• vom 05.04.2018, 15:21 Uhr

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Update: 05.04.2018, 15:31 Uhr

Hochschulpolitik

FHs fordern bessere Rahmenbedingungen für Forschung




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Von WZ Online, APA


    Die 21 österreichischen Fachhochschulen trafen am 4. und 5. April zum zwölften Mal im Rahmen eines FH-Forschungsforums zusammen. In 19 zum Teil gleichzeitig stattfindenden Panels wurden an der FH Salzburg 83 Projekte vorgestellt und den Leistungen der FH-Forschung eine Bühne gegeben. - © Foto: FH St. Pölten/Martin Lifka Photography

    Die 21 österreichischen Fachhochschulen trafen am 4. und 5. April zum zwölften Mal im Rahmen eines FH-Forschungsforums zusammen. In 19 zum Teil gleichzeitig stattfindenden Panels wurden an der FH Salzburg 83 Projekte vorgestellt und den Leistungen der FH-Forschung eine Bühne gegeben. © Foto: FH St. Pölten/Martin Lifka Photography

    Salzburg. Anlässlich des 12. Forschungsforums der österreichischen Fachhochschulen, das derzeit an der FH Salzburg in Puch-Urstein stattfindet, forderte Raimund Ribitsch, Präsident der Fachhochschul-Konferenz (FHK) und Geschäftsführer der FH Salzburg, bessere finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen für die Forschung.

    "Die Fachhochschulen nehmen ihren gesetzlichen Auftrag zur angewandten Forschung sehr ernst", sagte Ribitsch und verwies darauf, wie wichtig die enge Kooperation mit Industrie und Wirtschaft in diesem Bereich für die Innovationseffizienz in Österreich sei. Um den erfolgreichen Weg fortzusetzen, brauche es auch entsprechende Rahmenbedingungen. Im neuen Entwicklungs- und Finanzierungsplan für die Fachhochschulen müsse sich der im Regierungsprogramm verankerte Ausbau des FH-Sektors auch finanziell widerspiegeln, verlangte Ribitsch.

    "Keine nachhaltige Finanzierung"

    Eine kontinuierliche Valorisierung der Fördersätze sei unabdingbar. "Wenn wir das nicht machen, verlieren wir Qualität und Wettbewerbsfähigkeit in Forschung und Lehre", betonte der FHK-Präsident. "Anders als die Universitäten haben wir keine nachhaltige Finanzierung, und darum gilt es zu kämpfen." Auf den aktuellen Finanzierungsplan, der Ende des Sommersemesters 2018 ausläuft, folge eine "planlose Zeit", so Ribitsch.

    In dieselbe Kerbe schlägt auch Johann Kastner, Leiter des F&E-Ausschusses der Fachhochschulen. Ziel der Fachhochschulforschung sei es, Wissen zu generieren und in die Gesellschaft zu transferieren, so dass daraus ein Nutzen gezogen werden kann. Diese angewandte Forschung, die sich nicht wie die Grundlagenforschung mit dem Publizieren begnüge, ist für Kastner die "Champions League der Forschung". Damit die aber weiterhin möglich sei, brauche es dringend einen neuen Finanzierungsplan bis 2022/2023, und einen Ausbau der Studienplätze, richtete sich Kastner an Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP): "Es gibt viele Bereiche, die nicht ausfinanziert sind."

    Dazu zähle zum Beispiel die Basisförderung, betonte Roald Steiner, Vizerektor der FH Salzburg: "Es braucht Perspektiven für den Nachwuchs." Momentan gebe es für Nachwuchsforscher immer nur eine zeitlich begrenzte Anstellung, was eine ungewisse Zukunft bedeute. Es brauche also eine Basisfinanzierung, damit die FH-Forschung nicht am Tropf der Querfinanzierung hänge und ihre Potenziale ausschöpfen könne. So würden FHs Gefahr laufen, zu Dienstleistungsunternehmen zu werden. Wenn nur mehr an medienwirksamen Themen geforscht wird, würde sich das auf die Qualität der Forschung auswirken. Dann würde es nur mehr darum gehen, Ergebnisse unter möglichst geringem Aufwand für möglichst große monetäre Erträge zu erbringen.

    Forderung nach Doktoratsstudien

    Die Fachhochschulen bräuchten neben einer kontinuierlichen Forschungsförderung die Einführung von extern akkreditierten Doktoratsprogrammen, merkte Ribitsch an. Die Möglichkeit, Doktorate zu vergeben, ist bisher Universitäten vorbehalten. Ungerechterweise, so Ribitsch: "Dort, wo Universität drauf steht, darf Doktoratsprogramm angeboten werden." Statt dieser "Türschild-bezogenen Vergabe" wollen die Fachhochschulen eine leistungsbezogene Vergabe. Derzeit müssen Studierende der Fachhochschulen für eine Doktorarbeit an eine Universität wechseln.

    "Wenn wir mit Forschung Hebelwirkung erzeugen wollen, kommen wir um ein Doktoratsprogramm nicht herum", erklärte Andreas Altmann, Rektor und Geschäftsführer des MCI Management Center Innsbruck: "Forschung und Forschungsmittel stehen mit einem Promotionsrecht in Verbindung." Der echte Flaschenhals bei Projektanfragen aus der Wirtschaft an den Fachhochschulen sei, dass es zu wenig wissenschaftlichen Nachwuchs gebe.

    Bilanz über COIN

    Das Forschungsforum war auch Anlass, Bilanz über das für die Forschung an Fachhochschulen ausgerichtete Programm COIN (Cooperation & Innovation) der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) zu ziehen. In zehn Jahren seien 206 Projekte mit rund 1.050 Partnern mit einem Volumen von 126 Mio. Euro gefördert worden, sagte Andreas Wildberger von der FFG. Das Programm habe die Forschung an den Fachhochschulen deutlich gestärkt, waren sich die Teilnehmer einer Diskussionsrunde einig. Das Programm sei wichtig, um kleinere Unternehmen in angewandte Forschung einzubinden und müsse ausgebaut werden, meinten die Vertreter der Fachhochschulen.

    Einen Grund, das Programm zu feiern, sah auch Bianca Fuchs-Neuhold von der FH Joanneum. Das "Health-Perception-Lab", das sich mit Adipositasprävention und -therapie durch gesundheitsorientierte Sensorikforschung befasst, wurde über COIN finanziert. Konkret wird dabei dem Zusammenhang zwischen Geschmackspräferenzen und -Sensibilität beziehungsweise -Wahrnehmung auf die Spur gegangen. Im Zuge dessen entstand auch ein Josef Ressel Zentrum für pränatale Programmierung - und ein gesundes, salzreduziertes und ballaststoffreiches Brot.

    Faßmann will stärkere Brücke zwischen FH und Unis

    Er sei froh, dass es gelungen sei, die drohende Absenkung der Fördersätze für die Fachhochschulen zu vermeiden, sagte Wissenschaftsminister Faßmann in seinem Statement. Der nächste Entwicklungs- und Finanzierungsplan werde die angestrebte Expansion des Sektors aufgreifen. Dies müsse aber auch immer mit dem Finanzministerium abgestimmt werden, betonte der Minister. Zahlen oder Zeitpläne wollte er keine nennen. Faßmann sprach sich für eine stärkere Brücke zwischen Universitäten und Fachhochschulen aus und nannte dabei das Studienrecht sowie spezifische Doktoratsprojekte als Beispiel. Die Expansion des Erfolgsmodells Fachhochschule dürfe nicht abreißen, erklärte der Minister, der sich stolz über die vielfältige Forschung und den Erfolgsweg der Studiengänge zeigte.

    Die Absolventen der Fachhochschulen würden mittlerweile ein Viertel aller Absolventen stellen, befänden sich im Gegensatz zu ihren Kollegen aus den Universitäten aber meist kürzer auf Jobsuche. Die praxisorientierte Ausbildung, so Faßmann, ebne ihnen den Weg in das Berufsleben.

    Blick in die Zukunft

    Den Blick in diese ungewisse Zukunft richtet das diesjährige Forschungsforum mit Themenschwerpunkten wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Gleich neun Beiträge umfasst das Panel zur Nachhaltigkeit, wo sechs Fachhochschulen ihre Projekte vorstellen. Diese reichen von nachhaltiger Raumplanung über die Wirtschaftlichkeit von Kleinbauernhöfen bis hin zur Nachhaltigkeit von Bildungsangeboten an Hochschulen. Das Panel widmet sich den Auswirkungen der Digitalisierung auf Rollenselbstbilder, Arbeit und Arbeitsplätze.

    Die 21 österreichischen Fachhochschulen trafen am 4. und 5. April zum zwölften Mal im Rahmen eines FH-Forschungsforums zusammen. In 19 zum Teil gleichzeitig stattfindenden Panels wurden an der FH Salzburg 83 Projekte vorgestellt und den Leistungen der FH-Forschung eine Bühne gegeben. Das diesjährige Forum steht unter dem Titel "Innovation - Transfer - Vorsprung" und präsentiert in drei Tracks mit mehreren Unterpunkten einerseits betriebene Spitzenforschung, dann Kooperationen mit privaten Unternehmen sowie die Nachwuchsforschung der Zukunft.





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-04-05 15:26:05
    Letzte Änderung am 2018-04-05 15:31:25


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