• vom 13.09.2011, 17:30 Uhr

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Update: 13.09.2011, 19:35 Uhr

Bildung

Bildung hat keine Priorität




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  • OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" stellt Österreich kein besonders gutes Zeugnis aus
  • Bildungsausgaben sind seit 1995 im Verhältnis zum BIP stark gesunken.
  • Hauptschul- und AHS-Lehrer unterrichten kürzer als ihre Kollegen.

Österreichs Schüler sind in kleineren Klassen als ihre Kollegen in anderen OECD-Ländern, aber die Sechs- bis Zwölfjährigen haben weniger Unterrichtszeit als im OECD-Durchschnitt. - © ZB

Österreichs Schüler sind in kleineren Klassen als ihre Kollegen in anderen OECD-Ländern, aber die Sechs- bis Zwölfjährigen haben weniger Unterrichtszeit als im OECD-Durchschnitt. © ZB

Wien. "Die Ausgaben für Bildungseinrichtungen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) erlauben Rückschlüsse darüber, in welchem Ausmaß ein Land Bildung Priorität einräumt", heißt es in der Studie "Bildung auf einen Blick" der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die am Dienstag veröffentlicht wurde. In Österreich sind die Bildungsausgaben im Verhältnis zum BIP zwischen 1995 und 2008 stark gesunken: von 6,2 auf 5,4 Prozent. Bildung hat demnach in Österreich keine Priorität.


Verantwortlich dafür sind die Rückgänge der Ausgaben für den Schulbereich - von 4,3 Prozent (1995) auf 3,6 Prozent (2008) gemessen am BIP. Praktisch stabil geblieben sind dagegen die Ausgaben für den Hochschulsektor (1,2 Prozent des BIP im Jahr 1995, 1,3 Prozent 2008).

Die österreichische Entwicklung läuft damit entgegen dem internationalen Trend. "In mehr als drei Viertel der Länder mit verfügbaren Daten für 2000 und 2008 war der Ausgabenanstieg für alle Bildungsbereiche zusammen größer als das Wachstum des BIP."



Rechnet man aber die Ausgaben pro Schüler oder Student, zählt Österreich mit 11.852 Dollar zu den Ländern mit den höchsten jährlichen Ausgaben für die Bildungseinrichtungen.

Vergleicht man die Veränderungen der Ausgaben und der Schüler- beziehungsweise Studentenzahlen, zeigt sich folgendes Bild: Im Schulbereich gab es zwischen dem Jahr 2000 und 2008 einen Rückgang der Schülerzahl um drei Prozent, die Bildungsausgaben sind im selben Zeitraum aber um acht Prozent gestiegen. Krasser ist die Entwicklung im Hochschulbereich: Dort ist die Zahl der Studierenden in diesem Zeitraum um 15 Prozent angestiegen, während die Aufwendungen für den Tertiärbereich um 48 Prozent gestiegen sind. Die Ausgaben pro Schüler haben sich damit um zwölf Prozent erhöht, jene pro Student um 29 Prozent.

Eine Erklärung für die höheren Ausgaben sind möglicherweise die kleineren Klassen. Unterrichtsministerin Claudia Schmied betonte, dass es wichtig sei, Kleinstschulen in ländlichen Gebieten zu erhalten. Die durchschnittliche Klassengröße lag mit 18,9 Kindern in der Volksschule (OECD: 21,4) und 22,6 Kindern in der AHS-Unterstufe oder Hauptschule (OECD: 23,7) unter dem OECD-Schnitt.

Mit der Senkung der Klassenschüler-Höchstzahl ging auch ein verbessertes Betreuungsverhältnis einher: In der Volksschule treffen auf einen Lehrer 12,6 Schüler (OECD: 16), in der Sekundarstufe 9,9 Kinder (OECD: 13,5). Das begrüßt OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher zwar "als angenehm für die Bildungsbeteiligten", "aber die Senkung der Höchstzahl ist nicht zwangsläufig eine geeignete Investition, um Qualität zu verbessern". Hier wäre die "reine Lernzeit, also die Unterrichtszeit, wichtiger". Und die ist bei Österreichs Jüngsten kürzer.

Dass auch Lehrer im OECD-Vergleich kürzer in den Klassenräumen stehen, unterstreicht für das Unterrichtsministerium die "Notwendigkeit eines neuen Lehrerdienstrechts". Dazu gehören für die Unterrichtsministerin auch höhere Anfangsgehälter.




Schlagwörter

Bildung, OECD, Ausgaben

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Dokument erstellt am 2011-09-13 17:38:11
Letzte Änderung am 2011-09-13 19:35:17