft der von ihm initiierten Central European University (CEU) zu beraten. Kurz traf Soros schon am Sonntag und soll mit ihm auch über den Brexit und die Zukunft der EU diskutiert haben. Beim Treffen mit Faßmann am Montag soll es um die Akkreditierung der CEU und technische Modalitäten gegangen sein.

Diese könnte schon bald ihren Standort von Budapest in die österreichische Hauptstadt verlagern. Der Schritt ist notwendig, weil Ungarns Regierung 2017 ein neues Gesetz erließ, das den Betrieb ausländischer Universitäten weitgehend verbietet.


De facto richtete sich die Gesetzesänderung aber gegen Soros und die CEU. Soros gilt als Feindbild für Ungarns Premier Viktor Orbán. Dieser machte schon im Wahlkampf mit populistischen und antisemitischen Äußerungen gegen den US-Unternehmer mobil. Ob sich die international anerkannte Universität aus Ungarn gänzlich zurückzieht, steht noch nicht fest. Kommenden Herbst nimmt sie den Lehr- und Forschungsbetrieb am Areal des Otto-Wagner-Spitals in Wien auf.

Vorab Gespräche über Umzug
Dass Soros nun persönlich beim Kanzler und beim Bildungsminister vorspricht, wertet der Politologe Anton Pelinka als "symbolische Schlussformel". Pelinka war bis zum Sommer an der CEU als Lehrender und als Forscher tätig. "Nach meiner Einschätzung sind die Würfel schon gefallen", sagt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Bereits im Sommer habe sich der Rektor der CEU mit Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) getroffen, um über einen Umzug seiner Universität mit sozialwissenschaftlichem Schwerpunkt zu verhandeln. Ebenfalls soll es auch schon Hintergrundgespräche zwischen dem Rektorat und Bildungsminister Faßmann gegeben haben.

"Wenn Österreich eine gut etablierte Forschungsuniversität quasi geschenkt bekommt, sollte man nicht nein sagen. Das wäre unvernünftig", meint Pelinka. Es wäre ein sehr teures Unterfangen, solche Strukturen hier neu aufzubauen. Mit dem neuen Standort kämen auch 100 Forscher und Lehrende sowie an die 2000 Master- und Doktoratsstudierende nach Wien in den Disziplinen Politikwissenschaft, Journalismus und Internationale Beziehungen. Das belebe den Standort, und "die Leute zahlen auch Steuern".

Über das Treffen mit Soros am Sonntag sagte Bundeskanzler Kurz: Es sei ihm wichtig, "gerade auch mit Personen, mit denen man gewisse Auffassungsunterschiede hat, wie zum Beispiel in der Migration, im Gespräch zu bleiben". Auch Faßmann zeigte sich erfreut über die "Verstärkung des Universitätsstandorts".

Weniger erfreut dürfte der Koalitionspartner FPÖ sein. Im Sommer sorgte die Aussage des freiheitlichen Klubobmanns Johann Gudenus für Aufsehen. Dieser meinte, es gäbe "stichhaltige Gerüchte" dafür, dass Soros gezielt Migrationsströme nach Europa lenke. Den Soros-Besuch wollte man in der FPÖ auf Nachfrage nicht kommentieren.

Die Person des Investors wird auch hierzulande in rechtspopulistischen und rechtsextremen Kreisen gehasst. Der Holocaust-Überlebende wurde unter anderem mit Währungsspekulationen reich und unterstützt gesellschaftsliberale Initiativen und Organisationen, vor allem in Osteuropa. Das macht ihn immer wieder zur Zielscheibe von Verschwörungstheorien. Einige heimische Medien mussten am Montag ihre Foren wegen antisemitischer und rassistischer Kommentare über seine Person schließen.




14 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-19 17:46:29
Letzte Änderung am 2018-11-19 18:03:27


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Top-Forschungsland hat Sand im Getriebe
  2. Eine wunderbare Reise zu den Ursprüngen von Jethro Tull
  3. "Die Weiden" erleiden Schiffbruch an der Staatsoper
  4. Das mörderische Internet der Dinge
  5. Philharmoniker glänzten mit Kirill Petrenko
Meistkommentiert
  1. Jugendliche Flüchtlinge werden verlegt
  2. Kritik an und Anzeige gegen Waldhäusl
  3. Grüne wollen U-Ausschuss zu Drasenhofen
  4. Onlinepetition für "modernes Bleiberecht" gestartet
  5. Rudolf Burger: "Ich weiß schlicht keine Antwort"

Werbung




Werbung