• vom 26.05.2015, 12:51 Uhr

Ausbildung & Arbeitswelt

Update: 26.05.2015, 13:03 Uhr

Ausbildung

Kinder türkischer Migranten tun sich an Österreichs Schulen schwerer als anderswo




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZOnline, apa

  • Laut einer Vergleichsstudie zwischen Österreich, Schweden und Frankreich.

Wien. Nachkommen von türkischen Migranten haben es laut einer Studie im österreichischen Bildungssystem deutlich schwerer als in Schweden oder Frankreich. Das liegt laut der Analyse des Sozialwissenschafters Philipp Schnell daran, dass ihnen ihr Elternhaus durchschnittlich weniger Unterstützung bieten kann, dieser Support aber gerade in Österreich oft entscheidend ist.

"Wesentlich ist die Intensität der Wechselwirkung zwischen den Strukturen des Schulsystems und familiären Ressourcen sowie der Zeitpunkt, zu dem diese Interaktion beginnt. Im österreichischen Bildungssystem wird sie früher als in anderen Ländern notwendig", erklärte Schnell. In anderen Ländern beginne etwa der gesetzliche Eintritt in vorschulische Einrichtungen früher. Dadurch seien die Eltern weniger lange allein für das Lernen eines Kindes verantwortlich.

Information

Philipp Schnell: "Educational Mobility of Second-generation Turks: Cross-national Perspectives", Amsterdam University Press, 280 Seiten,
Download


Unterstützung am Nachmittag

Ein zweiter wichtiger Punkt sei die Zeitspanne, die Kinder und Jugendliche an Schulen verbringen. Aufgrund des in Österreich noch weit verbreiteten Halbtagssystems ist dieser Zeitraum im Vergleich zu Frankreich und Schweden kürzer. Das erhöht wiederum die Bedeutung der Unterstützung am Nachmittag. Aufgrund des oftmals niedrigen Bildungsniveaus der Eltern kann die notwendige Betreuung in türkischen Familien teilweise nicht ausreichend geleistet werden, heißt es.

"Auch der Zeitpunkt, zu dem über den weiteren Bildungsweg entschieden wird, hat großen Einfluss auf den Bildungserfolg der Kinder. In Österreich ist dieser sehr früh. Der Einfluss der Eltern und ihrer Bildungsgeschichte ist zu diesem Zeitpunkt noch sehr groß", meinte Schnell, der sein Forschungsprojekt mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF am Institut für Stadt- und Regionalforschung der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) durchgeführt hat.

Bildungspolitische Rahmenbedingungen

Dass Nachkommen türkischer Migranten im Bildungsbereich in vielen Ländern Europas Benachteiligung erfahren, sei bereits bekannt gewesen. Die Gründe dafür konnte der Forscher nun anhand von Daten aus einer umfassenden europäischen Studie aus den Jahren 2007 und 2008 zur Integration von Migranten der zweiten Generation (TIES-Studie), gepaart mit einer detaillierten Betrachtung der drei nationalen Bildungssysteme, analysieren. Es zeige sich zwar, dass der Bildungsstand der Kinder noch immer am stärksten von dem der Eltern beeinflusst wird. Die von ihm nun auch in einem Buch veröffentlichten Erkenntnisse verdeutlichen aber auch den Einfluss bildungspolitischer Rahmenbedingungen. 




Schlagwörter

Ausbildung, Migration, Schule

3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-05-26 12:53:14
Letzte Änderung am 2015-05-26 13:03:01


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Was ist "das Leitkultur"?
  2. Proteste gegen Migranten in mexikanischer Grenzstadt Tijuana
  3. Zahl der Einbürgerungen steigt weiter
  4. EU kippt österreichische Regelung gegen "Sozialdumping"
  5. Der Geldbote
Meistkommentiert
  1. Grüne fordern Asyl für Asia Bibi
  2. Proteste gegen Migranten in mexikanischer Grenzstadt Tijuana
  3. Zahl der Einbürgerungen steigt weiter
  4. EU kippt österreichische Regelung gegen "Sozialdumping"

Werbung




Werbung